Transparenz: Links zu Unusual Whales sind Affiliate-Links. Wenn du darüber ein Abo abschließt, erhalte ich eine Provision. Für dich ändert sich am Preis nichts.
Unusual Whales ist vor allem für seinen Options-Flow bekannt. Für Stillhalter steckt der größere Nutzen woanders: in der Earnings-Historie, der Saisonalität und den Analystendaten. Diese drei Bereiche helfen dir, einen Basiswert vor dem Verkauf einer Option sauber zu prüfen.
Die Oberfläche ist komplett auf Englisch und auf den ersten Blick überladen. In dieser Anleitung zeige ich dir die fünf Bereiche, mit denen du als Einsteiger anfangen solltest, und wie ich sie vor einem Trade nutze.
Kurz gesagt:
- Für Stillhalter ist die Earnings-Seite der wertvollste Bereich.
- Für den Einstieg reicht oft der kostenlose Account, da er alle Daten mit zwei Handelstagen Verzögerung zeigt.
- Options-Flow ist spannend, aber für Einsteiger der schwierigste Teil. Er ist ein Hinweis, kein Signal.
Was ist Unusual Whales und was kostet es?
Unusual Whales ist eine US-Plattform für Options- und Aktiendaten. Sie bündelt Options-Flow, Earnings, Analystenbewertungen, Saisonalität, Dark-Pool-Daten und Insider-Käufe auf einer Seite pro Aktie. Abgedeckt sind nur US-Werte, also genau die Aktien und ETFs, auf die du als Optionshändler meist schreibst.
| Abo | Monatlich | Bei Jahreszahlung | Wichtigster Unterschied |
|---|---|---|---|
| Free | 0 USD | 0 USD | Alle Daten 2 Handelstage verzögert |
| Retail Basic | 50 USD | 42 USD/Monat | Echtzeit-Flow, 25 Alerts, 5 Watchlists |
| Retail Pro | 75 USD | 63 USD/Monat | Unbegrenzte Alerts, Watchlists und Filter |
| Retail Max | 120 USD | 102 USD/Monat | Zusätzlich GEX im Minutentakt |
Preise laut Unusual Whales, Stand Oktober 2026.
Mein Tipp für den Start: Leg dir zuerst den kostenlosen Account an. Earnings-Historie, Saisonalität und Analysten-Ratings ändern sich nicht minütlich, die Verzögerung stört dort kaum. Ein bezahltes Abo lohnt sich erst, wenn du den Live-Flow oder eigene Alerts wirklich nutzt.
Meine Einordnung: Unusual Whales ist eines von mehreren Tools, die ich nutze, und das komplexeste davon. Es braucht die meiste Einarbeitungszeit. Dafür habe ich Chart, Analysten, Fundamentaldaten und Optionsdaten auf einen Blick.
Schritt 1: Die Ticker-Übersicht lesen
Gib oben in die Suche ein Tickersymbol ein, zum Beispiel AAPL. Du landest auf der Übersicht (Overview) der Aktie. Für Stillhalter zählen hier vier Dinge.
| Bereich | Was du siehst | Wofür du es nutzt |
|---|---|---|
| Kopfzeile | Kurs, Marktkapitalisierung, KGV, Earnings-Datum | Liegen Earnings in deiner Laufzeit? |
| Upcoming Catalysts | Nächste Termine mit erwarteter Bewegung (bei AAPL: ±4,8 % zu den Earnings am 2.11.) | Wie weit der Markt den Kurs schwanken sieht |
| Key Stats | Put/Call-Ratio, 52-Wochen-Spanne, Options-Volumen im Vergleich | Grobe Stimmung und Kursbereich |
| Historical Data (Tabelle unten) | Täglich u. a. IVR, implizite und historische Volatilität | Ist die Prämie gerade hoch oder niedrig? |
Der wichtigste Wert für Stillhalter ist der IVR (IV-Rang). Er zeigt, wo die aktuelle implizite Volatilität im Vergleich zum letzten Jahr steht. Ein hoher IVR bedeutet höhere Prämien, ein niedriger IVR magere Prämien. Bei AAPL lag er am 15.10.2026 bei 55, also im mittleren Bereich.
Noch übersichtlicher zeigt das der Reiter Volatility. Oben stehen IV Rank, implizite Volatilität und ihre 52-Wochen-Spanne. Darunter wählst du eine Laufzeit, zum Beispiel ~30 Tage.
