⚠️ Dieser Artikel dient ausschließlich zu Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Optionshandel birgt erhebliche Risiken — mehr dazu im Disclaimer am Ende dieses Artikels.
Du besitzt Aktien und möchtest damit mehr als nur Dividenden verdienen? Mit der Covered Call Strategie verkaufst du Call-Optionen auf deine bestehenden Aktien und kassierst dafür sofort eine Prämie. Die Aktie bleibt in deinem Depot — du verdienst einfach zusätzlich.
In diesem Artikel erfährst du, wie der Covered Call funktioniert, wann er sich lohnt, wie du den optimalen Strike wählst und was passiert, wenn die Aktie über deinen Strike steigt.
Was ist ein Covered Call?
Ein Covered Call bedeutet: Du besitzt 100 Aktien eines Unternehmens und verkaufst darauf eine Call-Option. Die Aktien „decken“ (cover) deine Verpflichtung aus der verkauften Option — daher der Name.
Vereinfacht: Du sagst dem Markt: „Ich bin bereit, meine Aktien zu einem bestimmten Preis zu verkaufen, falls der Kurs dorthin steigt.“ Dafür bekommst du sofort eine Prämie — egal was danach passiert.
Das Prinzip in einem Satz
Du wirst dafür bezahlt, dass du bereit bist, deine Aktien zu einem höheren Kurs als heute abzugeben.
Die drei möglichen Ergebnisse
Ergebnis 1 — Aktie bleibt unter dem Strike (häufigstes Szenario):
Die Call-Option verfällt wertlos. Du behältst die Prämie UND deine Aktien. Du kannst sofort den nächsten Covered Call verkaufen. Das ist der Idealfall.
Ergebnis 2 — Aktie steigt über den Strike (Zuweisung):
Deine 100 Aktien werden zum Strike-Preis verkauft. Du behältst die Prämie plus den Kursgewinn bis zum Strike. Du verpasst allerdings den Kursgewinn oberhalb des Strikes.
Ergebnis 3 — Du schließt den Trade vorher:
Du kaufst den Call vor dem Verfallstag billiger zurück und behältst die Differenz als Gewinn. Deine Aktien bleiben unangetastet.
Wie funktioniert der Covered Call? — Ein konkretes Beispiel
Ausgangssituation:
- Du besitzt: 100 Aktien Microsoft (MSFT)
- Aktueller Kurs: 420 $
- Dein Kaufpreis war: 380 $ (du bist also 40 $ im Gewinn)
- Du möchtest die Aktie grundsätzlich behalten, aber etwas Zusatzeinkommen generieren
Dein Trade:
- Du verkaufst (Sell to Open) 1 Call-Option mit Strike 440 $
- Laufzeit: 30 Tage bis zum Verfall
- Kassierte Prämie: 3,50 $ pro Aktie = 350 $ pro Kontrakt
Was passiert in den verschiedenen Szenarien?
Szenario A: MSFT steht bei 425 $ am Verfallstag
- Call verfällt wertlos → du behältst 350 $ Prämie
- Du besitzt weiterhin deine 100 Aktien
- Nächsten Monat verkaufst du wieder einen Call
- Ergebnis: +350 $ Zusatzeinkommen
Szenario B: MSFT steigt auf 460 $ am Verfallstag
- Deine Aktien werden bei 440 $ verkauft (Zuweisung)
- Du bekommst: 440 $ × 100 = 44.000 $ + 350 $ Prämie
- Dein Gewinn: (440 $ – 380 $) × 100 + 350 $ = 6.350 $
- Du hast „nur“ 60 $ pro Aktie statt 80 $ Kursgewinn — aber immer noch einen sehr guten Trade
Szenario C: MSFT fällt auf 400 $
- Call verfällt wertlos → du behältst 350 $ Prämie
- Dein Buchverlust auf die Aktie: (420 $ – 400 $) × 100 = -2.000 $
- Abgemildert durch die Prämie: -2.000 $ + 350 $ = -1.650 $ netto
- Ohne Covered Call wäre der Verlust -2.000 $ gewesen
Wann ist der Covered Call sinnvoll?
