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Bear Call Spread Beispiel: Anleitung, Payoff und Risiko einfach erklärt

Bear Call Spread Payoff Diagramm mit Maximalgewinn, Maximalverlust und Break-even

Kurzantwort: Was ist ein Bear Call Spread?

Ein Bear Call Spread ist ein bärischer Credit Spread aus einem verkauften Call und einem höher gekauften Call. Du erhältst eine Nettoprämie, begrenzt dein Risiko durch den Long Call und kannst profitieren, wenn der Basiswert bis zum Verfall unter dem Short Call bleibt. Im Beispiel siehst du Strike-Wahl, Payoff, Maximalverlust und Ausstieg Schritt für Schritt.

Mein erster Bear Call Spread war auf den VXX. Der Volatilitäts-ETN war damals stark gestiegen. Der VIX kletterte auf über 30. Ich verkaufte einen Call Spread mit Strikes rund 34 Prozent über dem damaligen Kurs. Dieser Abstand gehört zum historischen VXX-Sonderfall und ist keine allgemeine Sicherheitsregel.

Die abgebildete neuere Grafik dient nur zur Illustration und zeigt keine damaligen Ausführungspreise. Reverse-Splits verändern die nominalen Kurse. VXX bildet kurzfristige VIX-Futures ab, nicht unmittelbar den VIX. Rollverluste können die Entwicklung belasten; sie treten nicht in jeder Marktlage auf. Das Produkt kann stark steigen und ist kein verlässlicher Selbstläufer nach unten.

Credit-Spread-Serie

Bear Call Spread im Gesamtbild

Dieser Artikel ist Teil 2 einer dreiteiligen Serie. Erst geht es um den bullischen Credit Spread, dann um die bärische Variante und danach um den Iron Condor als Kombination aus beiden Seiten.

Bear Call Spread VXX

Der Trade wurde vorzeitig während der Laufzeit im Gewinn geschlossen. Warum der frühere Ausstieg und die Gewinn-Realisierung erläutere ich später im Artikel.

In diesem Artikel lernst du:

  • was ein Bear Call Spread mechanisch ist und in welchem Marktumfeld er statistisch funktioniert,
  • wie du die zwei Legs richtig aufbaust und welche Strikes sinnvoll sein können,
  • wie du Maximalgewinn, Maximalverlust und Breakeven in unter 30 Sekunden ausrechnest,
  • und welche Fehler dich am meisten Geld kosten.

Kostenloser Bear-Call-Spread-Leitfaden

Wenn du den Aufbau nicht nur lesen, sondern Schritt für Schritt nachvollziehen möchtest, lade dir den passenden Leitfaden zum Artikel herunter.

  • Payoff-Diagramm und Strike-Logik
  • Break-even, Maximalgewinn und Maximalverlust
  • Praxisbeispiel mit VXX und aktivem Management
  • kompakte Checkpunkte vor dem Einstieg

Du bekommst zuerst eine kurze Bestätigungs-Mail. Danach öffnet sich die Download-Seite mit dem PDF.

Wenn dir die Grundlogik von Call, Put, Long und Short noch nicht ganz klar ist, lies vorher den Artikel Optionsstrategien verstehen. Für das Diagramm kannst du den Payoff-Visualizer parallel öffnen.

Was ist ein Bear Call Spread?

Ein Bear Call Spread ist ein Credit Spread, der auf seitwärts laufende oder leicht fallende Märkte setzt.
Du verkaufst einen Call näher am aktuellen Aktienkurs und kaufst gleichzeitig einen weiter entfernten (höheren) Call als Versicherung — beide auf dieselbe Aktie und mit demselben Verfallstag.

Drei Eigenschaften machen die Strategie für Stillhalter besonders attraktiv:

  • Net Credit beim Aufsetzen. Du bekommst Geld auf dein Konto, bevor irgendetwas passiert.
  • Definiertes Spread-Risiko. Der Long Call begrenzt das rechnerische Risiko des vollständigen Spreads. Positionsgröße, Kosten sowie Zuteilungs- und Verfallsrisiken musst du trotzdem berücksichtigen. Eine nach Verfall offene Short-Aktienposition ist nicht mehr durch den verfallenen Long Call geschützt.
  • Gewinn auch bei seitwärts laufendem Kurs möglich. Für den maximalen Gewinn vor Kosten muss der Basiswert am Verfall auf oder unter dem Short-Strike liegen. Eine feste Trefferquote folgt daraus nicht.

