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Diagonal Spread

Zwei Strikes, zwei Verfallstage – die flexible Brücke zwischen Vertikal- und Calendar-Spread

Der Diagonal Spread kombiniert zwei Optionen mit unterschiedlichen Strikes UND unterschiedlichen Verfallstagen. Du finanzierst eine längerfristige Long-Option durch den wiederholten Verkauf kurzlaufender Optionen darüber. Eine fortgeschrittene Strategie für Trader, die eine moderate Bewegung erwarten und gleichzeitig Short-Prämien nutzen wollen. Entscheidend sind Laufzeitstruktur, IV, Assignment-Risiko und aktives Rollen.

✓ Fortgeschritten ✓ Debit Spread ✓ Direktional + Theta

Was ist ein Diagonal Spread?

Ein Long Call Diagonal Spread besteht aus 2 Optionen mit unterschiedlichen Strikes und Laufzeiten:

  1. Gekaufter Call mit längerer Laufzeit, meist leicht im Geld (ITM) oder am Geld (ATM)
  2. Verkaufter Call mit kürzerer Laufzeit, aus dem Geld (OTM, höherer Strike)

Der Name kommt aus der Optionsmatrix: Strikes auf der einen Achse, Laufzeiten auf der anderen — ein Diagonal Spread bewegt sich diagonal durch dieses Raster, weil sich beide Dimensionen ändern.

Es gibt auch einen Long Put Diagonal Spread für bärische Erwartungen — am Ende dieser Seite findest du dazu eine Kurzbeschreibung.

Beispiel-Setup (Long Call Diagonal, bullisch):

Aktie: SPY bei 450 $ (Erwartung: leicht steigend in nächsten 1–2 Monaten)

Long Call (lange Laufzeit, ITM):

– Kaufe 1 Call 440 $, Laufzeit 90 Tage, Prämie 18 $

Debit: 18 × 100 = 1.800 $

Short Call (kurze Laufzeit, OTM):

– Verkaufe 1 Call 460 $, Laufzeit 30 Tage, Prämie 4 $

Credit: 4 × 100 = 400 $ vor Kosten vor Kosten

Netto-Debit: 1.800 − 400 = 1.400 $ vor Kosten vor Kosten

Das Grundprinzip

Der Long Call ist deine direktionale Wette auf einen moderaten Anstieg. Der Short Call reduziert das Netto-Debit und kann den Zeitwertverfall der Long-Position teilweise ausgleichen. Der Idealfall ist nicht einfach monatlicher Cashflow: Die Aktie sollte kontrolliert Richtung Short-Strike laufen, ohne ihn zu stark zu überschreiten. Läuft sie zu schnell darüber, entstehen Rollen-, Assignment- und Opportunity-Risiken.

Payoff-Diagramm

Gewinn/Verlust am Verfallstag des Short Calls (der Long Call hat dann noch Restlaufzeit und damit Restwert):

Wahrscheinlichkeit 0 $ Sweet Spot ~+1.100 $ Plateau ~+600 $ (asymptotisch) Max Verlust ~−1.400 $ 440C long 460C short 400 $ 440 (Long) 460 (Short) 500 $ Aktienkurs am Verfallstag des Short Calls

Wichtig: Die obige Form ist eine theoretische Approximation. Da der Long Call beim Verfall des Shorts noch Restlaufzeit (~60 Tage) hat, hängt der genaue Verlauf von impliziter Volatilität und Restzeitwert ab. Bei Verfall beider Optionen verhält sich der Spread wie ein Bull Call Spread.

Hinweis zum Payoff-Visualizer

Unser Payoff-Visualizer kann Diagonal Spreads nicht exakt darstellen, weil er nur den Payoff bei einem gemeinsamen Verfallstag berechnet — die Long- und Short-Option eines Diagonals haben aber unterschiedliche Verfallstage. Für eine professionelle Diagonal-Analyse mit korrekter IV- und Restzeitwert-Berechnung empfehlen wir OptionStrat (Affiliate-Link, keine Mehrkosten für dich).

Netto-Debit, Vega und Assignment

Ein Diagonal Spread ist kein reiner Payoff am Verfallstag, weil beide Optionen unterschiedliche Laufzeiten haben. Der Wert der Long-Option hängt weiter von Restlaufzeit und impliziter Volatilität ab. Deshalb reicht es nicht, nur den Short-Call-Strike und das Netto-Debit zu betrachten.

Netto-DebitLong-Option minus Short-Prämie, zuzüglich Gebühren und Slippage.
Vega-RisikoSinkende IV kann die Long-Option belasten; steigende IV kann helfen, aber auch den Short verteuern.
AssignmentDer Short Call oder Short Put kann ITM laufen. Vor Verfall, Dividenden und Earnings brauchst du einen Rollen- oder Exit-Plan.
PayoffDer exakte Wert hängt vom Restwert der langen Option ab; einfache Payoff-Diagramme sind nur Näherungen.
MerksatzDiagonal Spreads handeln Richtung, Zeit und Volatilität gleichzeitig.

