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Call-Option erklärt: Kaufen, Verkaufen und Stillhalten

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Was ist eine Call-Option?

Eine Call-Option gibt dem Käufer das Recht — aber nicht die Pflicht — eine Aktie zu einem festgelegten Preis (dem Strike) innerhalb einer bestimmten Zeitspanne zu kaufen. Für dieses Recht zahlt der Käufer eine Prämie an den Verkäufer (den Stillhalter).

Stell dir vor, du möchtest ein Haus kaufen, bist dir aber noch nicht sicher. Du zahlst dem Verkäufer 5.000 Euro für die Option, das Haus innerhalb von 6 Monaten für 300.000 Euro zu kaufen. Steigt der Hauswert auf 350.000 Euro, nutzt du dein Recht und sparst 50.000 Euro (abzüglich der 5.000 Euro Prämie). Fällt der Wert, lässt du die Option verfallen — du verlierst nur die 5.000 Euro Prämie.

Genau so funktioniert eine Call-Option an der Börse — nur mit Aktien statt mit Häusern und in standardisierten Kontrakten zu je 100 Aktien.

Long Call: Auf steigende Kurse setzen

Wie funktioniert ein Long Call?

Wenn du eine Call-Option kaufst (Long Call), wettest du darauf, dass der Kurs der Aktie über den Strike-Preis steigt. Dein maximaler Verlust ist auf die gezahlte Prämie begrenzt — mehr kannst du nicht verlieren. Dein Gewinnpotenzial ist theoretisch unbegrenzt.

Beispiel: Apple steht bei 200 Dollar. Du kaufst einen Call mit Strike 210 und 30 Tagen Laufzeit für 4 Dollar (400 Dollar pro Kontrakt). Dein Break-Even liegt bei 214 Dollar (Strike plus Prämie). Steigt Apple auf 230 Dollar, ist dein Call 20 Dollar wert — ein Gewinn von 16 Dollar oder 1.600 Dollar pro Kontrakt, also 400 Prozent Rendite.

Wann macht ein Long Call Sinn?

Ein Long Call ist geeignet, wenn du eine klare bullische Meinung hast und die implizite Volatilität niedrig ist. Kaufe Calls bei niedriger IV, damit du nicht zu viel Zeitwert zahlst. Beachte: Der Zeitwertverfall arbeitet gegen dich — deine Option verliert jeden Tag an Wert, selbst wenn der Kurs stabil bleibt.

Short Call: Als Stillhalter Prämie kassieren

Covered Call — die sichere Variante

Beim Covered Call besitzt du bereits 100 Aktien und verkaufst darauf eine Call-Option. Du kassierst die Prämie als Einkommen. Wenn die Aktie unter dem Strike bleibt, behältst du sowohl die Aktien als auch die Prämie. Steigt sie über den Strike, musst du die Aktien zum Strike-Preis abgeben — verpasst also weiteres Aufwärtspotenzial.

Beispiel: Du besitzt 100 Apple-Aktien bei 200 Dollar. Du verkaufst einen Call mit Strike 210 für 3 Dollar (300 Dollar Prämie). Bleibt Apple unter 210, behältst du alles. Steigt Apple auf 230, werden deine Aktien bei 210 abgerufen — du machst 10 Dollar Kursgewinn plus 3 Dollar Prämie = 13 Dollar pro Aktie.

Naked Call — hohes Risiko

Ein Naked (oder ungedeckter) Call ist der Verkauf einer Call-Option ohne die zugehörigen Aktien zu besitzen. Das Risiko ist theoretisch unbegrenzt, weil eine Aktie theoretisch unendlich steigen kann. Diese Strategie ist nur für erfahrene Trader geeignet und wird von den meisten Brokern erst ab einem fortgeschrittenen Options-Level freigeschaltet.

Die Greeks bei Call-Optionen

Delta zeigt dir, wie stark sich der Call-Preis ändert, wenn die Aktie um 1 Dollar steigt. Ein Call am Geld (At-the-Money) hat ein Delta von etwa 0,50 — er bewegt sich also halb so stark wie die Aktie. Tief im Geld liegende Calls haben ein Delta nahe 1,00.

Theta ist der tägliche Zeitwertverfall. Als Call-Käufer verlierst du durch Theta, als Verkäufer profitierst du davon. Das ist der Kern des Stillhalter-Geschäftsmodells.

Vega misst die Empfindlichkeit gegenüber Veränderungen der impliziten Volatilität. Steigende IV erhöht den Call-Preis — gut für Käufer, schlecht für Verkäufer.

Häufige Fehler bei Call-Optionen

Fehler 1 — Zu kurze Laufzeit: Anfänger kaufen oft günstige Calls mit nur 1 bis 2 Wochen Laufzeit. Diese Optionen haben ein extremes Theta-Risiko und verfallen fast immer wertlos.

Fehler 2 — IV nicht beachten: Einen Call bei hoher impliziter Volatilität zu kaufen ist wie eine Versicherung im Hurrikan abzuschließen — extrem teuer. Prüfe immer den IV-Rank, bevor du eine Position eingehst.

Fehler 3 — Strike zu weit entfernt: Ein Call mit einem Strike weit über dem aktuellen Kurs kostet wenig, hat aber auch nur eine geringe Gewinnwahrscheinlichkeit. Wähle Strikes mit einem Delta zwischen 0,30 und 0,50 für ein gutes Verhältnis aus Kosten und Gewinnchance.

Fazit

Die Call-Option ist eines der grundlegenden Werkzeuge im Optionshandel. Als Käufer nutzt du sie für gehebelte Wetten auf steigende Kurse, als Verkäufer (Stillhalter) generierst du damit regelmäßiges Einkommen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt im Verständnis der Optionsgrundlagen, der Greeks und eines soliden Risikomanagements.

Einsteiger-Pfad

Artikel 5 von 14 — Von Null zum ersten Trade

Häufig gestellte Fragen

Was passiert mit meinem Call bei Verfall?
Liegt der Kurs über dem Strike, wird der Call automatisch ausgeübt — du kaufst 100 Aktien zum Strike-Preis. Liegt der Kurs unter dem Strike, verfällt der Call wertlos und du verlierst die gezahlte Prämie.
Ist ein Long Call riskanter als Aktien kaufen?
Dein absoluter Verlust ist beim Long Call geringer (nur die Prämie statt dem vollen Aktienwert). Allerdings verlierst du die Prämie häufiger, weil der Zeitwertverfall gegen dich arbeitet. Prozentual kannst du also schneller 100 Prozent deines Einsatzes verlieren.
Welchen Strike sollte ich für einen Long Call wählen?
Für einen Long Call empfiehlt sich ein Delta zwischen 0,30 und 0,50. Das bietet ein gutes Verhältnis zwischen Kosten und Gewinnwahrscheinlichkeit. At-the-Money-Calls (Delta ~0,50) sind teurer, aber haben die höchste Gewinnchance.
Daniel

Geschrieben von

Daniel

Aktiver Optionshändler und Gründer der Optionen-Akademie. Daniel ist seit 1998 an der Börse aktiv und handelt seit 2020 erfolgreich mit Optionen — mit mehreren tausend Trades und bisher keinem Verlustjahr. Seine Expertise basiert auf renommierten Ausbildungen mit Zertifikat, sowohl national als auch international. Seine Mission: Menschen mit größtenteils kostenlosem Content das Wissen vermitteln, das sie brauchen, um ein finanziell freies Leben zu führen.