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Poor Man's Covered Call - Optionen-Akademie

Poor Man's Covered Call

Covered-Call-Einkommen mit deutlich weniger Kapital

Der Poor Man's Covered Call (PMCC) ist ein Diagonal Call Spread: Statt 100 Aktien zu besitzen, kaufst du eine langlaufende Call-Option (LEAP) als günstigen Ersatz — und verkaufst dagegen kurzlaufende Calls. Gleiche Mechanik wie ein Covered Call, aber mit nur einem Bruchteil des Kapitals.

✓ Fortgeschritten ✓ Diagonal Spread ✓ Bullish

Was ist ein Poor Man's Covered Call?

Ein PMCC besteht aus zwei Optionen:

  1. Long Call (LEAP) mit langer Laufzeit (typisch 6–24 Monate), tief im Geld (Delta 0,80+)
  2. Short Call mit kurzer Laufzeit (30–45 Tage), aus dem Geld

Der Long Call ist dein Aktien-Ersatz. Er bewegt sich fast 1:1 mit der Aktie (hohes Delta), kostet aber nur einen Bruchteil von 100 echten Aktien. Den Short Call verkaufst du Monat für Monat — wie bei einem klassischen Covered Call.

Beispiel-Setup:

Aktie: AAPL bei 180 $

Klassischer Covered Call: 100 AAPL × 180 $ = 18.000 $ Kapital nötig

PMCC stattdessen:

- Kaufe Call 150 $, 12 Monate Laufzeit, Delta 0,85 → Kosten ca. 3.500 $

- Verkaufe Call 190 $, 30 Tage Laufzeit, kassiere 200 $

Netto-Kapitaleinsatz: 3.500 − 200 = 3.300 $ (statt 18.000 $)

→ Kapitalersparnis: 80 %

Das Grundprinzip

Du simulierst einen Covered Call mit ~80 % weniger Kapital. Solange die Aktie über deinem Long-Call-Strike bleibt, profitierst du vom Aufwärtsbewegung — und kassierst zusätzlich monatlich Prämien aus den Short Calls.

Payoff-Diagramm

Gewinn/Verlust am Verfallstag des Short Calls (LEAP wird weiter gehalten):

Wahrscheinlichkeit 0 $ Max Gewinn ≈ +700 $ 150C long AAPL 180 $ 190C short BE ≈ 175 $ +700 0 -700 140 150 160 170 180 190 200 210 220 AAPL-Kurs am Verfall des Short Calls ($) Gewinn / Verlust ($)

📊 Kennzahlen:

  • Maximaler Gewinn: ca. 700 $ pro Monat (abhängig von IV-Veränderung des LEAP)
  • Breakeven: ca. 175 $ (Long-Call-Strike + Netto-Kosten)
  • Maximaler Verlust: Netto-Einsatz (ca. 3.300 $) — wenn Aktie weit unter Long-Call-Strike fällt
  • Renditepotenzial: deutlich höher in % als beim klassischen Covered Call

Wann ist der PMCC sinnvoll?

✓ Perfekte Bedingungen

  • Kein Kapital für 100 echte Aktien (z. B. AMZN, GOOGL, NVDA)
  • Bullische bis seitwärts laufende Markterwartung
  • Liquide LEAPs verfügbar (große Tickers wie SPY, QQQ, AAPL)
  • Niedrige bis moderate IV beim LEAP-Kauf (LEAP nicht zu teuer)
  • Höhere IV beim Short-Call-Verkauf (höhere Prämien)

✗ Ungünstige Situationen

  • Stark fallender Markt — LEAP verliert massiv an Wert
  • Sehr hohe IV beim LEAP-Kauf — überteuert
  • Aktie kurz vor Earnings ohne klare Position
  • Geringe Liquidität in den LEAPs (große Spreads)
  • Du erwartest Dividendenzahlungen (LEAP profitiert nicht davon)

Strike-Auswahl: LEAP & Short Call

LEAP (Long Call) — der „Aktien-Ersatz"

  • Delta: mindestens 0,80, idealerweise 0,85–0,90 — bewegt sich dann fast 1:1 mit der Aktie
  • Laufzeit: 6–24 Monate (je länger, desto teurer, aber stabiler)
  • Strike: tief im Geld, ca. 15–25 % unter aktuellem Aktienkurs
  • Faustregel: Je tiefer im Geld, desto „aktien-ähnlicher" verhält sich der LEAP

Short Call — der „Prämien-Generator"

  • Delta: 0,20–0,30 — niedrige Wahrscheinlichkeit, dass er ausgeübt wird
  • Laufzeit: 30–45 Tage
  • Strike: muss höher sein als der LEAP-Strike + bezahlter Aufschlag — sonst Verlust bei Ausübung!

