⚠️ Dieser Artikel dient ausschließlich zu Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Optionshandel birgt erhebliche Risiken — mehr dazu im Disclaimer am Ende dieses Artikels.
Du glaubst, eine Aktie oder ein Index wird sich in den nächsten Wochen kaum bewegen? Dann ist der Iron Condor deine Strategie. Du verdienst Geld, wenn der Kurs in einer bestimmten Bandbreite bleibt — egal ob er leicht steigt, leicht fällt oder sich gar nicht bewegt.
In diesem Artikel lernst du, wie der Iron Condor funktioniert, wann du ihn einsetzen solltest, wie du die Strikes wählst und welche Fehler du unbedingt vermeiden musst.
Was ist ein Iron Condor?
Ein Iron Condor ist eine marktneutrale Optionsstrategie, bei der du gleichzeitig zwei Credit Spreads verkaufst — einen Bull Put Spread (unterhalb des Kurses) und einen Bear Call Spread (oberhalb des Kurses). Dadurch definierst du eine Preisspanne, innerhalb derer du profitierst.
Vereinfacht: Du wettest darauf, dass der Kurs einer Aktie zwischen zwei Grenzen bleibt. Solange er sich innerhalb dieser Grenzen bewegt, verdienst du Geld. Dein maximaler Verlust ist dabei von vornherein begrenzt.
Das Prinzip in einem Satz
Du wirst dafür bezahlt, dass eine Aktie sich nicht extrem bewegt — und dein Risiko ist dabei klar definiert.
Die vier Optionen im Iron Condor
Ein Iron Condor besteht aus vier Optionen, die alle gleichzeitig eröffnet werden:
Untere Seite (Bull Put Spread):
- Sell Put — höherer Strike (z.B. 280 $) → du kassierst Prämie
- Buy Put — niedrigerer Strike (z.B. 270 $) → dein Schutz nach unten
Obere Seite (Bear Call Spread):
- Sell Call — niedrigerer Strike (z.B. 320 $) → du kassierst Prämie
- Buy Call — höherer Strike (z.B. 330 $) → dein Schutz nach oben
Die Prämien der verkauften Optionen (Sell Put + Sell Call) sind höher als die Kosten der gekauften Optionen (Buy Put + Buy Call). Die Differenz ist dein maximaler Gewinn.
Wie funktioniert der Iron Condor? — Ein konkretes Beispiel
Ausgangssituation:
- Underlying: SPY (S&P 500 ETF)
- Aktueller Kurs: 300 $
- Du erwartest: Der SPY bleibt in den nächsten 30-45 Tagen zwischen 280 $ und 320 $
Dein Trade (alle Optionen mit gleichem Verfallsdatum, z.B. 45 DTE):
- Buy 1 Put @ Strike 270 $ (Schutz unten) → Kosten: 0,80 $
- Sell 1 Put @ Strike 280 $ (untere Grenze) → Einnahme: 1,50 $
- Sell 1 Call @ Strike 320 $ (obere Grenze) → Einnahme: 1,30 $
- Buy 1 Call @ Strike 330 $ (Schutz oben) → Kosten: 0,60 $
Nettoprämie: (1,50 + 1,30) – (0,80 + 0,60) = 1,40 $ pro Aktie = 140 $ pro Kontrakt
Die drei Kennzahlen deines Iron Condors
Maximaler Gewinn: 140 $
Wenn der SPY am Verfallstag zwischen 280 $ und 320 $ schließt. Alle vier Optionen verfallen wertlos. Du behältst die gesamte Prämie.
Maximaler Verlust: 860 $
Spread-Breite (10 $) × 100 minus kassierte Prämie (1,40 $ × 100) = 1.000 $ – 140 $ = 860 $. Das passiert, wenn der SPY unter 270 $ oder über 330 $ schließt.
Break-Even-Punkte:
- Unterer Break-Even: 280 $ – 1,40 $ = 278,60 $
- Oberer Break-Even: 320 $ + 1,40 $ = 321,40 $
Solange der SPY am Verfallstag zwischen 278,60 $ und 321,40 $ steht, machst du Gewinn.
Wann solltest du einen Iron Condor einsetzen?