Für Stillhalter ist hier ein Hinweis Gold wert: Bei AAPL zeigt die 30-Tage-Laufzeit (Verfall 13.11.2026) den Vermerk „Earnings inside“ und einen Implied Move von ±5,2 %. Du siehst also sofort, dass die Quartalszahlen in deine Laufzeit fallen und die Prämie deshalb höher ist.
Die Begriffe rund um die Volatilität erkläre ich ausführlich in Volatilität & Pricing.
Schritt 2: Die Earnings-Seite – der wichtigste Bereich für Stillhalter
Die Earnings-Seite zeigt dir, wie sich eine Aktie bei früheren Quartalszahlen verhalten hat. Für Verkäufer von Optionen ist das die wichtigste Frage überhaupt: Earnings sind der Moment, in dem ein ruhiger Trade über Nacht zum Verlust werden kann. Du erreichst die Seite über den Reiter Earnings auf der Ticker-Seite.
Earnings trade setup
Oben links siehst du drei Angaben auf einen Blick:
- Next earnings: Termin und Zeitpunkt (premarket = vor Börseneröffnung, postmarket = nach Börsenschluss).
- Implied move: Die Bewegung, die der Optionsmarkt einpreist. Bei AAPL waren es ±4,8 %.
- Historical edge: Ob sich in der Vergangenheit eher das Verkaufen oder das Kaufen von Prämie gelohnt hat.
Das Balkendiagramm darunter zeigt, was ein verkaufter At-the-Money-Straddle über die letzten acht Earnings gebracht hätte. Bei AAPL: 7 von 8 Mal ein Gewinn, im Schnitt +34 %. Der achte Balken ist aber ein Verlust von rund 100 %. Genau das ist die Lektion: Viele kleine Gewinne können durch einen einzigen Ausreißer aufgefressen werden. Earnings-Trades gehören deshalb nur mit begrenztem Risiko ins Depot, etwa als Iron Condor statt als nackter Straddle.
Expected vs Actual Move
Dieses Diagramm ist für mich das nützlichste auf der ganzen Seite. Jeder graue Balken zeigt die erwartete Spanne eines Quartals, der Punkt die tatsächliche Bewegung nach den Zahlen.
- Grüner Punkt im Balken: Die Aktie blieb innerhalb der Erwartung. Gut für Stillhalter.
- Rotes Kreuz außerhalb: Die Aktie hat die Erwartung überschritten.
Bei AAPL lagen von acht Quartalen sechs innerhalb der Spanne und zwei außerhalb, eines davon deutlich mit rund –7 %. Wenn du einen Put verkaufst, siehst du hier, ob ein Strike knapp außerhalb des Implied Move historisch sicher genug war.
Mein Umgang mit Earnings: Über Earnings handle ich nur ab und zu, und dann mit begrenztem Risiko. Das heißt: über Spreads, mit einem Short Put auf eine Aktie, die ich ohnehin haben möchte, oder mit einem Short Call auf eine Aktie, die ich bereits besitze.
Schritt 3: Saisonalität – Rückenwind oder Gegenwind?
Der Reiter Seasonality zeigt, wie sich eine Aktie in jedem Kalendermonat der letzten Jahre entwickelt hat. Das beantwortet die Frage, ob dein Trade-Zeitraum historisch eher stark oder schwach war.
- Die Tabelle oben: Jede Zeile ist ein Jahr, jede Spalte ein Monat. Grün heißt Monatsgewinn, Rot Monatsverlust.
- Weiter unten auf der Seite: Die durchschnittliche Rendite je Monat über alle Jahre. Bei AAPL war der Juli mit +6,3 % der stärkste Monat, der September mit –1,1 % einer der schwächsten.
- Die Linie in der Mitte: Der aktuelle Jahresverlauf im Vergleich zum Durchschnitt.
So nutzt du das als Stillhalter: Verkaufst du einen Put mit 30 bis 45 Tagen Laufzeit, schaust du auf die Monate, die in diesen Zeitraum fallen. Ist er historisch schwach, wählst du den Strike vorsichtiger oder wartest ab.
Wichtig: Saisonalität ist ein Durchschnitt über rund 19 Jahre, also nur 19 Werte pro Monat. Ein einzelnes Ausreißerjahr verschiebt das Bild stark. Nutze sie als Rückenwind-Check, nie als alleinigen Grund für einen Trade.
Für mich gilt: Saisonalität ist eine Bestätigung, aber kein Muss für einen Trade.
