Transparenz: Links zu Trade Republic und Scalable Capital sind Empfehlungslinks. Wenn du darüber ein Konto eröffnest, erhalte ich unter Umständen eine Prämie, und je nach Aktion bekommst du einen Willkommensbonus. An den Konditionen ändert sich für dich nichts.
Ab dem 1. Januar 2027 gibt es das Altersvorsorgedepot: ein staatlich gefördertes Depot, in dem du mit ETFs und Fonds für die Rente sparst. Es ersetzt die Riester-Rente für Neuverträge, ohne Versicherungsmantel und ohne Garantiepflicht.
Die meisten Artikel dazu erklären die Förderung. Das mache ich hier auch, aber mit einer anderen Frage im Kopf: Was bringt das Altersvorsorgedepot jemandem, der ohnehin ein Depot hat und vielleicht sogar Optionen handelt? Kurze Antwort: Für den Handel ist es nicht gedacht. Als Fundament unter dem Handelsdepot ist es aber ziemlich gut.
Kurz gesagt:
- Der Staat legt auf bis zu 1.800 Euro Eigenbeitrag im Jahr bis zu 540 Euro drauf, dazu bis zu 300 Euro pro Kind.
- Erlaubt sind im Kern ETFs und Fonds. Einzelaktien, Hebelprodukte und damit auch Optionen haben dort keinen Platz.
- In der Ansparphase sind Erträge steuerfrei, besteuert wird erst bei der Auszahlung.
- Das Geld ist bis zum Rentenbeginn gebunden, frühestens zwischen 65 und 70. Trading-Kapital gehört dort nicht hin.
- Trade Republic und Scalable Capital bieten das Depot ohne Depot- und Sparplangebühren an.
Was ist das Altersvorsorgedepot?
Der Bundestag hat das Altersvorsorgereformgesetz am 27. März 2026 beschlossen, der Bundesrat hat am 8. Mai zugestimmt. Banken und Broker dürfen die neuen Verträge ab dem 1. Januar 2027 anbieten.
Das Prinzip ist einfach: Du zahlst regelmäßig ein, der Staat gibt Zulagen dazu, und das Geld wird am Kapitalmarkt angelegt. Anders als bei Riester gibt es keine Pflicht, die Beiträge zu garantieren. Genau diese Garantie hat Riester-Verträge teuer und renditeschwach gemacht.
Jeder Anbieter muss zusätzlich ein Standarddepot anbieten. Das ist die Variante für alle, die sich nicht kümmern wollen: Effektivkosten höchstens 1 Prozent im Jahr und ein Lebenszyklusmodell, das den Aktienanteil vor Rentenbeginn automatisch senkt. Wer selbst auswählen will, nimmt die Variante zum Selbstentscheiden.
So viel legt der Staat drauf
Die Förderung ist zweistufig. Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr gibt es 50 Prozent Zulage, auf alles darüber bis 1.800 Euro noch 25 Prozent.
| Eigenbeitrag pro Jahr | Grundzulage | Förderquote |
|---|---|---|
| 120 € (Minimum) | 60 € | 50 % |
| 360 € (30 € im Monat) | 180 € | 50 % |
| 1.200 € (100 € im Monat) | 390 € | 32,5 % |
| 1.800 € (150 € im Monat) | 540 € | 30 % |
Dazu kommen:
- Kinderzulage: 1 Euro je eingezahltem Euro, bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr. Bei zwei Kindern übersteigt die Förderung damit fast deinen eigenen Beitrag.
- Berufseinsteigerbonus: einmalig 200 Euro, wenn du unter 25 bist.
- Steuervorteil: Beiträge und Zulagen sind als Sonderausgaben absetzbar. Das Finanzamt prüft automatisch, ob die Steuerersparnis höher ist als die Zulage, und erstattet dann die Differenz.
Die Förderung bekommst du nur auf 1.800 Euro im Jahr. Einzahlen darfst du mehr: bis zu 6.840 Euro pro Vertrag, und das in bis zu zwei Verträgen. Auch der ungeförderte Teil wächst in der Ansparphase steuerfrei.
Was daraus in 10, 20 und 30 Jahren wird
Ein Beispiel mit 150 Euro im Monat, also der vollen Grundzulage von 540 Euro im Jahr, und 6 Prozent Rendite pro Jahr nach Kosten:
| Laufzeit | Eingezahlt | Zulagen | Depot ohne Zulagen | Altersvorsorgedepot |
|---|---|---|---|---|
| 10 Jahre | 18.000 € | 5.400 € | 24.371 € | 31.489 € |
| 20 Jahre | 36.000 € | 10.800 € | 68.016 € | 87.880 € |
| 30 Jahre | 54.000 € | 16.200 € | 146.177 € | 188.868 € |
Nach 30 Jahren liegen rund 42.700 Euro mehr im Depot, obwohl die Zulagen selbst nur 16.200 Euro ausmachen. Den Rest erledigt der Zinseszins. Beide Werte sind vor Steuern: Im Altersvorsorgedepot wird die Auszahlung später mit deinem persönlichen Steuersatz versteuert, im normalen Depot fällt Abgeltungsteuer an.