Wann lohnt sich ein Diagonal Spread?

✓ Ideale Voraussetzungen

  • Moderate, gerichtete Erwartung: Du erwartest einen langsamen Anstieg (Long Call Diagonal) bzw. Rückgang (Long Put Diagonal) über mehrere Wochen oder Monate.
  • Implizite Volatilität moderat oder fallend: Hohe IV beim Einstieg verteuert den Long Call überproportional. Sinkende IV kann dem Long Call schaden, auch wenn die Richtung stimmt.
  • Liquide Optionen: Enge Bid-Ask-Spreads sind wichtig — gerade bei längeren Laufzeiten oft ein Problem bei Einzelaktien.
  • Erfahrung mit Spreads: Diagonal Spreads brauchen aktives Management — der Short Call muss regelmäßig gerollt werden.

✗ Wann es nicht passt

  • Starke, schnelle Bewegung erwartet (Short Call wird schnell tief im Geld → Verlust auf Short, Long folgt langsamer wegen Delta)
  • Earnings oder Großereignis steht bevor (IV-Crush trifft den Long Call überproportional)
  • Kein Zeit für aktives Management (Short Call muss regelmäßig gerollt werden)
  • Anfänger ohne Erfahrung mit Vertikal-Spreads und Greeks

Strikes & Laufzeiten richtig wählen

KomponenteEmpfehlungBegründung
Long Call (lang)60–120 Tage Laufzeit, leicht ITM (Delta ~ 0,70–0,80)Hohes Delta = folgt Aktienkurs eng, geringer Theta-Verlust pro Tag.
Short Call (kurz)20–40 Tage Laufzeit, OTM (Delta ~ 0,25–0,35)Schneller Theta-Verfall, geringeres ITM-/Assignment-Risiko, aber keine Garantie.
Strike-Abstand10–20 $ bei Aktien um 400–500 $; 1–3 Strikes bei kleineren WertenGroßer Abstand = mehr Spielraum nach oben, aber weniger Prämie.
Verhältnis Long/Short LaufzeitLong ~ 3× Short-LaufzeitErlaubt 2–3 Roll-Zyklen des Short Calls bevor der Long Call verfällt.

Faustregel: Wenn der Long Call ~3× so lang läuft wie der Short Call, kannst du den Short Call bei jedem Verfall neu verkaufen. Über die Laufzeit kann die Summe der eingenommenen Short-Prämien einen Teil deiner Long-Prämie refinanzieren. Das funktioniert nur, wenn Rollen, Richtung, IV und Liquidität mitspielen.

Management des Diagonal Spreads

Szenario A: Aktie nahe Short-Strike

SPY ist von 450 auf 458 gestiegen — knapp unter Short-Strike 460.

Aktion: Short Call vor Verfall zurückkaufen (sehr günstig, weil OTM und Theta) und neuen Short Call für den nächsten Monat verkaufen — höher (z. B. Strike 470).

→ Guter Pfad: Du kannst den Short Call kontrolliert rollen und weiter Prämie einnehmen.

Szenario B: Aktie weit über Short-Strike

SPY rast auf 475 — Short Call ist tief im Geld.

Aktion: Short Call und Long Call gemeinsam glattstellen ODER Short Call zu höherem Strike rollen (mehr Zeit oder ITM-Strike). Achtung: Bei reiner Glattstellung des Shorts wird der Spread zur ungeschützten Long-Call-Position.

→ Hier verlierst du den Sweet Spot; der Short Call begrenzt das Upside und kann aktives Schließen oder Rollen erzwingen.

Szenario C: Aktie fällt deutlich

SPY fällt von 450 auf 420 — Long Call verliert Wert, Short Call verfällt wertlos.

Aktion: Erste Frage stellen: Stimmt die These noch? Falls ja: Kann ein Short Call mit niedrigerem Strike (z. B. 440) verkauft werden, um weiter Prämie zu sammeln. Falls nein: Position glattstellen.

→ Zentrales Risiko der Strategie: Das Netto-Debit kann deutlich an Wert verlieren.

Szenario D: Frühe Ausübung

Selten, aber möglich: Short Call wird vor Verfall ausgeübt (besonders bei Dividenden).

Aktion: Du wirst zu 100 Aktien short. Long Call ausüben oder verkaufen — Position glattstellen. Falls erfasst: Vor Dividenden-Stichtagen Short Call zurückkaufen.

→ Nur ein Problem bei US-Aktien mit Dividenden.

Diagonal Spread vs. Calendar Spread

Beim Calendar Spread liegen beide Optionen auf dem gleichen Strike, aber mit unterschiedlichen Laufzeiten. Beim Diagonal Spread unterscheiden sich sowohl Laufzeit als auch Strike. Dadurch wird der Diagonal stärker direktional, während ein Calendar Spread typischerweise stärker um einen Zielbereich herum gedacht wird.

