Mein erster Bear Call Spread war auf den VXX. Der Volatilitäts-ETN war gerade ungewöhnlich hoch gestiegen.
Der VIX kletterte auf über 30. Ich verkaufte einen Call Spread mit Strikes rund 34 Prozent über dem aktuellen Kurs. Bei Volatilitäts-Produkten, die nach einem Spike statistisch zur Mitte zurückkehren, ist so ein weiter Abstand durchaus üblich.
Da ich von damals keine Grafik habe, eine aktuelle. Die Preise sind anders da es regelmäßig Reverse-Splits gibt.
Der ETN hat durch die Rollverluste eine natürliche Abwärtsdrift.
Credit-Spread-Serie
Bear Call Spread im Gesamtbild
Dieser Artikel ist Teil 2 einer dreiteiligen Serie. Erst geht es um den bullischen Credit Spread, dann um die bärische Variante und danach um den Iron Condor als Kombination aus beiden Seiten.

Der Trade wurde vorzeitig während der Laufzeit im Gewinn geschlossen. Warum der frühere Ausstieg und die Gewinn-Realisierung erläutere ich später im Artikel.
In diesem Artikel lernst du:
- was ein Bear Call Spread mechanisch ist und in welchem Marktumfeld er statistisch funktioniert,
- wie du die zwei Beine richtig aufbaust und welche Strikes eine 75-Prozent-Gewinnwahrscheinlichkeit liefern,
- wie du Maximalgewinn, Maximalverlust und Breakeven in unter 30 Sekunden ausrechnest,
- und welche Fehler dich am meisten Geld kosten.
Am Ende findest du einen kostenlosen PDF-Leitfaden mit allen Details, falls du tiefer einsteigen willst.
Was ist ein Bear Call Spread?
Ein Bear Call Spread ist ein Credit-Spread, der auf seitwärts laufende oder leicht fallende Märkte wettet.
Du verkaufst einen Call näher am aktuellen Aktienkurs und kaufst gleichzeitig einen weiter entfernten (höheren) Call als Versicherung — beide auf dieselbe Aktie und mit demselben Verfallstag.
Drei Eigenschaften machen die Strategie für Stillhalter besonders attraktiv:
- Net Credit beim Aufsetzen. Du bekommst Geld auf dein Konto, bevor irgendetwas passiert.
- Maximalverlust ist fest gedeckelt. Im Gegensatz zum Naked Call kannst du nicht „aus Versehen“ mehr verlieren, als du dir leisten kannst — und Naked Calls haben theoretisch unbegrenzten Verlust.
- Hohe Gewinnwahrscheinlichkeit. Bei sauberer Strike-Wahl liegen die Win-Rates statistisch zwischen 70 und 85 Prozent.
Die Strategie nutzt dieselbe mathematische Asymmetrie wie der Bull Put Spread — nur spiegelbildlich. Während der Bull Put auf „Aktie bleibt über X“ wettet, setzt der Bear Call auf „Aktie bleibt unter Y“. Beide Strategien funktionieren, weil Aktien sich statistisch deutlich öfter in einem Korridor bewegen, als sie scharf in eine Richtung explodieren.
Wie ein Bear Call Spread aufgebaut ist — die zwei Legs
Ein Bear Call Spread besteht aus exakt zwei Optionen, beide auf dieselbe Aktie und mit demselben Verfallsdatum:
Bein 1: Short Call (Einnahme)
Du verkaufst einen Call näher am aktuellen Aktienkurs, typischerweise leicht aus dem Geld (OTM). Diese Option ist die teurere von beiden und generiert deine Hauptprämie. Sobald die Aktie nicht über diesen Strike steigt, verfällt der Call wertlos und du behältst die Prämie.
Bein 2: Long Call (Versicherung)
Du kaufst gleichzeitig einen Call mit höherem Strike — also weiter weg vom aktuellen Kurs nach oben. Diese Option kostet weniger als der verkaufte Call, frisst also nur einen Teil deiner Einnahme auf. Falls die Aktie aber unerwartet stark steigt, übernimmt der Long Call alle Verluste oberhalb seines Strikes. Dein Maximalrisiko ist damit fest begrenzt.
Die Differenz aus beiden Prämien ist dein Net Credit — das Geld, das sofort beim Trade-Start auf deinem Konto landet.
Strike-Wahl: Wie weit weg vom aktuellen Kurs?
Hier scheitern die meisten Anfänger. Die Verlockung ist groß, die Strikes nahe am aktuellen Kurs zu wählen, weil dort die Prämie viel höher aussieht. Das Problem: Die Win-Rate bricht ein, und ein einziger Verlust-Trade frisst mehrere Gewinner auf einmal auf.
Drei Faustregeln aus der Praxis:
- Sicherheitspuffer mindestens 7 bis 10 Prozent. Der Short-Strike sollte deutlich über dem aktuellen Kurs liegen, idealerweise über einer technischen Widerstandszone.