Schritt 4: Analysten – Stimmung und Kursziele
Unter Analysts siehst du, wie Banken und Research-Häuser die Aktie bewerten. Die Kopfzeile fasst alles zusammen.
| Angabe | AAPL am 15.10.2026 | Bedeutung |
|---|---|---|
| Konsens | Buy (4,12 von 5), 25 Häuser | Gesamturteil der letzten 12 Monate |
| Verteilung | 17 Buy, 5 Hold, 3 Sell | Wie einig sich die Analysten sind |
| Kursziel im Schnitt | 328,55 USD (–3,6 %) | Mittleres Kursziel gegenüber dem aktuellen Kurs |
| Spanne | 245 bis 400 USD | Niedrigstes und höchstes Kursziel |
| Letzte 90 Tage | 0 Upgrades, 2 Downgrades | Ob sich die Stimmung gerade dreht |
Das Beispiel zeigt eine typische Falle: Das Urteil lautet „Buy“, das durchschnittliche Kursziel liegt aber unter dem aktuellen Kurs. Die Aktie ist den Kurszielen also schon davongelaufen. Dazu kommen zwei frische Downgrades.
So nutzt du das als Stillhalter: Kursziele sind keine Prognose, auf die du dich verlassen solltest. Nützlich sind sie als Stimmungsbild. Eine Häufung von Downgrades kurz vor deinem Trade ist ein Warnsignal, besonders wenn du einen Put auf die Aktie schreiben und sie notfalls übernehmen willst.
Darunter findest du ein Diagramm mit allen Kurszielen im Zeitverlauf und eine Tabelle mit jeder einzelnen Bewertung, inklusive Name des Hauses und des Analysten.
Insider-Käufe und -Verkäufe
Auf der Übersichtsseite findest du außerdem das Diagramm Insiders. Es zeigt, wann Vorstände und Großaktionäre Aktien gekauft (grün) oder verkauft (rot) haben, zusammen mit dem Kursverlauf.
Bei AAPL überwiegen im letzten Jahr klar die Verkäufe. Das ist bei großen Konzernen normal, weil Manager einen Teil ihrer Vergütung in Aktien erhalten und regelmäßig verkaufen. Auffällig wird es erst, wenn sich Verkäufe ungewöhnlich häufen oder mehrere Insider gleichzeitig kaufen. Insider-Käufe sind das deutlich stärkere Signal.
Schritt 5: Den Options-Flow lesen
Der Options-Flow ist das Aushängeschild von Unusual Whales. Er zeigt einzelne Options-Orders in Echtzeit, die auffällig groß oder ungewöhnlich sind. Die Idee: Große Marktteilnehmer hinterlassen Spuren, bevor sich der Kurs bewegt.
Für den Einstieg empfehle ich aber nicht den Live-Feed mit einzelnen Orders, sondern die Tagesübersicht des Flows. Jede Zeile ist ein Handelstag, und du siehst auf einen Blick, ob mehr Calls oder mehr Puts gehandelt wurden. Diese Spalten reichen für den Anfang:
| Spalte | Bedeutung | Worauf du achtest |
|---|---|---|
| P/C | Put-Volumen geteilt durch Call-Volumen | Unter 1 = mehr Calls, über 1 = mehr Puts |
| Call Vol. / Put Vol. | Gehandelte Kontrakte des Tages | Ausreißer gegenüber den Vortagen |
| Bear/Bull Prem | Anteil der Prämie, die als bärisch bzw. bullisch eingestuft wird | Kippt das Verhältnis über mehrere Tage? |
| Call OI / Put OI | Offene Kontrakte | Wächst das Put-OI, bauen Marktteilnehmer Absicherungen oder Wetten auf fallende Kurse auf |
| Call Prem / Put Prem | Gezahlte Prämie in USD | Wohin das große Geld fließt |
Ein Beispiel: Am 10.09.2026 wurden bei AAPL fast dreimal so viele Calls wie Puts gehandelt (P/C 0,35), die Aktie stieg an dem Tag um 3,1 %. An den meisten anderen Tagen lag die P/C-Ratio zwischen 0,5 und 0,9. Solche Ausreißer fallen in der Tagesübersicht sofort auf.
So nutzt du das als Stillhalter: Schau dir vor einem verkauften Put die letzten zwei bis drei Wochen an. Steigt die P/C-Ratio deutlich und wächst gleichzeitig das Put-OI, lohnt ein vorsichtigerer Strike. Den Live-Feed mit einzelnen Orders nimmst du dir erst vor, wenn dir die Tagesübersicht vertraut ist.
Die größte Falle: Du siehst nie, warum jemand eine Order platziert. Ein großer Put-Kauf kann eine Wette auf fallende Kurse sein, aber genauso gut die Absicherung eines Aktiendepots. Viele Orders sind außerdem nur ein Teil eines Spreads. Flow ist deshalb ein Hinweis, der eine eigene Analyse ergänzt, nie ein Kaufsignal.