Mit dem Rechner kannst du deine eigenen Werte durchspielen. Für allgemeine Sparpläne ohne Förderung gibt es außerdem den Zinseszinsrechner.
Altersvorsorgedepot-Rechner
Was Eigenbeitrag, Zulagen und Zinseszins nach 10, 20 und 30 Jahren ausmachen.
| Laufzeit | Eingezahlt | Zulagen | Depot ohne Zulagen | Altersvorsorgedepot |
|---|
Vereinfachte Modellrechnung: gleichbleibende Rendite, monatliche Einzahlung, Zulagen einmal jährlich gutgeschrieben, Kinderzulage über die gesamte Laufzeit. Beide Werte vor Steuern: Auszahlungen aus dem Altersvorsorgedepot werden später mit dem persönlichen Steuersatz versteuert, im normalen Depot fällt Abgeltungsteuer an. Gefördert werden höchstens 1.800 € Eigenbeitrag im Jahr. Keine Anlageberatung.
Was darf ins Depot – und was nicht
Hier wird es für Optionshändler interessant, denn die Antwort ist kurz: Im Altersvorsorgedepot wird nicht gehandelt, sondern gespart.
Erlaubt sind im Kern regulierte Fonds und ETFs, also etwa ein weltweiter Aktien-ETF, dazu bestimmte Anleihenprodukte. Ausgeschlossen sind Einzelaktien, Kryptowährungen, Zertifikate und Hebelprodukte. Covered Calls auf deine Aktien, Cash-Secured Puts oder ein Wheel sind dort also nicht möglich, und das ist auch richtig so. Die Förderung soll breit gestreutes, langfristiges Sparen belohnen, nicht Spekulation.
Für Stillhalter heißt das: Das Altersvorsorgedepot ersetzt nichts von dem, was du im Handelsdepot machst. Es ist ein zusätzlicher Baustein.
Wo es in ein Stillhalter-Depot passt
Mein Depot ist in drei Töpfe aufgeteilt: ein Prämien-Motor, Dividendenwerte als Wheel-Kandidaten und Wachstumspositionen ohne verkaufte Calls. Alle drei sind flexibel. Ich kann umschichten, Kapital als Sicherheit für Short-Optionen nutzen und auf Volatilität reagieren.
Das Altersvorsorgedepot ist das Gegenteil davon: unflexibel, langfristig, langweilig. Genau deshalb kann es sinnvoll sein. Drei Gründe:
- Die Förderung ist eine sichere Rendite auf den Einzahlungsbetrag. Die Zulage gibt es ohne Marktrisiko. Sie ist zwar auf 540 Euro im Jahr begrenzt und wird bei der Auszahlung versteuert, aber 30 bis 50 Prozent auf den Eigenbeitrag bekommst du sonst nirgends geschenkt.
- Steuerfreies Wachstum über Jahrzehnte. Im normalen Depot zahlst du auf Gewinne und Prämien jedes Jahr Abgeltungsteuer. Im Altersvorsorgedepot wird erst bei der Auszahlung besteuert. Über 20 oder 30 Jahre macht dieser Zinseszins-Effekt viel aus.
- Es ist vor dir selbst geschützt. Wer handelt, kennt die Versuchung, Kapital für den nächsten Trade „auszuleihen“. Geld, das bis zur Rente gebunden ist, steht dafür nicht zur Verfügung.
Ein naheliegender Weg: Einen festen Teil der monatlichen Prämieneinnahmen per Sparplan ins Altersvorsorgedepot leiten. 150 Euro im Monat reichen, um die volle Grundzulage von 540 Euro mitzunehmen.
Was nicht hineingehört: Kapital, das du als Sicherheit für Short-Optionen brauchst, und Geld, auf das du vor der Rente zugreifen musst. Die Margin-Anforderungen bei deinem Broker bleiben davon unberührt, denn das Altersvorsorgedepot liegt getrennt und zählt nicht als Sicherheit.
Die Haken: Bindung und Besteuerung
Bevor du einzahlst, solltest du die Nachteile kennen:
- Lange Bindung: Die Auszahlung beginnt frühestens zwischen 65 und 70. Wer vorher kündigt und Geld entnimmt, muss mit der Rückzahlung der Förderung rechnen. Bei einem Umzug außerhalb des EWR gilt das ebenfalls.
- Kein freier Zugriff auf alles: Bei Rentenbeginn kannst du bis zu 30 Prozent auf einmal entnehmen. Der Rest kommt als Auszahlplan bis mindestens zum 85. Lebensjahr oder als lebenslange Rente.
- Nachgelagerte Besteuerung: Auszahlungen aus geförderten Beiträgen versteuerst du voll mit deinem persönlichen Steuersatz. Wer im Alter einen niedrigeren Steuersatz hat als heute, profitiert. Wer im Ruhestand hohe Einkünfte hat, profitiert weniger. Für ungeförderte Einzahlungen gelten günstigere Regeln, die von Auszahlungsform und Laufzeit abhängen.