- Short-Call-Delta zwischen 0,15 und 0,30. Das entspricht grob einer statistischen Gewinnwahrscheinlichkeit von 70 bis 85 Prozent. Liegt das Delta deutlich höher (näher am Geld), wird der Trade aggressiver und braucht eine sehr bewusste Begründung.
- Net Credit zwischen 25 und 35 Prozent der Strike-Differenz. Bekommst du weniger, sind die Strikes zu weit weg. Bekommst du mehr, sind sie zu nah am Geld.
Bei einer Aktie zu 100 Dollar wäre ein konservativer Bear Call Spread also zum Beispiel: Short-Call bei 110, Long-Call bei 115, mit einem Net Credit zwischen 1,25 und 1,75 Dollar. Das ist eine Faustregel für Standard-Setups — Sonderfälle wie Volatilitäts-Produkte nach einem Spike können bewusst davon abweichen, sollten dann aber besonders eng gemanagt werden.
Bear Call Spread Beispiel an VXX — ein realer Trade aus dem Januar 2022
Genug Theorie. Hier einer meiner echten Bear Call Spreads, mit allen Zahlen aus dem Trade-Journal. Der Trade wurde im Januar 2022 eröffnet — in einer Phase, in der die Märkte bereits deutlich nervöser wurden: steigende Inflation, ein zunehmend restriktiver Fed-Kurs und hohe Unsicherheit vor dem Ukraine-Krieg. Genau solche Phasen zeigen, warum ein Bear Call Spread nicht nur aus Prämie besteht, sondern vor allem aus Strike-Wahl, Risikobegrenzung und aktivem Management.

Setup auf VXX
- Underlying: VXX (iPath Series B S&P 500 VIX Short-Term Futures ETN)
- Kurs zum Einstieg: 26,11 $ (24.01.2022)
- Laufzeit bei Eröffnung: 25 Tage (Expiration 18.02.2022)
- Short-Call-Strike: 35 $ (~34 % über dem Kurs, Delta 0,38)
- Long-Call-Strike: 40 $ (Spread-Breite 5 $, Delta 0,30)
- Marktmeinung: bearish auf VXX — nach dem Volatilitäts-Spike Rückkehr zur Mitte erwartet
- Kontrakte: 1
Warum VXX? Volatilitäts-Produkte wie VXX haben einen strukturellen Abwärtsdrift und kehren nach einem Spike statistisch zur Mitte zurück (Mean Reversion). Wenn der VIX bereits hoch ist, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er sich wieder beruhigt — ein Bear Call Spread auf VXX setzt genau auf diese Asymmetrie. Das macht ihn zu einem fortgeschrittenen, aber sehr lehrreichen Bear-Call-Kandidaten.
Die Eröffnung
| Leg | Prämie pro Aktie | Anzahl × 100 | Betrag |
|---|---|---|---|
| Short Call 35 verkauft | +2,67 $ | 1 × 100 | +267 $ |
| Long Call 40 gekauft | −2,08 $ | 1 × 100 | −208 $ |
| Net Credit (vor Gebühren) | +59 $ | ||
| Net Credit nach Entry-Gebühr (2,76 $) | ≈ +57,62 $ |
Die Kennzahlen des Trades:
- Maximaler Gewinn: 57,62 $ (der eingenommene Net Credit nach Gebühren)
- Maximaler Verlust: 442,38 $ (Spread 5 $ × 100 − Net Credit)
- Breakeven: 35,59 $ (Short-Strike + Net Credit pro Aktie)
- Erfolgswahrscheinlichkeit (PoP): ca. 62 % (aus Delta 0,38 abgeleitet)
- Risk/Reward: 7,7 : 1
Wichtig: Dieser VXX-Trade war aggressiver als mein heutiges Standard-Setup. Das Short-Call-Delta von 0,38 und der vergleichsweise kleine Credit zeigen, dass der Trade nicht als Blaupause für jeden Bear Call Spread gedacht ist. Der Grund für die Abweichung war das spezielle Underlying: VXX kann nach Volatilitäts-Spikes stark zur Mitte zurücklaufen, muss aber wegen seiner Sprunggefahr aktiv gemanagt werden.
Das Risk/Reward-Verhältnis von 7,7 : 1 sieht auf den ersten Blick unattraktiv aus — 442 $ Risiko für 58 $ möglichen Gewinn. Genau hier verstehen die meisten Anfänger den Trade falsch. Der Schlüssel ist nicht das nominale Verhältnis, sondern die Kombination aus hoher Gewinnwahrscheinlichkeit und diszipliniertem frühem Ausstieg. Wie das in der Praxis aussah, zeigt der Verlauf.
Was tatsächlich passierte
Der Trade war zwischenzeitlich kurz unter Druck. Danach fiel der VXX deutlich ab, der Trade lief perfekt.
Am 08.02.2022 — nach 15 Tagen Haltedauer, also rund 60 Prozent der Laufzeit — wurde die Position bei etwa 89 Prozent des Maximalgewinns aktiv geschlossen.

| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Haltedauer | 15 Tage (≈ 60 % der Laufzeit) |
| Exit-Trigger | Profit-Taking bei ≈ 89 % Max Profit |
| Realisierter Gewinn | +51,54 $ |
| davon vom Maximalgewinn | 89 % |
| Return on Risk | 11,7 % |
Ein Gewinn-Trade — platziert in der vielleicht schwierigsten Marktphase des Jahres 2022, und trotzdem profitabel beendet. Nicht weil ich Glück hatte, sondern wegen drei bewusster Entscheidungen.
Drei Dinge, die diesen Trade entscheidend verbessert haben
1. Großzügiger Sicherheitsabstand. Der Short-Strike lag 34 Prozent aus dem Geld. Genau dieser Puffer gab dem Trade genug Abstand, obwohl VXX zwischenzeitlich noch einmal anzog. Ein eng gewählter Strike — sagen wir nur 5 Prozent OTM — wäre in dieser Marktphase deutlich schneller unter Druck geraten.
2. Diszipliniertes frühes Profit-Taking. Der Trade wurde bei 89 Prozent Maximalgewinn geschlossen — nicht bis zum Verfall gehalten. Die konservative Standardregel liegt oft bei 50 Prozent Maximalgewinn; hier lief der Rückgang aber so schnell, dass bereits 89 Prozent erreicht waren. Genau dieser frühe Exit reduzierte das Gamma-Risiko der letzten Tage deutlich.
3. Trade mit der Mean-Reversion, nicht dagegen. Der Bear Call wurde aufgesetzt, als VXX bereits hoch war. Volatilität kehrt statistisch zur Mitte zurück — der Trade hatte die Wahrscheinlichkeit auf seiner Seite. Ein Bear Call auf VXX, wenn die Volatilität niedrig ist, wäre das genaue Gegenteil gewesen.
Die Lehre aus diesem Trade: Ein Bear Call Spread ist kein „Setzen-und-Vergessen“. Konservative Strike-Wahl plus aktives, frühes Schließen schlägt jeden Versuch, den letzten Cent Prämie herauszuquetschen.
Maximaler Gewinn, Verlust und Breakeven berechnen
Drei Formeln musst du auswendig kennen. Mehr ist nicht nötig.
| Kennzahl | Formel | Beispiel (5 $-Spread, 1 $ Credit) |
|---|---|---|
| Maximaler Gewinn | Net Credit | 100 $ pro Kontrakt |
| Maximaler Verlust | (Strike-Differenz − Net Credit) × 100 | 400 $ pro Kontrakt |
| Breakeven | Short-Strike + Net Credit | Short-Strike + 1 $ pro Aktie |
Der ROI auf das gebundene Kapital ergibt sich aus Net Credit geteilt durch Maximalverlust. Im Beispiel: 100 ÷ 400 = 25 Prozent — pro Trade, bei einer Laufzeit von typisch 30 Tagen.
Wichtig zu verstehen: Das Risk-Reward-Verhältnis ist mit 4:1 auf den ersten Blick unattraktiv. Die Strategie funktioniert trotzdem, weil die Win-Rate hoch ist. Bei 80 Prozent Gewinnwahrscheinlichkeit gewinnst du im Schnitt 4 × 1 $ und verlierst 1 × 4 $ — Saldo: null. Profitabel wird die Strategie erst durch diszipliniertes Gewinnmanagement: Bei etwa 50 Prozent Maximalgewinn aktiv schließen, statt auf den vollen Credit zu warten. Läuft ein Trade außergewöhnlich schnell in den Gewinn, kann auch ein höherer Gewinnanteil realisiert werden — entscheidend ist, nicht aus Gier bis zum Verfall zu halten.
Credit-Spread-Checkliste als PDF
Prüfe vor einem Trade Marktmeinung, IVR/IVP, Liquidität, Strikes, Maximalverlust, Break-even und Exit-Regeln. Kompakt als Bildschirm- und Druckversion.
Du bekommst die Checkliste per Bestätigungs-Mail. Danach öffnet sich die Download-Seite.
Ausführlichen Bear-Call-Spread-Leitfaden herunterladen
Wenn du statt der allgemeinen Checkliste den vollständigen Leitfaden zu dieser Strategie möchtest, fordere ihn hier separat an.
Das ist der strategiebezogene PDF-Leitfaden mit Payoff, Strike-Logik und Beispiel.

Geschrieben von
Daniel
Aktiver Optionshändler und Gründer der Optionen-Akademie. Daniel ist seit 1998 an der Börse aktiv und handelt seit 2020 erfolgreich mit Optionen — mit mehreren tausend Trades und bisher keinem Verlustjahr. Seine Expertise basiert auf renommierten Ausbildungen mit Zertifikat, sowohl national als auch international. Seine Mission: Menschen mit größtenteils kostenlosem Content das Wissen vermitteln, das sie brauchen, um ein finanziell freies Leben zu führen.