Ideale Bedingungen
Du besitzt Aktien, die du langfristig halten willst: Der Covered Call ist perfekt für Buy-and-Hold-Investoren, die ihr Portfolio aufwerten möchten. Du gibst etwas Upside-Potenzial ab, bekommst aber regelmäßiges Einkommen.
Seitwärtsmarkt oder leicht steigende Kurse: In diesen Phasen erzielst du die beste Kombination: Die Prämie wird kassiert, und die Aktie wird nicht abgerufen.
Erhöhte Volatilität: Höhere IV bedeutet höhere Prämien für deine verkauften Calls. Nach einem Volatilitätsanstieg ist ein guter Zeitpunkt, Covered Calls zu schreiben.
Wann du es lassen solltest
Du erwartest einen starken Kursanstieg: Wenn du glaubst, die Aktie verdoppelt sich, begrenzt der Covered Call deinen Gewinn unnötig. In diesem Fall: keine Option verkaufen.
Vor wichtigen Earnings: Ein starker Kurssprung nach oben führt dazu, dass deine Aktien zum Strike abgerufen werden — und du den gesamten Earnings-Move verpasst.
Aktie im freien Fall: Der Covered Call schützt dich nur minimal vor Verlusten. Bei 3,50 $ Prämie und 50 $ Kursverfall ist der Schutz verschwindend gering. Überlege in diesem Fall, ob du die Aktie überhaupt noch halten willst.
Die richtige Strike-Auswahl beim Covered Call
Die Strike-Auswahl bestimmt das Gleichgewicht zwischen Prämie und Wahrscheinlichkeit, deine Aktien zu behalten.
Konservativ: Out-of-the-Money (OTM) Strikes
Delta: 0,15 bis 0,25
Beispiel bei MSFT @ 420 $: Strike 445-450 $
Vorteile: Hohe Wahrscheinlichkeit, die Aktien zu behalten (ca. 75-85 %). Du profitierst noch von Kursanstiegen bis zum Strike.
Nachteil: Kleinere Prämie.
Am besten für: Langfristige Aktionäre, die ihre Position behalten wollen und den Covered Call als Bonus sehen.
Aggressiv: At-the-Money (ATM) oder Near-the-Money Strikes
Delta: 0,40 bis 0,50
Beispiel bei MSFT @ 420 $: Strike 420-425 $
Vorteile: Höchste Prämie. Maximale Zeitwert-Einnahme.
Nachteil: Ca. 50 % Wahrscheinlichkeit, dass die Aktien abgerufen werden.
Am besten für: Trader, die die Aktie ohnehin verkaufen wollen oder als Teil der Wheel-Strategie.
Die goldene Mitte
Delta: 0,25 bis 0,30
Beispiel bei MSFT @ 420 $: Strike 435-440 $
Hier bekommst du eine ordentliche Prämie, hast aber immer noch ca. 70-75 % Wahrscheinlichkeit, deine Aktien zu behalten. Für die meisten Situationen ist das der Sweet Spot.
Covered Call Management
Gewinnmitnahme bei 50-65 %
Wenn die Option 50-65 % ihres Werts verloren hat, kaufst du sie zurück. Beispiel: Du hast 350 $ kassiert, die Option ist jetzt nur noch 120 $ wert → du kaufst sie für 120 $ zurück und sicherst 230 $ Gewinn. Dann verkaufst du sofort den nächsten Call.
Vorteil: Du bindest dein Kapital nicht unnötig lange und kannst früher den nächsten Covered Call aufsetzen.
Rollen bei Bedrohung
Wenn der Kurs deinen Strike erreicht oder überschreitet und du die Aktien behalten willst:
- Kaufe den aktuellen Call zurück (Buy to Close)
- Verkaufe einen neuen Call mit späterem Verfallsdatum und/oder höherem Strike (Sell to Open)
Wichtig: Rolle nur, wenn du einen Netto-Credit bekommst (d.h. du kassierst mehr für den neuen Call als du für den alten bezahlst). Niemals für einen Debit rollen.
Aktie wird zugewiesen — was tun?