- Wechselkosten: In den ersten fünf Jahren darf der bisherige Anbieter für einen Wechsel bis zu 150 Euro verlangen, danach ist der Wechsel kostenlos.
Welcher Anbieter?
Der Preiskampf läuft bereits, und das ist gut für dich. Ich habe selbst Depots bei mehreren Anbietern, unter anderem bei Trade Republic und Scalable Capital. Beide haben ihre Konditionen für das Altersvorsorgedepot schon angekündigt:
| Trade Republic | Scalable Capital | |
|---|---|---|
| Depotgebühr | keine | keine |
| Sparpläne | kostenlos | kostenlos |
| ETF-Kosten | mehrere Dutzend ETFs von BlackRock, DWS und Vanguard ohne Produktkosten | ausgewählte ETFs 2027 ohne laufende Kosten, danach laut Anbieter höchstens 0,15 % |
| Selbst auswählen | ja | ja, im FREE-Modell 0,99 € pro Order, mit PRIME+ ohne Orderkosten |
Stand: Oktober 2026, laut Angaben der Anbieter. Die vollständigen Vertragsbedingungen lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor.
Auch andere wie Smartbroker+, flatexDEGIRO, Deka, DWS oder Union Investment sind dabei. Bei den Fondsgesellschaften liegen die Kosten teils deutlich höher. Für einen schlichten ETF-Sparplan spricht wenig dafür, mehr zu zahlen.
Konto bei Trade Republic eröffnen · Konto bei Scalable Capital eröffnen
Keine Hektik zum Start
Du musst am 2. Januar 2027 nichts abgeschlossen haben. Laut Stiftung Warentest kannst du die Förderung für 2027 auch noch im Dezember 2027 rückwirkend mitnehmen. Es lohnt sich, die ersten Vertragsunterlagen und Tests abzuwarten.
Was du schon jetzt tun kannst:
- Prüfen, ob du förderberechtigt bist. Neu dabei sind auch Selbstständige.
- Festlegen, welcher Betrag im Monat dauerhaft und ohne Druck möglich ist. 30 oder 150 Euro sind die beiden sinnvollen Schwellen.
- Wenn du einen Riester-Vertrag hast: Prüfen, ob sich ein Wechsel lohnt. Bestehende Verträge können weiterlaufen, ruhen oder ins neue System wechseln.
Fazit
Das Altersvorsorgedepot ist kein Werkzeug für Trader. Optionen, Einzelaktien und flexible Umschichtungen gibt es dort nicht. Gerade deshalb ist es eine gute Ergänzung: Eine Förderquote von 30 bis 50 Prozent auf den Eigenbeitrag ohne Marktrisiko bekommst du nirgendwo sonst, und das Depot wächst bis zur Rente steuerfrei.
Mein Ansatz: Das Altersvorsorgedepot als Fundament unter dem Handelsdepot behandeln, nicht als Teil davon. Die volle Grundzulage mit 150 Euro im Monat mitnehmen, einen breiten ETF wählen und das Depot dann in Ruhe lassen. Das Handeln findet woanders statt.
Häufige Fragen
Kann ich im Altersvorsorgedepot Optionen handeln?
Nein. Erlaubt sind im Kern ETFs und Fonds. Einzelaktien, Zertifikate und Hebelprodukte sind ausgeschlossen, damit auch Strategien wie Covered Call oder Cash-Secured Put. Dafür brauchst du weiterhin ein normales Depot.
Lohnt sich das Altersvorsorgedepot auch für Selbstständige?
Selbstständige sind erstmals förderberechtigt. Für sie gelten dieselben Zulagen wie für Angestellte, also bis zu 540 Euro im Jahr plus Kinderzulage.
Was passiert mit meinem Riester-Vertrag?
Bestehende Verträge können unverändert weiterlaufen oder ruhen. Ein Wechsel ins Altersvorsorgedepot ist möglich, ohne dass du die bisher erhaltene Förderung zurückzahlen musst.
Kann ich mehr als 1.800 Euro im Jahr einzahlen?
Ja, bis zu 6.840 Euro pro Vertrag und in bis zu zwei Verträgen. Gefördert werden aber nur 1.800 Euro. Der Rest wächst in der Ansparphase trotzdem steuerfrei.
Wann komme ich an das Geld?
Die Auszahlung beginnt zwischen 65 und 70. Dann kannst du bis zu 30 Prozent auf einmal entnehmen, der Rest wird als Auszahlplan bis mindestens 85 oder als lebenslange Rente gezahlt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Bildung und ist keine Anlage- oder Steuerberatung. Die Regeln zum Altersvorsorgedepot sind beschlossen, Details der Anbieter können sich bis zum Start noch ändern. Prüfe vor dem Abschluss die aktuellen Vertragsbedingungen.
Quellen: Stiftung Warentest: Preiskampf ums Altersvorsorgedepot · Stiftung Warentest: Scalable-Altersvorsorgedepot · Börsen-Zeitung: Trade Republic · GDV: Altersvorsorgereform · Vermögenszentrum: Auszahlphase