Die Strategie nutzt eine ähnliche Grundidee wie der Bull Put Spread — nur spiegelbildlich. Während der Bull Put darauf setzt, dass der Kurs über einem bestimmten Bereich bleibt, setzt der Bear Call darauf, dass der Kurs unter einem bestimmten Bereich bleibt. Entscheidend bleiben Marktumfeld, implizite Volatilität, Liquidität, Strike-Abstand und Positionsgröße.

Wie ein Bear Call Spread aufgebaut ist — die zwei Legs

Ein Bear Call Spread besteht aus exakt zwei Optionen, beide auf dieselbe Aktie und mit demselben Verfallsdatum:

Leg 1: Short Call (Einnahme)

Du verkaufst einen Call näher am aktuellen Aktienkurs, typischerweise aus dem Geld (OTM). Liegt der Basiswert am Verfall auf oder unter dem Short-Strike, hat der Call keinen inneren Wert. Während der Laufzeit kann die Option weiterhin Zeitwert haben; bei amerikanischen Optionen ist auch eine vorzeitige Zuteilung möglich.

Leg 2: Long Call (Absicherung)

Du kaufst gleichzeitig einen Call mit höherem Strike und demselben Verfall. Am Verfall gleicht sein innerer Wert weitere Verluste des Short Calls oberhalb des Long-Strikes aus. Diese Absicherung setzt voraus, dass die Position als vollständiger Spread beziehungsweise bei der Abwicklung korrekt gemanagt wird.

Die Differenz aus beiden Prämien ist dein Net Credit — das Geld, das sofort beim Trade-Start auf deinem Konto landet.

Strike-Wahl: Wie weit weg vom aktuellen Kurs?

Nähere Short-Strikes bringen häufig mehr Credit, lassen aber weniger Abstand zum Kurs. Prüfe den möglichen Gewinn immer gemeinsam mit Maximalverlust, Laufzeit, Liquidität und Ereignisrisiko.

Drei Orientierungspunkte für die Auswahl:

  • Abstand passend zum Basiswert wählen. Ein fester Abstand von 7 bis 10 Prozent ist keine allgemeine Sicherheitsgrenze. Laufzeit, implizite Volatilität und mögliche Kurssprünge entscheiden mit; Widerstände können Orientierung geben, garantieren aber keinen Schutz.
  • Short-Call-Delta als Orientierung. Ein Bereich von 0,15 bis 0,30 kann für OTM-Setups als Ausgangspunkt dienen. Delta ist keine gemessene Trefferquote und 1 minus Delta keine verlässliche Gewinnwahrscheinlichkeit des gemanagten Spreads.
  • Credit und Risiko gemeinsam prüfen. Ein Credit von 25 bis 35 Prozent der Spread-Breite kann ein Auswahlkriterium sein, ist aber weder Qualitätsbeweis noch feste Folge des Strike-Abstands. Kurse, Laufzeit, IV und Liquidität wirken zusammen.

Ein rein hypothetisches Rechenbeispiel: Bei einer Aktie zu 100 $ könnten Short 110C und Long 115C einen 5-$-Spread bilden. Ein angenommener Credit von 1,25 bis 1,75 $ entspräche 125 bis 175 $ möglichem Gewinn und 375 bis 325 $ maximalem Verlust pro Standardkontrakt vor Kosten. Ob solche Prämien handelbar sind und der Abstand angemessen ist, muss anhand der tatsächlichen Optionskette geprüft werden.

Bear Call Spread Beispiel an VXX — ein realer Trade aus dem Januar 2022

Genug Theorie. Hier einer meiner echten Bear Call Spreads, mit allen Zahlen aus dem Trade-Journal. Der Trade wurde im Januar 2022 eröffnet — in einer Phase, in der die Märkte bereits deutlich nervöser wurden: steigende Inflation, ein zunehmend restriktiver Fed-Kurs und hohe Unsicherheit vor dem Ukraine-Krieg. Genau solche Phasen zeigen, warum ein Bear Call Spread nicht nur aus Prämie besteht, sondern vor allem aus Strike-Wahl, Risikobegrenzung und aktivem Management.