Der Iron Condor ist keine Allzweckwaffe. Er funktioniert am besten unter bestimmten Marktbedingungen:
Ideale Bedingungen
Hohe implizite Volatilität (IV): Wenn die IV hoch ist, sind die Prämien für die verkauften Optionen größer. Das bedeutet mehr Einnahmen und breitere Break-Even-Punkte. Ein IV-Rank über 50 % ist ein gutes Signal.
Erwarteter Seitwärtsmarkt: Der Iron Condor profitiert am meisten, wenn sich der Kurs wenig bewegt. Ideal nach einem Volatilitäts-Spike, wenn die Märkte sich beruhigen.
Kein bevorstehendes Ereignis: Earnings, Fed-Entscheidungen oder andere marktbewegende Events können den Kurs stark in eine Richtung treiben. Vermeide Iron Condors kurz vor solchen Terminen — es sei denn, du traust dir Earnings-Trades explizit zu.
Schlechte Bedingungen
Niedrige Volatilität: Bei niedriger IV sind die Prämien mager. Dein Gewinn ist klein, aber dein Risiko bleibt gleich. Das Chance-Risiko-Verhältnis stimmt dann nicht.
Starker Trend: Wenn der Markt klar nach oben oder unten tendiert, wird eine Seite deines Iron Condors wahrscheinlich durchbrochen.
Vor Earnings: Einzelaktien können nach Quartalszahlen 5-15 % springen. Ein Iron Condor mit engen Strikes wird dann sofort zum Verlust.
Die richtige Strike-Auswahl — So baust du einen profitablen Iron Condor
Die Wahl der Strikes bestimmt dein Chance-Risiko-Verhältnis. Hier sind die drei wichtigsten Stellschrauben:
1. Abstand der Short Strikes zum aktuellen Kurs
Je weiter deine Short Strikes vom aktuellen Kurs entfernt sind, desto höher ist die Gewinnwahrscheinlichkeit — aber desto kleiner die Prämie.
Faustregel: Wähle Short Strikes mit einem Delta von 0,15 bis 0,20 auf jeder Seite. Das gibt dir eine Gewinnwahrscheinlichkeit von ungefähr 65-70 % (bevor Management-Regeln greifen).
2. Spread-Breite (Wing Width)
Die Breite zwischen deinem Short Strike und dem Long Strike bestimmt deinen maximalen Verlust.
- Enge Spreads (5 $ breit): Weniger Kapital nötig, aber höheres relatives Risiko
- Breite Spreads (10 $ breit): Mehr Prämie, aber höherer absoluter Verlust möglich
Faustregel: 5-10 $ Spread-Breite bei Aktien, 10-20 $ bei Index-ETFs wie SPY.
3. Laufzeit (DTE — Days to Expiration)
Die Laufzeit beeinflusst, wie schnell der Zeitwert deiner verkauften Optionen schmilzt.
Empfehlung: 30 bis 45 Tage bis zum Verfall. In diesem Zeitraum beschleunigt sich der Zeitwertverfall (Theta) am stärksten — das ist dein Hauptvorteil als Stillhalter.
Iron Condor Management — Wann schließen, wann rollen?
Die meisten erfolgreichen Iron-Condor-Trader haben klare Exit-Regeln. Hier sind die bewährten Ansätze:
Gewinnmitnahme bei 50 %
Wenn dein Iron Condor 50 % der maximalen Prämie erreicht hat, schließt du die Position. In unserem Beispiel: Du hast 140 $ kassiert, also schließt du bei 70 $ Restprämie (d.h. du kaufst alle vier Optionen für insgesamt 70 $ zurück).
Warum nicht auf 100 % warten? Die letzten 50 % des Gewinns dauern oft genauso lang wie die ersten 50 %, bringen aber deutlich mehr Risiko. Studien zeigen, dass die 50 %-Regel die risikoadjustierte Rendite deutlich verbessert.
Verlustbegrenzung bei 200 %
Wenn der Verlust das Doppelte der kassierten Prämie erreicht, schließt du die Position. Bei 140 $ Prämie wäre das ein Verlust von 280 $. Das klingt nach viel, aber es schützt dich vor dem maximalen Verlust von 860 $.