Wenn deine Aktien abgerufen werden, ist das kein Drama — du hast ja mit Gewinn verkauft (Strike + Prämie). Du hast dann zwei Optionen:
- Wheel-Strategie starten: Verkaufe einen Cash Secured Put auf die gleiche Aktie, um sie günstiger zurückzukaufen
- Kapital umschichten: Investiere das freie Kapital in eine andere Gelegenheit
Covered Call als Einkommensstrategie — realistische Erwartungen
Viele Anfänger überschätzen die Rendite von Covered Calls. Hier sind realistische Zahlen:
Monatliche Prämie: Bei OTM-Strikes mit Delta 0,20-0,30 kassierst du typischerweise 0,5-2 % des Aktienwerts pro Monat, je nach Volatilität.
Annualisierte Zusatzrendite: 6-15 % zusätzlich zur normalen Aktienrendite (Kursentwicklung + Dividende).
Die Einschränkung: In starken Bullenmärkten wirst du den Markt underperformen, weil dein Upside gekappt ist. In Seitwärtsmärkten und leicht steigenden Märkten wirst du outperformen.
Rechenbeispiel über 12 Monate (MSFT @ 420 $):
- Aktienwert: 42.000 $
- Monatliche Covered-Call-Prämie (Durchschnitt): ca. 300-400 $
- Jährliche Prämieneinnahmen: ca. 3.600-4.800 $
- Zusatzrendite: ca. 8,5-11,5 %
- Plus: Dividenden (ca. 0,8 %) und eventuelle Kursgewinne
Covered Call und Steuern — Was du wissen musst
Hinweis: Die steuerliche Behandlung hängt von deinem Wohnsitzland ab. Für deutsche Anleger gilt grundsätzlich:
- Prämieneinnahmen aus verkauften Optionen sind Kapitalerträge und unterliegen der Abgeltungssteuer (ca. 26,375 % inkl. Soli)
- Wenn die Aktie zugewiesen wird, reduziert die erhaltene Prämie nicht automatisch deine Anschaffungskosten — die Prämie wird separat als Optionsgewinn behandelt
- Verluste aus Optionsgeschäften können nur eingeschränkt mit Gewinnen aus Optionsgeschäften verrechnet werden (20.000 € Verlustverrechnungsgrenze)
Empfehlung: Sprich mit deinem Steuerberater, bevor du regelmäßig Covered Calls schreibst. Die steuerlichen Auswirkungen können je nach Situation sehr unterschiedlich sein.
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Fazit
Der Covered Call ist eine der konservativsten und anfängerfreundlichsten Optionsstrategien. Wenn du bereits Aktien besitzt, kannst du sofort damit anfangen, Zusatzeinkommen zu generieren. Du tauschst etwas Aufwärtspotenzial gegen sofortige, sichere Prämieneinnahmen.
Die wichtigsten Regeln: Wähle OTM-Strikes mit Delta 0,20-0,30, handle bei erhöhter Volatilität, nimm Gewinne bei 50-65 % mit und rolle rechtzeitig, wenn du die Aktien behalten willst. In Kombination mit dem Cash Secured Put ergibt sich die beliebte Wheel-Strategie — der perfekte Einstieg in den systematischen Optionshandel.
Disclaimer
Risikohinweis: Die auf optionen-akademie.com bereitgestellten Inhalte dienen ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken und stellen keine Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.
Der Handel mit Optionen ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Optionen sind komplexe Finanzinstrumente und eignen sich nicht für jeden Anleger. Vergangene Ergebnisse sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.
Alle genannten Beispiele, Berechnungen und Strategien dienen der Veranschaulichung und berücksichtigen keine individuellen Umstände wie Steuersituation, Risikobereitschaft oder finanzielle Ziele. Bevor du mit dem Optionshandel beginnst, solltest du dich von einem qualifizierten Finanzberater beraten lassen.
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Häufig gestellte Fragen

Geschrieben von
Daniel
Aktiver Optionshändler und Gründer der Optionen-Akademie. Daniel ist seit 1998 an der Börse aktiv und handelt seit 2020 erfolgreich mit Optionen — mit mehreren tausend Trades und bisher keinem Verlustjahr. Seine Expertise basiert auf renommierten Ausbildungen mit Zertifikat, sowohl national als auch international. Seine Mission: Menschen mit größtenteils kostenlosem Content das Wissen vermitteln, das sie brauchen, um ein finanziell freies Leben zu führen.