Setup auf VXX

  • Underlying: VXX (iPath Series B S&P 500 VIX Short-Term Futures ETN)
  • Kurs zum Einstieg: 26,11 $ (24.01.2022)
  • Laufzeit bei Eröffnung: 25 Tage (Expiration 18.02.2022)
  • Short-Call-Strike: 35 $ (~34 % über dem Kurs, Delta 0,38)
  • Long-Call-Strike: 40 $ (Spread-Breite 5 $, Delta 0,30)
  • Marktmeinung: bearish auf VXX — nach dem Volatilitäts-Spike Rückkehr zur Mitte erwartet
  • Kontrakte: 1

Warum VXX? Meine damalige These war eine Beruhigung nach dem Volatilitätsanstieg. Das ist eine Marktannahme, keine belegte Gewinnwahrscheinlichkeit. VXX kann bei weiterer Unruhe stark steigen. Der historische Trade ist deshalb ein fortgeschrittener Sonderfall und keine Blaupause für Aktien-Spreads.

Die Eröffnung

LegPrämie pro AktieAnzahl × 100Betrag
Short Call 35 verkauft+2,67 $1 × 100+267 $
Long Call 40 gekauft−2,08 $1 × 100−208 $
Net Credit (vor Gebühren)+59 $
Net Credit nach Entry-Gebühr[unklar – bitte prüfen]

Offener Belegabgleich: Die zuvor genannten 2,76 $ Entry-Gebühr und 57,62 $ Nettocredit passen nicht zusammen: 59 $ minus 2,76 $ ergeben 56,24 $. Welche Gebühr tatsächlich anfiel, ist noch anhand des Originalbelegs zu prüfen. Deshalb werden die folgenden Kennzahlen vor Kosten ausgewiesen.

Die Kennzahlen des Trades:

  • Maximaler Gewinn vor Kosten: 59 $ (0,59 $ Credit × 100).
  • Maximaler Verlust vor Kosten: 441 $ ((5 $ Spread-Breite − 0,59 $ Credit) × 100), bei korrekter Abwicklung des vollständigen Spreads.
  • Break-even am Verfall vor Kosten: 35,59 $ (Short-Strike + 0,59 $ Credit pro Aktie).
  • Gewinnwahrscheinlichkeit: Aus dem angegebenen Short-Call-Delta von 0,38 lässt sich keine verlässliche PoP dieses gemanagten Trades ableiten.
  • Risiko:Chance vor Kosten: 441 : 59 ≈ 7,47 : 1.

Wichtig: Dieser VXX-Trade war aggressiver als mein heutiges Standard-Setup. Das Short-Call-Delta von 0,38 und der vergleichsweise kleine Credit zeigen, dass der Trade nicht als Blaupause für jeden Bear Call Spread gedacht ist. Der Grund für die Abweichung war das spezielle Underlying: VXX kann nach Volatilitäts-Spikes stark zur Mitte zurücklaufen, muss aber wegen seiner Sprunggefahr aktiv gemanagt werden.

    Das Verhältnis von 441 $ möglichem Verlust zu 59 $ möglichem Gewinn vor Kosten verlangt eine besonders sorgfältige Risikoprüfung. Frühes Management allein beweist keinen positiven Erwartungswert. Entscheidend sind tatsächliche durchschnittliche Gewinne und Verluste, Trefferquote und sämtliche Kosten.

    Was tatsächlich passierte

    Der Trade geriet zwischenzeitlich unter Druck und wurde laut bisheriger Dokumentation am 08.02.2022 nach 15 Tagen vorzeitig im Gewinn geschlossen. Der ausgewiesene Nettogewinn und sein Anteil am Maximalgewinn müssen wegen der widersprüchlichen Gebührenangaben noch mit dem Originalbeleg abgeglichen werden.

    KennzahlWert
    Haltedauer15 Tage (≈ 60 % der Laufzeit)
    ManagementVorzeitige Gewinnmitnahme laut bisheriger Dokumentation
    Dokumentierter Gewinn+51,54 $ laut bisheriger Angabe; Nettoabgleich offen
    Anteil am Maximalgewinn nach Kosten[unklar – bitte prüfen]
    Realisierter Return on Risk nach Kosten[unklar – bitte prüfen]

    Ein einzelner Gewinn-Trade belegt keinen statistischen Vorteil. An diesem historischen Beispiel lassen sich dennoch drei Entscheidungen zum Risikomanagement besprechen.

    Drei Entscheidungen zum Management dieses Trades

    1. Abstand zum Short-Strike. Der Short-Strike lag rund 34 Prozent über dem damaligen Kurs. Prozentabstand allein misst das Risiko jedoch nicht: Das angegebene Delta von 0,38 und die Sprunggefahr von VXX zeigen, warum auch ein weiter Abstand keine Sicherheit bietet.