⚠ Die wichtigste Regel

Short-Call-Strike muss immer über dem Punkt liegen:
Long-Call-Strike + bezahlte Netto-Kosten

Beispiel: Long-Call-Strike 150 $ + Netto-Kosten 33 $ pro Aktie = 183 $. Short Call darf erst über 183 $ verkauft werden — sonst Verlust garantiert, falls die Aktie über den Short-Strike steigt.

Management & Adjustments

Standard-Vorgehen

  1. Short Call läuft wertlos aus → neuen Short Call mit 30–45 Tagen Laufzeit verkaufen → wiederholen
  2. Short Call droht ITM zu enden → vor Verfall rollen: zurückkaufen + neuen mit höherem Strike & längerer Laufzeit verkaufen
  3. LEAP nähert sich der 90-Tage-Marke → in einen neuen LEAP mit längerer Laufzeit rollen (Theta-Verfall wird schnell aggressiv)
  4. Aktie fällt stark → LEAP verliert Wert, Short Calls sammeln Prämie. Position überdenken: schließen, halten oder LEAP rollen

Wann Position schließen?

  • Bei 50–80 % Gesamtgewinn: Position auflösen, Gewinn realisieren
  • Bei 20–30 % Gesamtverlust: Stop-Loss, Position schließen oder LEAP rollen
  • Bei Erwartung großer Bewegung: Position schließen oder Short Call eine Zeit lang nicht verkaufen

PMCC vs. klassischer Covered Call

AspektCovered CallPoor Man's Covered Call
Kapitaleinsatz100 % (Aktie × 100)~20 % (LEAP-Preis)
Maximaler VerlustAktien-Wertverfall (theor. bis 0)Netto-Einsatz (begrenzt)
DividendenJaNein
KomplexitätAnfängerFortgeschritten
Greekseinfach (nur Short Call)komplex (zwei Optionen)
Langzeit-Buy-and-HoldJaNein (LEAP läuft aus)
Rendite auf eingesetztes Kapitalmoderatdeutlich höher
📊

Diese Strategie selbst durchspielen

Eigene Strikes und Prämien für den Poor Man's Covered Call eingeben — siehe sofort deine Gewinn- und Verlustzonen, Break-Even-Punkte und Max-Verlust.

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Vorteile & Nachteile

✓ Vorteile

  • ~80 % weniger Kapital als klassischer Covered Call
  • Höhere prozentuale Rendite auf eingesetztes Kapital
  • Definierter Maximalverlust (LEAP-Wert)
  • Kontinuierliche Prämieneinnahmen aus Short Calls
  • Profitiert von steigenden Aktienkursen (durch LEAP)

✗ Nachteile

  • Komplexer als Covered Call — zwei Optionen verwalten
  • Keine Dividenden
  • LEAP verliert durch Theta auch ohne Kursbewegung Wert
  • Bei IV-Crash: LEAP verliert deutlich
  • Strike-Wahl beim Short Call kritisch (siehe Warnung oben)

Zusammenfassung

PMCC auf einen Blick

MarktmeinungBullisch bis leicht seitwärts
KomplexitätFortgeschritten
Kapitalbedarf~20 % eines klassischen Covered Calls
Long Call (LEAP)Delta 0,80+, 6–24 Monate Laufzeit
Short CallDelta 0,20–0,30, 30–45 Tage
Max VerlustNetto-Einsatz
Schließen bei50–80 % Gewinn / 20–30 % Verlust

Der PMCC ist der ideale Einstieg in die Welt der Diagonal Spreads — vor allem für Trader mit kleinem Konto, die teure Aktien wie Amazon, Google oder Tesla in ihre Cash-Flow-Strategie einbinden wollen. Verständnis von Covered Calls ist Grundvoraussetzung.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Optionshandel ist mit erheblichen Risiken verbunden — du kannst dein eingesetztes Kapital teilweise oder vollständig verlieren. Investiere nur Geld, dessen Verlust du verkraften kannst, und informiere dich gründlich, bevor du eigene Trades platzierst.