Der Einstieg in deinen Lernpfad
In diesem Kapitel baust du das Fundament für alles, was im Optionshandel danach kommt: Calls, Puts, Strike, Prämie, Verfall, Rechte und Pflichten. Ziel ist nicht Theorie um der Theorie willen, sondern ein klares Verständnis dafür, was du mit einer Option tatsächlich kontrollierst – und welches Risiko du damit eingehst.
Nach dieser Seite solltest du können:
Eine Option ist ein Finanzkontrakt, dessen Wert von einem Basiswert abhängt. Dieser Basiswert kann zum Beispiel eine Aktie, ein Index, ein Rohstoff oder eine Währung sein. Du handelst also nicht einfach nur eine Meinung zum Markt, sondern einen Vertrag mit klar definierten Bedingungen.
BEISPIEL CALL-OPTION
Du kaufst eine Call-Option auf die Aktie XYZ mit einem Strike von 100 €. Die Aktie notiert aktuell bei 95 €. Du zahlst eine Prämie von 3 € pro Option.
Szenario 1: Die Aktie steigt auf 110 €. Du kannst die Aktie für 100 € kaufen und sofort für 110 € verkaufen. Gewinn: 10 € – 3 € Prämie = 7 € pro Aktie.
Szenario 2: Die Aktie fällt auf 90 €. Du lässt die Option verfallen. Verlust: 3 € Prämie (maximal möglicher Verlust).
Du kaufst eine Put-Option auf die Aktie ABC mit einem Strike von 50 €. Die Aktie notiert aktuell bei 52 €. Du zahlst eine Prämie von 2 € pro Option.
Szenario 1: Die Aktie fällt auf 40 €. Du kannst die Aktie für 40 € kaufen und für 50 € verkaufen. Gewinn: 10 € – 2 € Prämie = 8 € pro Aktie.
Szenario 2: Die Aktie steigt auf 55 €. Du lässt die Option verfallen. Verlust: 2 € Prämie (maximal möglicher Verlust).
Die erste Entscheidungslogik
Wenn du steigende Kurse erwartest, denkst du zuerst an Calls. Wenn du fallende Kurse erwartest, denkst du zuerst an Puts.
Wenn du eine Option kaufst, zahlst du eine Prämie und kaufst dir ein Recht. Wenn du eine Option verkaufst, kassierst du eine Prämie und übernimmst eine Verpflichtung.
Genau dieser Unterschied ist der Kern des Optionshandels: Käufer begrenzen ihr Risiko auf die Prämie, Verkäufer müssen ihr Risiko aktiv steuern.
| Position | Rechte | Pflichten | Risiko |
|---|---|---|---|
| Long Call | Recht zum Kauf | Keine | Begrenzt (Prämie) |
| Short Call | Keine | Verkaufspflicht | Theoretisch unbegrenzt |
| Long Put | Recht zum Verkauf | Keine | Begrenzt (Prämie) |
| Short Put | Keine | Kaufpflicht | Hoch (Strike × 100) |
Wichtig: Als Optionskäufer hast du ein Recht, aber keine Pflicht. Als Optionsverkäufer oder Stillhalter übernimmst du dagegen eine Verpflichtung, falls der Käufer ausübt. Genau deshalb beginnt seriöser Optionshandel immer mit Risikoverständnis.
Der festgelegte Preis, zu dem der Basiswert bei Ausübung der Option gekauft (Call) oder verkauft (Put) werden kann.
Der Preis, den der Käufer der Option an den Verkäufer zahlt. Die Prämie setzt sich zusammen aus:
Das Datum, an dem die Option ausläuft. Nach diesem Datum ist die Option wertlos, wenn sie nicht ausgeübt wurde.
Amerikanische Optionen: Können jederzeit während der Laufzeit bis zum Verfalldatum ausgeübt werden. Dies ist der Standard bei US-Aktienoptionen.
Europäische Optionen: Können nur am Verfalldatum selbst ausgeübt werden. Dies ist typisch bei Index-Optionen.
Physical Settlement: Bei Ausübung erfolgt die tatsächliche Lieferung bzw. Abnahme des Basiswerts (typisch bei Aktienoptionen).
Cash Settlement: Es wird nur die Differenz zwischen Strike und aktuellem Kurs in bar ausgeglichen (typisch bei Index-Optionen).
Eine Standard-Aktienoption in den USA repräsentiert 100 Aktien (Multiplikator = 100). Wenn du also eine Option für 3 € Prämie kaufst, zahlst du tatsächlich 3 € × 100 = 300 €.
Tatsächliche Kosten: 5 Kontrakte × 100 Aktien × 2,50 € = 1.250 €
Kontrollierter Wert: 5 × 100 = 500 Aktien im Wert von 50.000 € (bei aktuellem Kurs von 100 €)
Hebel-Effekt: Mit 1.250 € kontrollierst du einen Aktienbestand von 50.000 €. Genau darin liegt die Stärke von Optionen – aber auch ihr Risiko. Kleine Prämien können große Marktwerte bewegen.
Diese Optionen-Grundlagen zeigen: Optionen sind Verträge mit klaren Rechten, Pflichten, Chancen und Risiken. Wenn du Strike, Prämie, Verfall, Moneyness und Kontraktgröße sicher verstehst, hast du das Fundament für die nächsten Schritte: Greeks, Volatilität, Positionsgröße und konkrete Optionsstrategien.
Nächster sinnvoller Schritt
Wenn diese Grundlagen sitzen, gehst du am besten nicht sofort zu komplexen Strategien. Vertiefe zuerst die beiden Grundbausteine und danach die Greeks.