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Covered Call: 5 typische Fehler bei Aktienbestand und Short Calls

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Covered Call: 5 typische Fehler bei Aktienbestand und Short Calls

Ein Covered Call klingt auf den ersten Blick einfach: Du besitzt 100 Aktien und verkaufst darauf einen Call. Dafuer erhaeltst du eine Praemie. Wenn die Aktie nicht stark steigt, behaeltst du die Praemie. Wenn sie ueber den Strike steigt, koennen deine Aktien zum Strike verkauft werden.

Genau diese Einfachheit fuehrt aber oft zu falschen Erwartungen. Ein Covered Call ist keine zusaetzliche Dividende, keine verlaessliche monatliche Einnahme und kein Schutzschild gegen fallende Aktien. Er ist ein Tausch: Du bekommst eine Praemie und gibst dafuer einen Teil deines Aufwaertspotenzials ab.

Die Grundlagen zur Strategie findest du auf der Seite Covered Call erklaert. Dieser Beitrag konzentriert sich bewusst auf die praktischen Fehler, die beim Einsatz besonders haeufig auftreten.

Kurz zur Mechanik

Ein Covered Call besteht aus zwei Teilen:

  1. Du besitzt 100 Aktien eines Unternehmens.
  2. Du verkaufst 1 Call-Option auf genau diese 100 Aktien.

Die erhaltene Praemie senkt deinen rechnerischen Einstand. Gleichzeitig verpflichtest du dich, die Aktien zum Strike-Preis zu liefern, falls der Call ausgeuebt wird.

Beispiel:

  • Aktienbestand: 100 Aktien zu 100 USD
  • Verkaufte Call-Option: Strike 105 USD
  • Erhaltene Praemie: 2 USD pro Aktie
  • Praemie gesamt: 200 USD

Der Break-even liegt bei 98 USD. Faellt die Aktie darunter, entsteht trotz Praemie ein Verlust auf die Gesamtposition. Oberhalb von 105 USD ist dein Gewinn begrenzt, weil die Aktien bei Assignment zum Strike verkauft werden koennen.

Fehler 1: Die Praemie als sicheren Gewinn betrachten

Die Praemie wird beim Verkauf des Calls zwar direkt gutgeschrieben. Wirtschaftlich ist sie aber erst dann verdient, wenn die Gesamtposition sinnvoll endet oder aktiv gemanagt wird.

Im Beispiel bekommst du 200 USD Praemie. Faellt die Aktie von 100 USD auf 90 USD, verliert dein Aktienbestand 1.000 USD. Die Praemie reduziert diesen Verlust nur auf 800 USD. Der Covered Call hat den Rueckgang also nicht verhindert, sondern nur leicht abgefedert.

Praktische Regel: Bewerte den Covered Call immer als Gesamtposition aus Aktie plus Short Call. Eine hohe Praemie ist nur dann attraktiv, wenn du auch das Aktienrisiko tragen willst.

Fehler 2: Den Strike zu nah am aktuellen Kurs waehlen

Ein Strike nahe am aktuellen Aktienkurs bringt mehr Praemie. Gleichzeitig steigt aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktie ueber den Strike laeuft und du dein Aufwaertspotenzial frueh begrenzt.

Beispiel:

StrikePraemieWas du dafuer aufgibst
102 USD3,50 USDViel Aufwaertspotenzial, hohes Assignment-Risiko
105 USD2,00 USDMittlerer Kompromiss
110 USD0,80 USDMehr Luft nach oben, weniger Praemie

Der hoechste Credit ist nicht automatisch der beste Trade. Wenn du eine Aktie langfristig halten willst, kann ein zu naher Strike strategisch falsch sein, obwohl die Praemie verlockend aussieht.

Praktische Regel: Waehle den Strike nicht nach maximaler Praemie, sondern nach der Frage: Waere ich bereit, diese Aktie zu diesem Preis abzugeben?

Fehler 3: Assignment als Ausnahme behandeln

Assignment ist kein Fehler im System. Es ist ein normaler Bestandteil eines Covered Calls. Wer einen Call verkauft, verkauft dem Kaeufer das Recht, die Aktie zum Strike zu kaufen.

Problematisch wird es, wenn du die Aktien eigentlich nicht abgeben willst. Dann fuehrt ein steigender Kurs oft zu hektischem Rolling: Der alte Call wird teuer zurueckgekauft, ein neuer Call wird weiter draussen verkauft, und die Position wird in die Zukunft verschoben.

Rolling kann sinnvoll sein, aber es ist kein kostenloser Neustart. Wenn der zurueckgekaufte Call stark im Geld ist, realisierst du auf der Optionsseite einen Verlust oder gibst einen grossen Teil der bisherigen Praemie wieder ab.

Praktische Regel: Lege vor dem Trade fest, was bei Assignment passiert:

  • Aktien zum Strike abgeben und Gewinn realisieren
  • Call bei definierter Verlustschwelle zurueckkaufen
  • Nur rollen, wenn der neue Trade auch fuer sich allein sinnvoll ist

Fehler 4: Den Break-even falsch einschaetzen

Viele betrachten nur den Strike und die Praemie. Wichtiger ist aber dein echter Einstand in der Aktie.