Praxis: Der 5-Minuten-Check vor einem Cash-Secured Put
So verbindest du die fünf Bereiche zu einer Routine, bevor du einen Cash-Secured Put verkaufst:
- Übersicht: Liegt das Earnings-Datum innerhalb meiner Laufzeit? Wie hoch ist der IVR?
- Earnings: Falls ja: Wie groß ist der Implied Move, und wie oft hat die Aktie ihn in den letzten acht Quartalen überschritten? Liegt mein Strike außerhalb dieser Spanne?
- Saisonalität: Sind die Monate meiner Laufzeit historisch eher stark oder schwach?
- Analysten: Gab es in den letzten 90 Tagen eine Häufung von Downgrades?
- Flow: Ist die P/C-Ratio in den letzten Tagen deutlich gestiegen, und wächst das Put-OI? Wenn ja, schaue ich genauer hin.
Ergeben die Punkte ein stimmiges Bild, prüfe ich den Trade im nächsten Schritt mit dem Payoff-Visualizer und lege die Größe mit dem Positionsgrößen-Rechner fest.
Aus meiner Praxis: Ich hatte schon ein richtig gutes Setup gefunden und dann beim Check gesehen, dass Earnings anstehen. Den Trade habe ich verworfen. Genau dafür ist die Routine da.
Grenzen und typische Anfängerfehler
- Flow blind folgen: Eine große Order ist kein Insiderwissen. Ohne eigene Analyse kopierst du nur eine Wette, deren Hintergrund du nicht kennst.
- Zu viele Bereiche auf einmal: Unusual Whales hat Dutzende Ansichten. Starte mit Übersicht und Earnings und nimm weitere erst dazu, wenn du sie wirklich brauchst.
- Vergangenheit als Garantie lesen: Earnings-Historie und Saisonalität zeigen, was war. Sie sagen nichts darüber, was beim nächsten Mal passiert.
- Nur US-Werte: Deutsche und europäische Aktien deckt Unusual Whales nicht ab.
- Englische Oberfläche: Eine deutsche Version gibt es nicht. Mit den Begriffen aus dieser Anleitung kommst du für den Einstieg aber gut zurecht.
Häufige Fragen
Ist Unusual Whales kostenlos?
Ja, es gibt einen kostenlosen Account. Er zeigt die gesamte Plattform, allerdings mit zwei Handelstagen Verzögerung. Echtzeit-Daten gibt es ab 42 USD im Monat bei Jahreszahlung.
Gibt es Unusual Whales auf Deutsch?
Nein, die Oberfläche ist nur auf Englisch. Diese Anleitung erklärt die wichtigsten Begriffe auf Deutsch.
Lohnt sich Unusual Whales für Stillhalter?
Ja, vor allem wegen der Earnings-Seite. Sie zeigt, wie zuverlässig eine Aktie in der Vergangenheit innerhalb ihrer erwarteten Bewegung geblieben ist. Das hilft direkt bei der Wahl des Strikes.
Kann ich mit Unusual Whales handeln?
Nein, Unusual Whales ist ein reines Analyse-Tool. Deine Orders platzierst du weiter bei deinem Broker. Welche Broker sich für Optionen eignen, zeigt mein Broker-Vergleich.
Fazit
Unusual Whales wirkt auf den ersten Blick wie ein Werkzeug für Flow-Jäger. Für Stillhalter liegt der eigentliche Wert in der Earnings-Historie, der Saisonalität und den Analystendaten. Wer diese drei Bereiche vor jedem Trade kurz prüft, verkauft Optionen mit deutlich mehr Kontext.
Starte mit dem kostenlosen Account, arbeite den 5-Minuten-Check an zwei, drei Aktien durch, die du kennst, und entscheide dann, ob sich ein Abo für dich lohnt.
Für den Basiswert selbst, also Chart und Fundamentaldaten, nutze ich zusätzlich Kavout. Wie ich daraus in wenigen Minuten einen Technik- und Fundamental-Check mache und Strike-Kandidaten ableite, zeigt meine Kavout-Anleitung auf Deutsch.
Wenn du den Strike danach visuell prüfen willst, hilft dir meine OptionStrat-Anleitung auf Deutsch. Neue Analysen wie die wöchentliche Marktampel teile ich auf X unter @optionsandmore.
Keine Anlageberatung. Optionen sind mit erheblichen Risiken verbunden, Verluste können den Prämieneingang deutlich übersteigen.