Collar Strategie: Aktien absichern und Put-Kosten reduzieren
Ein Collar kombiniert eine Aktienposition mit einem gekauften Put und einem verkauften Call. Du begrenzt das Risiko nach unten, finanzierst den Schutz teilweise über die Call-Prämie und akzeptierst dafür eine Gewinnobergrenze.
Wann sinnvoll?
Wenn du eine Aktie behalten willst, aber einen Teil der Buchgewinne oder des Depotwerts gegen einen größeren Rückgang schützen möchtest.
Der Trade-off
Der Short Call senkt die Kosten des Puts. Dafür gibst du Kursgewinne oberhalb des Call-Strikes ab.
Wichtigster Fehler
Den Collar als kostenlosen Schutz zu sehen. Auch ein Zero-Cost-Collar kostet etwas: nämlich die Chance auf unbegrenzte Upside.
Wie wird ein Collar aufgebaut?
Ein klassischer Collar besteht aus drei Teilen:
1. Du besitzt 100 Aktien.
2. Du kaufst einen Put unterhalb des aktuellen Kurses.
3. Du verkaufst einen Call oberhalb des aktuellen Kurses.
Der Put wirkt wie ein Boden. Der Call wirkt wie ein Deckel. Zwischen Put-Strike und Call-Strike bleibt die Aktie weitgehend die dominierende Position.
Beispiel mit Zahlen
Aktie bei 100 Dollar. Du kaufst einen 90er Put für 3 Dollar und verkaufst einen 110er Call für 2 Dollar. Die Netto-Kosten betragen 1 Dollar pro Aktie.
| Baustein | Aktion | Wirkung |
|---|---|---|
| 100 Aktien | Bestehende Long-Position | Profitiert bis zum Call-Strike weiter von steigenden Kursen. |
| 90er Put | Kaufen für 3 Dollar | Begrenzt Verluste unterhalb von 90 Dollar. |
| 110er Call | Verkaufen für 2 Dollar | Finanziert den Put teilweise, begrenzt aber Gewinne oberhalb von 110 Dollar. |
Maximaler Verlust: Aktienkurs - Put-Strike + Netto-Kosten = 100 - 90 + 1 = 11 Dollar pro Aktie.
Maximaler Gewinn: Call-Strike - Aktienkurs - Netto-Kosten = 110 - 100 - 1 = 9 Dollar pro Aktie.
Payoff-Diagramm
Das Diagramm zeigt den Gewinn oder Verlust am Verfallstag für das Beispiel: Aktie bei 100 Dollar, Long Put Strike 90, Short Call Strike 110 und Netto-Kosten von 1 Dollar pro Aktie.
So liest du die Kurve: Unter 90 Dollar verhindert der Put weitere Verluste. Zwischen 90 und 110 Dollar bewegt sich der Collar ähnlich wie die Aktie. Oberhalb von 110 Dollar deckelt der Short Call den Gewinn.
Geeignet, wenn...
- du eine Aktie wegen Steuern, Dividenden oder Überzeugung nicht verkaufen willst,
- du einen klaren Schutzbereich definieren möchtest,
- du akzeptieren kannst, bei stark steigenden Kursen gedeckelt zu sein,
- der Protective Put allein zu teuer wirkt.
Weniger geeignet, wenn...
- du die Aktie eigentlich nicht mehr halten willst,
- du stark bullisch bist und die volle Upside behalten möchtest,
- der Call-Strike zu nah am aktuellen Kurs liegt,
- du Assignment oder steuerliche Folgen nicht bedacht hast.
Collar vs. Protective Put
| Frage | Protective Put | Collar |
|---|---|---|
| Schutz nach unten | Ja, über den gekauften Put. | Ja, ebenfalls über den gekauften Put. |
| Kosten | Höher, weil nur Prämie gezahlt wird. | Niedriger, weil der Short Call Prämie einnimmt. |
| Gewinn nach oben | Weiter offen, abzüglich Put-Kosten. | Begrenzt durch den Call-Strike. |
| Typischer Einsatz | Reiner Schutz bei weiter gewünschter Upside. | Gewinnabsicherung, wenn ein Verkauf oberhalb des Call-Strikes akzeptabel ist. |
Wenn du Schutz willst, aber keine Gewinnobergrenze akzeptierst, passt eher der Protective Put. Wenn dir die Put-Kosten zu hoch sind und du oberhalb eines Zielkurses verkaufen würdest, ist der Collar oft die logischere Variante.
Wenn du die Upside offen halten willst
Der wichtigste Unterschied ist nicht der Put, sondern der verkaufte Call. Beim Collar senkst du die Schutzkosten, aber du gibst Gewinne oberhalb des Call-Strikes ab. Wenn du eine starke Rally weiter vollständig mitnehmen möchtest, ist der Protective Put die passendere Absicherung.
Merksatz: Protective Put = teurerer Schutz ohne Gewinnobergrenze. Collar = günstigerer Schutz mit klarer Gewinnobergrenze.
Greeks und Laufzeit
Der Aktienbestand bleibt grundsätzlich positiv im Delta. Der Long Put reduziert das Downside-Risiko, der Short Call reduziert zusätzlich die Upside. Theta kann je nach Strike-Auswahl näher an neutral liegen als beim reinen Protective Put, weil der verkaufte Call Zeitwert einnimmt. Vega ist gemischt: Der Put profitiert von steigender impliziter Volatilität, der Short Call leidet darunter.
Für strategische Absicherung gelten ähnliche Laufzeitfragen wie beim Protective Put: sehr kurze Restlaufzeiten sind rollintensiv; längere Laufzeiten geben mehr Ruhe, binden aber mehr Prämie beziehungsweise Opportunität.
Collar interaktiv prüfen
Im Strategie-Cockpit kannst du sehen, wie sich Put-Strike, Call-Strike und Netto-Prämie auf Schutz und Gewinnobergrenze auswirken.
Zusammenfassung
Der Collar ist keine magische Gratisversicherung. Er ist ein bewusster Tausch: weniger Schutzkosten gegen begrenztes Gewinnpotenzial. Genau deshalb passt er besonders gut zu Aktienpositionen mit Buchgewinnen, bei denen du nach unten ruhiger schlafen möchtest und nach oben mit einem klaren Verkaufskurs leben kannst.
Keine Anlageberatung: Prüfe immer Liquidität, Steuern, Positionsgröße, Laufzeit, implizite Volatilität und Assignment-Risiko.