Die Greeks sind Risikokennzahlen, die beschreiben, wie sich der Preis einer Option in Reaktion auf Veränderungen verschiedener Marktfaktoren verhält. Sie sind essentiell für das Verständnis und Management von Optionspositionen.
Preissensitivität gegenüber dem Underlying
Delta misst die Veränderung des Optionspreises bei einer Veränderung des Underlying-Preises um 1 €. Es ist die erste Ableitung des Optionspreises nach dem Underlying-Preis.
Delta = ΔOptionspreis / ΔUnderlying-Preis
Sie besitzen einen Call auf Aktie XYZ mit Delta = 0,60. Die Aktie steigt von 100 € auf 102 €.
Veränderung Optionspreis: 2 € × 0,60 = 1,20 €
Wenn die Option vorher 5 € kostete, notiert sie jetzt bei ca. 6,20 €.
Delta kann auch als ungefähre Wahrscheinlichkeit interpretiert werden, dass die Option am Verfalldatum im Geld endet. Ein Delta von 0,70 bedeutet etwa 70% Wahrscheinlichkeit für ITM.
Portfolio-Delta: Das Gesamt-Delta aller Positionen zeigt die Richtungsabhängigkeit des Portfolios. Delta = 0 bedeutet marktneutral.
Veränderungsrate des Deltas
Gamma misst die Veränderung des Deltas bei einer Veränderung des Underlying-Preises um 1 €. Es ist die zweite Ableitung des Optionspreises.
Gamma = ΔDelta / ΔUnderlying-Preis
Neues Delta: 0,50 + 0,05 = 0,55
Bei einer weiteren Steigerung um 1 € würde der Optionspreis nun um 0,55 € steigen (nicht mehr nur 0,50 €).Gamma zeigt, wie dynamisch sich Ihr Delta verändert. Hohes Gamma bedeutet, dass sich Ihr Risikoprofil schnell ändert:
Gamma-Risiko: Short-Gamma-Positionen (z.B. Short Straddles) erfordern aktives Delta-Management und können bei starken Bewegungen erhebliche Verluste verursachen.
Zeitwertverfall
Theta misst die Veränderung des Optionspreises durch den Verfall von einem Tag (24 Stunden). Es quantifiziert den Zeitwertverfall.
Theta = ΔOptionspreis / ΔZeit (1 Tag)
Sie besitzen einen Call mit einem Preis von 4 € und Theta = -0,08.
Nach 1 Tag: Optionspreis ca. 3,92 € (unter sonst gleichen Bedingungen)
Nach 5 Tagen: Optionspreis ca. 3,60 € (4 € – 5 × 0,08 €)
Der Zeitwertverfall verläuft nicht linear. In den letzten Wochen vor Verfall beschleunigt sich Theta erheblich. Dies ist der Grund, warum viele Stillhalter-Strategien auf Optionen mit 30-45 Tagen Restlaufzeit abzielen.
Theta-Strategien: Verkäufer von Optionen (Short Premium) profitieren vom Zeitwertverfall. Käufer müssen durch Kursbewegungen mehr verdienen, als Theta kostet.
Volatilitätssensitivität
Vega misst die Veränderung des Optionspreises bei einer Veränderung der impliziten Volatilität um 1 Prozentpunkt.
Vega = ΔOptionspreis / ΔImplizite Volatilität (1%)
Sie besitzen einen Call mit Preis = 5 € und Vega = 0,20. Die implizite Volatilität steigt von 30% auf 35%.
Veränderung: 5 Prozentpunkte × 0,20 = 1 €
Neuer Optionspreis: ca. 6 € (unter sonst gleichen Bedingungen)
Vega-Crush: Nach erwarteten Events (Earnings, Fed-Entscheidungen) kann die implizite Volatilität schnell fallen – selbst wenn Ihre Richtungswette richtig war, können Sie durch Vega verlieren.
Zinssensitivität
Rho misst die Veränderung des Optionspreises bei einer Veränderung des risikofreien Zinssatzes um 1 Prozentpunkt.
Rho = ΔOptionspreis / ΔZinssatz (1%)
Rho ist bei normalen Zinsniveaus und kurzen Laufzeiten meist vernachlässigbar. Relevant wird es bei:
Für Retail-Trader: Rho kann in 99% der Fälle ignoriert werden. Fokus auf Delta, Gamma, Theta und Vega ist wichtiger.
| Greek | Misst | Long Position | Short Position | Wichtigkeit |
|---|---|---|---|---|
| Delta (Δ) | Preissensitivität | +0 bis +1 (Call) -1 bis 0 (Put) | Umgekehrt | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Gamma (Γ) | Delta-Veränderung | Positiv | Negativ | ⭐⭐⭐⭐ |
| Theta (Θ) | Zeitwertverfall | Negativ (Verlust) | Positiv (Gewinn) | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Vega (ν) | Volatilitätssensitivität | Positiv | Negativ | ⭐⭐⭐⭐ |
| Rho (ρ) | Zinssensitivität | + (Call) / – (Put) | Umgekehrt | ⭐⭐ |
Praktische Anwendung: Erfolgreiche Options-Trader überwachen ihre Portfolio-Greeks kontinuierlich. Delta für Richtungsrisiko, Theta für Zeitrisiko, Vega für Volatilitätsrisiko, und Gamma für die Dynamik dieser Risiken.