    2. Bewusste Gewinnmitnahme. Der Trade wurde vor dem Verfall geschlossen. Damit endete das weitere Positionsrisiko dieses Spreads. Eine Gewinnmitnahme etwa bei 50 Prozent des ursprünglichen Credits ist eine mögliche Managementregel; sie garantiert weder einen Gewinn noch einen positiven Erwartungswert.

    3. Eine ausdrückliche Marktthese. Die Position setzte auf eine Beruhigung nach dem Volatilitätsanstieg. Diese Annahme konnte sich auch als falsch erweisen; ein weiterer Anstieg von VXX hätte Verluste verursachen können.

    Die Lehre aus diesem Trade: Ein Bear Call Spread benötigt eine passende Positionsgröße und einen Plan für Gewinnmitnahme, Verluste, Rollen, Zuteilung und Verfall. Keine dieser Maßnahmen ersetzt die Prüfung des gesamten Risikos.

    Zuteilung und aktives Management

    Bei einem physisch erfüllten Aktien-Call kann eine Zuteilung eine Aktienposition erzeugen: Ohne vorhandene Aktien führt ein zugeteilter Short Call über einen Standardkontrakt zu 100 Aktien short. Verfällt der absichernde Long Call, ist diese Aktienposition anschließend ungesichert. Steigende Kurse verursachen dann zusätzliche Verluste, fallende Kurse bringen Gewinne. Bereits vorhandene 100 Aktien werden bei Zuteilung stattdessen zum Strike verkauft. Bei amerikanischen Optionen ist Zuteilung auch vor dem Verfall möglich.

    Aktives Management: Behalte den Spread besonders vor dem Verfall im Blick und entscheide bewusst, ob du ihn schließt, rollst oder anderweitig anpasst. Nach einer Zuteilung musst du auch die entstandene Aktienposition berücksichtigen. Entscheidend ist, dass keine unbeabsichtigte, ungesicherte Position zurückbleibt. Rollen verändert das Risiko und kann zusätzliche Kosten verursachen; einen bereits entstandenen Verlust macht es nicht rückgängig.

    Maximaler Gewinn, Verlust und Breakeven berechnen

    Die folgenden Formeln gelten am Verfall für einen vollständigen Spread mit einem Standardkontrakt über 100 Aktien, vor Kosten. Der Credit wird pro Aktie angegeben; vor dem Verfall beeinflussen auch Zeitwert und Volatilität den Rückkaufpreis.

    KennzahlFormelBeispiel (5 $-Spread, 1 $ Credit)
    Maximaler GewinnNet Credit pro Aktie × 100100 $ pro Kontrakt
    Maximaler Verlust(Strike-Differenz − Net Credit) × 100400 $ pro Kontrakt
    BreakevenShort-Strike + Net CreditShort-Strike + 1 $ pro Aktie

    100 $ maximaler Gewinn geteilt durch 400 $ maximalen Verlust ergeben 25 Prozent potenziellen Ertrag auf das rechnerische Risiko vor Kosten. Das ist keine erwartete oder garantierte Rendite und keine Jahresrendite. Der tatsächliche Kapitalbedarf hängt auch von Broker und Kontomodell ab.

    Bei 100 $ Gewinn und 400 $ Verlust wäre bei genau 80 Prozent Gewinnern der Erwartungswert vor Kosten null. Eine Gewinnmitnahme bei 50 Prozent macht dieses Verhältnis nicht automatisch profitabel: Sie verändert die durchschnittlichen Gewinne und möglicherweise auch Trefferquote und Verluste. Beurteilen lässt sich eine Managementregel nur anhand ihrer tatsächlichen Ergebnisse einschließlich Kosten.

    Credit-Spread-Checkliste als PDF

    Prüfe vor einem Trade Marktmeinung, IVR/IVP, Liquidität, Strikes, Maximalverlust, Break-even und Exit-Regeln. Kompakt als Bildschirm- und Druckversion.

    Du bekommst die Checkliste per Bestätigungs-Mail. Danach öffnet sich die Download-Seite.

    Ausführlichen Bear-Call-Spread-Leitfaden herunterladen

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    Der Leitfaden ergänzt die allgemeine Checkliste und konzentriert sich nur auf den Bear Call Spread.

    Daniel Arlt

    Autor

    Daniel Arlt

    Daniel ist Gründer der Optionen-Akademie und seit 1998 an der Börse aktiv. Seit 2020 handelt er Optionen mit Fokus auf nachvollziehbare Strategien, Risiko und Positionsgröße. Auf der Optionen-Akademie erklärt er Optionshandel nüchtern, praxisnah und ohne Renditeversprechen.

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