Wenn du die Aktie zu 100 USD gekauft hast und 2 USD Praemie erhaeltst, liegt dein Break-even bei 98 USD. Hast du die Aktie aber schon frueher zu 115 USD gekauft, sieht die Lage anders aus: Dann kann ein Call mit Strike 105 USD zwar Praemie bringen, aber gleichzeitig einen Verkauf unter deinem urspruenglichen Einstand erzwingen.

Das ist besonders relevant, wenn Covered Calls nach einem Kursrueckgang verkauft werden. Die Praemien wirken dann hilfreich, aber die Strikes liegen oft unter dem eigenen Kaufkurs.

Praktische Regel: Rechne vor jedem Covered Call drei Werte aus:

  • Einstand der Aktie
  • Break-even nach erhaltener Praemie
  • maximaler Gewinn bis zum Strike

Fehler 5: Covered Calls auf ungeeignete Aktien schreiben

Ein Covered Call ist nur so solide wie die Aktie darunter. Eine schwache Aktie wird durch eine verkaufte Call-Option nicht automatisch zu einer guten Position.

Besonders riskant sind Aktien, die du nur wegen hoher Optionspraemien kaufst oder haeltst. Hohe Praemien entstehen oft nicht ohne Grund: Der Markt preist Unsicherheit, hohe Volatilitaet oder ein konkretes Ereignis ein.

Auch Earnings, Uebernahmen, FDA-Entscheidungen oder sehr enge Bid-Ask-Spreads koennen die Strategie unattraktiv machen. Die Praemie kann hoch aussehen, waehrend das tatsaechliche Risiko deutlich groesser ist.

Praktische Regel: Verkaufe Covered Calls nur auf Aktien, die du auch ohne Optionspraemie begruendet halten wuerdest.

Eine einfache Checkliste vor dem Trade

Vor einem Covered Call sollten diese Fragen beantwortet sein:

  • Will ich die Aktie grundsaetzlich im Depot haben?
  • Bin ich bereit, sie zum gewaehlten Strike abzugeben?
  • Kenne ich meinen Break-even nach Praemie?
  • Ist die Praemie im Verhaeltnis zum Aktienrisiko angemessen?
  • Ist die Option liquide genug?
  • Gibt es Earnings, Dividenden oder andere Ereignisse vor dem Verfall?
  • Habe ich einen Plan fuer Assignment, Rueckkauf oder Rolling?

Wenn eine dieser Fragen offen bleibt, ist der Trade noch nicht sauber geplant.

Covered Call und Wheel-Strategie

Der Covered Call ist ein Baustein der Wheel-Strategie. Nach einem Cash-Secured Put kann es passieren, dass du Aktien eingebucht bekommst. Auf diesen Aktien koennen Covered Calls verkauft werden.

Wichtig ist aber: Die Wheel-Strategie loest das Aktienrisiko nicht auf. Sie strukturiert nur den Umgang mit Einstieg, Assignment, Aktienbestand und moeglichem Verkauf. Wer den Covered Call nicht sauber versteht, wird auch das Wheel falsch einschaetzen.

Fazit

Der Covered Call ist eine nuetzliche Strategie fuer Aktienbesitzer, aber nur mit klaren Grenzen. Die Praemie ist kein risikofreier Zusatzgewinn. Das Aktienrisiko bleibt bestehen, das Aufwaertspotenzial ist begrenzt, und Assignment muss von Anfang an eingeplant werden.

Der praktische Kern lautet: Verkaufe einen Covered Call nur, wenn du die Aktie halten kannst, den Strike akzeptierst und einen Plan fuer beide Richtungen hast – steigende Kurse und fallende Kurse.

Naechster Schritt: Wenn du die Mechanik noch einmal strukturiert nachlesen willst, starte mit der Hauptseite Covered Call erklaert. Fuer den Zusammenhang mit Cash-Secured Puts lies danach die Wheel-Strategie.

Covered Calls im Wheel: vorher den Einstand kennen.

Nach Assignment ist der Covered Call nur sinnvoll, wenn Strike, Einstand und Aktienrisiko zusammenpassen. Die Checkliste hilft dir, den Übergang vom Put zur Aktienposition sauber zu planen.

Du erhältst die Checkliste per E-Mail. Keine Anlageberatung, keine Renditeversprechen. Abmeldung jederzeit möglich.

Daniel Arlt

Geschrieben von

Daniel Arlt

Daniel Arlt ist Gründer der Optionen-Akademie und seit 1998 an der Börse aktiv. Seit 2020 handelt er Optionen mit Fokus auf nachvollziehbare Strategien, Risiko und Positionsgröße. Auf der Optionen-Akademie erklärt er Optionshandel nüchtern, praxisnah und ohne Renditeversprechen.

Daniel Arlt

Autor

Daniel Arlt

Daniel ist Gründer der Optionen-Akademie und seit 1998 an der Börse aktiv. Seit 2020 handelt er Optionen mit Fokus auf nachvollziehbare Strategien, Risiko und Positionsgröße. Auf der Optionen-Akademie erklärt er Optionshandel nüchtern, praxisnah und ohne Renditeversprechen.

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