Calendar SpreadGleicher Strike, unterschiedliche Laufzeiten, stärker zeit- und IV-getrieben.
Diagonal SpreadUnterschiedliche Strikes und Laufzeiten, stärker direktional plus Theta-Komponente.
PMCCEine spezielle bullische Diagonal-Variante mit sehr langem Long Call.

Calendar Spread als eigener Baustein

Wenn beide Optionen den gleichen Strike haben, aber unterschiedliche Laufzeiten, entsteht ein Calendar Spread. Der Diagonal Spread erweitert diese Logik um verschiedene Strikes und wird dadurch stärker direktional.

Vergleich mit verwandten Strategien

StrategieVerfallstageStrikesCharakter
Diagonal SpreadVerschieden (kurz + lang)VerschiedenDirektional + Theta-Einnahme über Zeit
Bull Call SpreadGleichVerschiedenDirektional, definiert begrenzt
Calendar SpreadVerschieden (kurz + lang)GleichNeutral, Theta-Einnahme
Poor Man’s Covered CallVerschieden (sehr lang + kurz)VerschiedenDiagonal mit LEAPS als Long-Bein (1+ Jahr)
Covered CallNur Short hat VerfallAktie + StrikeCash-flow auf 100 Aktien

Diagonal vs. PMCC: Der Poor Man’s Covered Call ist im Grunde ein Diagonal Spread mit einer sehr langen Long-Laufzeit (LEAPS, 1+ Jahr). Der klassische Diagonal Spread arbeitet mit kürzeren Long-Laufzeiten (60–120 Tage) und ist damit kapitalschonender, aber zeitlich enger gesteckt.

Vorteile & Nachteile

Vorteile

  • Reduzierter Theta-Verlust auf Long-Position
  • Mehrfaches Vereinnahmen von Short-Prämien möglich, aber nicht garantiert, aber nicht garantiert
  • Direktionale Wette mit zusätzlicher Prämien-Komponente
  • Definiertes Risiko (max. Verlust = Netto-Debit)
  • Kann Kapitaleinsatz reduzieren, erhöht aber Management-Komplexität

Nachteile

  • Komplexer als Vertikal-Spreads
  • Aktives Rollen des Short Calls erforderlich
  • Sensibel auf IV-Änderungen und Vega-Risiko der Long-Option und Vega-Risiko der Long-Option
  • Begrenzter Maximalgewinn nach oben
  • Nicht alle Optionsketten haben gute Liquidität in mehreren Verfallsmonaten

Long Put Diagonal Spread (bärisch)

Die bärische Variante funktioniert spiegelbildlich:

  1. Gekaufter Put mit längerer Laufzeit, leicht ITM (höherer Strike)
  2. Verkaufter Put mit kürzerer Laufzeit, OTM (niedrigerer Strike)

Sweet Spot: Aktie schließt am Verfallstag des Short Puts knapp über dem Short-Strike. Dann verfällt der Short wertlos, der Long Put gewinnt langsam an Wert (sofern die Aktie weiter fällt).

Wann nutzen: Du erwartest einen langsamen Rückgang einer Aktie über mehrere Wochen — etwa bei sich verschlechternden Fundamentaldaten oder einem brechenden Aufwärtstrend.

🛠 Tools für den Diagonal Spread

* Affiliate-Links — keine Mehrkosten für dich, unterstützen aber die Arbeit hier.

Zusammenfassung

Diagonal Spread auf einen Blick

  • Aufbau: Long Call (lang, ITM) + Short Call (kurz, OTM) — bzw. Puts für bärische Variante
  • Erwartung: Moderate, gerichtete Bewegung über Wochen/Monate
  • Maximaler Verlust: gezahltes Netto-Debit vor Kosten (begrenzt, definiert)
  • Möglicher Gewinn: Sweet Spot nahe Short-Strike beim ersten Verfall; hängt stark von Restwert, IV und Rollen ab
  • Hauptvorteil: teilweise Refinanzierung der Long-Prämie durch kurzlaufende Short-Optionen
  • Hauptrisiko: schnelle Bewegung über den Short-Strike, IV-Rückgang oder fallender Basiswert → Sweet Spot wird verfehlt

Der Diagonal Spread ist eine flexible, aber managementintensive Strategie für moderate Trends. Er kombiniert eine direktionale Long-Option mit kurzlaufenden Short-Optionen. Wer Vertikal-Spreads beherrscht, kann hier Laufzeitstruktur, IV, Delta und Rollen gezielt nutzen; ohne aktiven Plan wird die Strategie schnell unübersichtlich.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Optionshandel ist mit erheblichen Risiken verbunden, einschließlich des Totalverlusts der eingesetzten Mittel. Diagonal Spreads sind eine fortgeschrittene Strategie — handle nur mit Geld, dessen Verlust du verkraften kannst, und informiere dich umfassend bevor du eine Position eröffnest. Vergangene Ergebnisse sind keine Garantie für zukünftige Performance.