Calendar Spread: gleicher Strike, verschiedene Laufzeiten
Ein Calendar Spread kombiniert eine gekaufte länger laufende Option mit einer verkauften kürzer laufenden Option am gleichen Strike. Die Strategie handelt Zeitwert, implizite Volatilität und einen Zielbereich, nicht einfach nur Richtung.
Wann sinnvoll?
Wenn du erwartest, dass der Basiswert bis zum kurzen Verfall nahe an einem bestimmten Strike bleibt und die längere Option ihren Restwert behält.
Wichtigster Hebel
Der Short verfällt schneller als der Long. Zusätzlich kann steigende IV dem längeren Long-Bein helfen.
Hauptfehler
Den Calendar wie einen simplen Payoff am gemeinsamen Verfall zu behandeln. Die lange Option hat nach dem Short-Verfall noch Restlaufzeit.
Was ist ein Calendar Spread?
Ein klassischer Long Calendar Spread besteht aus zwei Optionen mit gleichem Strike, aber unterschiedlichen Laufzeiten:
Long: Kauf einer länger laufenden Option, zum Beispiel Call 100 mit 90 Tagen Laufzeit.
Short: Verkauf einer kürzer laufenden Option am gleichen Strike, zum Beispiel Call 100 mit 30 Tagen Laufzeit.
Der Trade wird häufig als Netto-Debit eröffnet. Der maximale Verlust ist grundsätzlich auf dieses Netto-Debit begrenzt, solange die Struktur sauber geschlossen oder gerollt wird.
Beispiel mit Zahlen
Eine Aktie steht bei 100 Dollar. Du erwartest, dass sie in den nächsten 30 Tagen ungefähr in diesem Bereich bleibt.
| Bein | Aktion | Beispiel | Wirkung |
|---|---|---|---|
| Long Call | Kaufen | 100er Call, 90 Tage, 6,00 Dollar | Behält länger Restwert und reagiert stärker auf IV. |
| Short Call | Verkaufen | 100er Call, 30 Tage, 2,00 Dollar | Verliert schneller Zeitwert und reduziert das Netto-Debit. |
| Netto-Debit | 6,00 – 2,00 | 4,00 Dollar x 100 = 400 Dollar | Ungefährer maximaler Einsatz vor Gebühren und Slippage. |
Payoff ist nur eine Näherung
Beim kurzen Verfall hat die Long-Option noch Restlaufzeit. Deshalb hängt der genaue Wert von IV, Restlaufzeit, Zinsen, Dividenden und Liquidität ab. Ein einfaches Payoff-Diagramm zeigt nur die Idee: Der Sweet Spot liegt nahe am gemeinsamen Strike.
Netto-Debit, Vega, Theta und Assignment
| Faktor | Was bedeutet das? |
|---|---|
| Netto-Debit | Der Einstieg kostet Geld. Dieser Einsatz ist der wichtigste Risikorahmen vor Gebühren, Slippage und Management. |
| Theta | Der kurze Short verliert schneller Zeitwert als der lange Long. Das hilft nur, wenn der Kurs nahe am Strike bleibt. |
| Vega | Steigende IV kann dem längeren Long-Bein helfen. Fallende IV kann den Calendar trotz ruhigem Kurs belasten. |
| Assignment | Der Short kann ITM laufen, besonders bei Dividenden oder kurz vor Verfall. Dann brauchst du einen Plan: schließen, rollen oder Struktur auflösen. |
| Liquidität | Mehrere Laufzeiten bedeuten mehr Bid/Ask-Spreads. Schlechte Spreads können den theoretischen Vorteil auffressen. |
Wann kommt ein Calendar Spread in Frage?
Sinnvoller Kontext
- Du hast eine klare Zielzone um einen Strike.
- Du erwartest keine starke Bewegung vor dem kurzen Verfall.
- Die Optionskette ist liquide und die Spreads sind eng.
- Du kannst Short-Optionen aktiv schließen oder rollen.
Ungünstiger Kontext
- Du erwartest einen schnellen Trend oder ein großes Gap.
- IV ist sehr hoch und ein IV-Crush wahrscheinlich.
- Du willst eine einfache Strategie ohne Laufzeitmanagement.
- Dividenden, Earnings oder illiquide Laufzeiten erhöhen das Risiko.
Kleines Praxisbeispiel
Ausgangslage: Eine Aktie steht bei 100 $. Du erwartest, dass sie bis zum kurzen Verfall in der Nähe von 100 $ bleibt.
Beispiel-Aufbau: Du kaufst einen 100er Call mit 90 Tagen Laufzeit für 5,50 $ und verkaufst einen 100er Call mit 30 Tagen Laufzeit für 2,00 $. Dein Netto-Debit liegt bei 3,50 $ vor Kosten.
Was du daraus ableitest: Der beste Bereich liegt nahe am Strike des kurzen Calls. Bewegt sich die Aktie stark weg oder fällt die implizite Volatilität deutlich, kann der Restwert des langen Calls trotz ruhigem Markt enttäuschen.
Calendar Spread vs. Diagonal Spread
| Strategie | Strike | Laufzeit | Typischer Fokus |
|---|---|---|---|
| Calendar Spread | Gleich | Unterschiedlich | Zielbereich, Theta, Vega |
| Diagonal Spread | Unterschiedlich | Unterschiedlich | Moderate Richtung plus Theta-Komponente |
| Poor Man’s Covered Call | Unterschiedlich | Sehr langer Long Call plus kurzer Short Call | Bullische Diagonal-Variante mit LEAP |
| Butterfly Spread | Drei Strikes | Meist gleicher Verfall | Zielbereich über eine feste Zelt-Struktur statt Laufzeitunterschied |
Zusammenfassung
Calendar Spread auf einen Blick: gleicher Strike, unterschiedliche Laufzeiten, meist Netto-Debit, begrenztes Risiko, Sweet Spot nahe am Strike des kurzen Verfalls.
Der Calendar Spread ist kein automatischer Cashflow-Baustein. Er verlangt eine klare Zielzone, ein Verständnis für IV und Restlaufzeit sowie einen Plan für Assignment, Dividenden und Rollen.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Optionshandel ist mit erheblichen Risiken verbunden; du kannst dein eingesetztes Kapital teilweise oder vollständig verlieren.