Rollen — Nur in Ausnahmefällen
Beim Iron Condor ist Rollen (Verlagerung auf einen späteren Verfallstermin) schwieriger als bei einzelnen Optionen, weil du vier Legs gleichzeitig anpassen müsstest. In den meisten Fällen ist es besser, die Position zu schließen und einen neuen Iron Condor aufzusetzen.
Die einzige Ausnahme: Wenn nur eine Seite bedroht ist und du den bedrohten Spread rollen kannst, während der andere profitabel bleibt. Das ist allerdings eine fortgeschrittene Technik.
Typische Fehler beim Iron Condor
Fehler 1: Zu enge Strikes
Anfänger wählen oft Strikes, die zu nahe am aktuellen Kurs liegen, weil die Prämien verlockend hoch sind. Das Problem: Selbst eine normale Tagesschwankung kann deinen Trade sofort unter Druck setzen.
Lösung: Delta 0,15-0,20 als Orientierung verwenden.
Fehler 2: Iron Condor vor Earnings
Ein Iron Condor auf eine Einzelaktie vor Quartalszahlen ist ein häufiger Anfängerfehler. Die implizite Volatilität ist zwar hoch (= gute Prämie), aber der Kurssprung nach der Meldung durchbricht fast immer eine Seite des Condors.
Lösung: Iron Condors auf Index-ETFs (SPY, IWM, QQQ) oder auf Einzelaktien nur nach Earnings handeln.
Fehler 3: Kein Management-Plan
„Ich warte einfach bis zum Verfall“ ist bei Iron Condors besonders gefährlich. Wenn eine Seite durchbrochen wird, steigen die Verluste schnell an — und das Gamma-Risiko nimmt zu, je näher der Verfallstag rückt.
Lösung: Vor dem Einstieg festlegen: Gewinnmitnahme bei 50 %, Verlustbegrenzung bei 200 % der Prämie.
Fehler 4: Falsche Positionsgröße
Ein Iron Condor hat ein asymmetrisches Chance-Risiko-Verhältnis: In unserem Beispiel 140 $ Gewinn vs. 860 $ Verlust. Du brauchst also eine hohe Trefferquote. Wenn du zu viel Kapital in einen einzelnen Iron Condor steckst, kann ein einziger Verlierer mehrere Gewinner auslöschen.
Lösung: Nie mehr als 3-5 % deines Gesamtkapitals in einen einzelnen Iron Condor investieren.
Iron Condor vs. andere Strategien — Wann was?
Iron Condor vs. Cash Secured Put:
Der CSP ist bullisch (du willst, dass die Aktie steigt oder seitwärts geht). Der Iron Condor ist marktneutral (du willst nur, dass sich der Kurs wenig bewegt). Der CSP kann in Aktienbesitz enden, der Iron Condor wird bar abgerechnet.
Iron Condor vs. Iron Butterfly:
Der Iron Butterfly hat die Short Strikes am gleichen Punkt (ATM). Er bringt mehr Prämie, hat aber eine deutlich kleinere Gewinnzone. Der Iron Condor hat breitere Gewinnzonen und ist deshalb anfängerfreundlicher.
Iron Condor vs. Strangle:
Ein Short Strangle hat kein definiertes Risiko — der Verlust kann theoretisch unbegrenzt sein. Der Iron Condor ist die „sichere“ Version: Durch die Long-Optionen (Wings) ist dein maximaler Verlust begrenzt.
Schritt-für-Schritt: Dein erster Iron Condor
Hier ist eine Checkliste für deinen ersten Iron Condor:
Schritt 1: Underlying wählen
Wähle einen liquiden Index-ETF wie SPY, IWM oder QQQ. Einzelaktien erst, wenn du Erfahrung hast. Prüfe, dass keine Earnings in den nächsten 30-45 Tagen anstehen.
Schritt 2: IV-Rank prüfen
Öffne deinen Broker und prüfe den IV-Rank. Idealerweise über 30 %, besser über 50 %. Bei niedrigem IV-Rank lohnt sich der Iron Condor nicht.
Schritt 3: Laufzeit wählen
Suche einen Verfallstermin in 30-45 Tagen.
Schritt 4: Short Strikes wählen
Wähle den Short Put mit Delta ca. -0,15 bis -0,20 und den Short Call mit Delta ca. 0,15 bis 0,20. Notiere dir die Strikes.
