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Long Strangle - Optionen-Akademie

Long Strangle

Auf große Bewegung wetten — mit weniger Kapital als Long Straddle

Beim Long Strangle kaufst du gleichzeitig einen OTM Call über und einen OTM Put unter dem aktuellen Kurs. Wie der Long Straddle profitierst du von großen Bewegungen — günstiger im Einstand, brauchst aber eine größere Bewegung für den Profit.

✓ Fortgeschritten ✓ Volatilitäts-Kauf ✓ Neutral (Richtung)

Was ist ein Long Strangle?

Ein Long Strangle besteht aus zwei gekauften Optionen, beide aus dem Geld:

  1. Long Call über dem aktuellen Kurs (Out-of-the-Money)
  2. Long Put unter dem aktuellen Kurs (Out-of-the-Money)

Beide Optionen sind günstiger als ATM-Optionen, aber sie brauchen mehr Bewegung, um ins Geld zu kommen. Der Long Strangle ist die budget-freundlichere Alternative zum Long Straddle — passt, wenn du eine sehr große Bewegung erwartest.

Beispiel-Setup:

Aktie: XYZ bei 100 $

Kaufe 1 Call 105 $ (45 Tage) für 2 $ Prämie

Kaufe 1 Put 95 $ (45 Tage) für 2 $ Prämie

Gesamt-Debit: 4 $ × 100 = 400 $

Breakevens: 91 $ und 109 $ (Strikes ± Gesamtprämie)

Das Grundprinzip

Du kaufst günstiger als beim Straddle, dafür brauchst du eine größere Bewegung. Solange die Aktie zwischen den Strikes bleibt, verfallen beide Optionen wertlos und du verlierst die gezahlte Prämie. Bricht sie aus, wächst der Gewinn linear — theoretisch unbegrenzt nach oben.

Payoff-Diagramm

Gewinn/Verlust am Verfallstag, abhängig vom XYZ-Kurs:

Wahrscheinlichkeit 0 $ 95P long 105C long XYZ 100 $ Max Verlust -400 $ Gewinn ↑ unbegrenzt Gewinn ↑ unbegrenzt BE 91 $ BE 109 $ +1.100 0 -400 80 85 90 95 100 105 110 115 120 Aktien-Kurs am Verfallstag ($) Gewinn / Verlust ($)

📊 Kennzahlen:

  • Maximaler Gewinn: theoretisch unbegrenzt (in beide Richtungen)
  • Breakeven unten: 91 $ (Put-Strike − Gesamtprämie)
  • Breakeven oben: 109 $ (Call-Strike + Gesamtprämie)
  • Maximaler Verlust: -400 $ (gezahlte Prämien, wenn Aktie zwischen 95–105 $ schließt)

Wann ist ein Long Strangle sinnvoll?

✓ Perfekte Bedingungen

  • Niedrige IV beim Kauf — Optionen sind günstig
  • Erwartung einer sehr großen Bewegung
  • Begrenztes Budget — günstiger als Long Straddle
  • Liquide Underlyings mit engen Spreads
  • Vor erwarteten Volatilitäts-Schüben (Earnings, FDA-Entscheidungen)

✗ Ungünstige Situationen

  • Hohe IV — Optionen zu teuer (IV-Crush möglich)
  • Seitwärtsmärkte ohne Katalysatoren
  • Lange Restlaufzeit — Theta zehrt am Wert
  • Erwartung einer kleinen Bewegung — dann besser Long Straddle
  • Niedrige Liquidität

Strike & Laufzeit auswählen

Strikes: symmetrisch OTM

  • Konservativ (Delta 0,30): näher am Geld — höhere Prämie, kleinere Bewegung nötig
  • Standard (Delta 0,15–0,20): deutlich OTM — niedrige Prämie, mittlere Bewegung nötig
  • Aggressiv (Delta 0,10): weit OTM — sehr günstig, aber große Bewegung nötig

Laufzeit: 30–60 Tage

Der Standard liegt bei 30–45 Tagen. Längere Laufzeiten geben mehr Zeit für Bewegung, kosten aber mehr Prämie.

Management & Adjustments

Standard-Vorgehen

  1. 50-%-Gewinn-Regel: Position bei 50 % Buchgewinn schließen — sichert Gewinne
  2. Eine Seite verkaufen: Bei klarer Richtung den verlierenden Teil verkaufen, den anderen laufen lassen
  3. Vor Verfall schließen: Spätestens 14 Tage vor Verfall — Theta-Verfall wird stark
  4. Stop-Loss bei 50 % Verlust: Position schließen, wenn keine Bewegung in Sicht

Long Strangle vs. Long Straddle

AspektLong StrangleLong Straddle
StrikesZwei verschiedene (OTM)Gleicher Strike (ATM)
KostenNiedrigerHöher
Benötigte BewegungGrößerKleiner
Max VerlustNiedrigerHöher
ThetaEtwas weniger negativStärker negativ

Faustregel: Long Strangle wenn du sehr große Bewegungen erwartest und Geld sparen willst. Long Straddle wenn moderate Bewegung reicht und das Budget passt.

📊

Diese Strategie selbst durchspielen

Eigene Strikes und Prämien für den Long Strangle eingeben — siehe sofort deine Gewinn- und Verlustzonen, Break-Even-Punkte und Max-Verlust.

Payoff-Visualizer öffnen →

Vorteile & Nachteile

✓ Vorteile

  • Definiertes Risiko (max = gezahlte Prämie)
  • Theoretisch unbegrenzter Gewinn in beide Richtungen
  • Günstiger als Long Straddle
  • Profitiert von steigender IV
  • Richtungsunabhängig

✗ Nachteile

  • Aktie muss weiter bewegen als beim Straddle
  • Theta-Verfall (zwei Long-Optionen)
  • IV-Crush nach Events kann Gewinne fressen
  • Höhere Anforderung an Timing als Straddle

Zusammenfassung

Long Strangle auf einen Blick

MarktmeinungSehr große Bewegung erwartet, Richtung egal
KomplexitätFortgeschritten
KapitalbedarfNiedrig–mittel (zwei OTM-Prämien)
Max GewinnTheoretisch unbegrenzt
Max VerlustGezahlte Gesamtprämie
Idealer StrikeBeide Strikes Delta 0,15–0,20 OTM
Ideale Laufzeit30–45 Tage
Schließen bei50 % Gewinn / 50 % Verlust / 14 DTE

Der Long Strangle ist die günstige Volatilitäts-Kauf-Strategie — perfekt, wenn du eine sehr große Bewegung erwartest und nicht das volle Kapital eines Long Straddle einsetzen willst. Die Gegenseite (Volatilitäts-Verkauf) ist der Short Strangle — Achtung: dort ist das Risiko theoretisch unbegrenzt.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Optionshandel ist mit erheblichen Risiken verbunden — du kannst dein eingesetztes Kapital teilweise oder vollständig verlieren. Investiere nur Geld, dessen Verlust du verkraften kannst, und informiere dich gründlich, bevor du eigene Trades platzierst.