Schritt 5: Long Strikes setzen
Setze den Long Put 5-10 $ unter deinen Short Put und den Long Call 5-10 $ über deinen Short Call. Versuche, symmetrische Spread-Breiten zu verwenden.
Schritt 6: Prämie prüfen
Berechne die Nettoprämie. Als Faustregel sollte die Prämie mindestens 1/3 der Spread-Breite betragen (bei 10 $ Spreads also mindestens 3,33 $ Nettoprämie).
Schritt 7: Order aufgeben
Gib die Order als „Iron Condor“ oder „4-Leg Order“ auf. Verwende ein Limit und gehe nicht zu weit unter den Midpoint.
Schritt 8: Management-Regeln festlegen
Notiere in deinem Trading-Journal: Gewinnmitnahme bei 50 %, Verlustbegrenzung bei 200 % der Prämie. Setze dir einen Kalender-Alarm für 21 DTE (Tage vor Verfall).
Häufige Fragen zum Iron Condor
Brauche ich viel Kapital für einen Iron Condor?
Nein, das ist einer der Vorteile. Die benötigte Margin entspricht der Spread-Breite (z.B. 10 $) × 100 minus der kassierten Prämie. In unserem Beispiel also 860 $. Das ist deutlich weniger als die 17.000 $ für einen Cash Secured Put.
Kann ich einen Iron Condor auf jede Aktie machen?
Theoretisch ja, aber empfehlenswert sind nur liquide Underlyings mit engen Bid-Ask-Spreads. Index-ETFs wie SPY, QQQ und IWM sind ideal. Bei Einzelaktien sollte das durchschnittliche Handelsvolumen der Optionen hoch genug sein.
Was passiert, wenn der Kurs meine Short Strikes durchbricht?
Durchbricht der Kurs einen Short Strike, ist dein Iron Condor noch nicht im maximalen Verlust — das passiert erst am Long Strike. Du hast also noch Puffer. Allerdings sollte deine Management-Regel (Verlust bei 200 % der Prämie schließen) greifen, bevor es soweit kommt.
Wie viele Iron Condors sollte ich gleichzeitig haben?
Für Anfänger: Maximal 2-3 gleichzeitig auf verschiedenen Underlyings. So diversifizierst du und lernst das Management in unterschiedlichen Situationen. Nie mehr als 15-20 % deines Gesamtkapitals in Iron Condors insgesamt.
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Fazit
Der Iron Condor ist eine der vielseitigsten Strategien für Optionshändler. Er eignet sich besonders für Seitwärtsmärkte mit erhöhter Volatilität, hat ein definiertes Risiko und braucht weniger Kapital als viele andere Strategien.
Die wichtigsten Punkte zusammengefasst: Wähle liquide Underlyings, nutze Deltas von 0,15-0,20 für deine Short Strikes, handle bei erhöhter IV, plane 30-45 DTE Laufzeit und halte dich an die 50 %-Gewinnmitnahme-Regel. Mit diesen Grundsätzen bist du bereit für deinen ersten Iron Condor.
Als nächsten Schritt kannst du dir die Grundlagen der einzelnen Spread-Bestandteile ansehen — insbesondere den Credit Spread als Basis des Iron Condors.
Disclaimer
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Der Handel mit Optionen ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Optionen sind komplexe Finanzinstrumente und eignen sich nicht für jeden Anleger. Vergangene Ergebnisse sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.
Alle genannten Beispiele, Berechnungen und Strategien dienen der Veranschaulichung und berücksichtigen keine individuellen Umstände wie Steuersituation, Risikobereitschaft oder finanzielle Ziele. Bevor du mit dem Optionshandel beginnst, solltest du dich von einem qualifizierten Finanzberater beraten lassen.
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Häufig gestellte Fragen

Geschrieben von
Daniel
Aktiver Optionshändler und Gründer der Optionen-Akademie. Daniel ist seit 1998 an der Börse aktiv und handelt seit 2020 erfolgreich mit Optionen — mit mehreren tausend Trades und bisher keinem Verlustjahr. Seine Expertise basiert auf renommierten Ausbildungen mit Zertifikat, sowohl national als auch international. Seine Mission: Menschen mit größtenteils kostenlosem Content das Wissen vermitteln, das sie brauchen, um ein finanziell freies Leben zu führen.