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Der VIX erklärt: Was dir der Angst-Index über den Markt verrät

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Was ist der VIX?

Der VIX — offiziell der CBOE Volatility Index — misst die erwartete Schwankungsbreite des S&P 500 für die nächsten 30 Tage. Er wird oft als Angst-Index oder Angst-Barometer bezeichnet, weil er steigt, wenn Anleger nervös werden, und fällt, wenn Ruhe herrscht.

Stell dir den VIX als Fieberthermometer der Börse vor: Ein Wert von 15 bedeutet, dass der Patient gesund ist. Bei 25 hat er leichtes Fieber. Bei 40 oder mehr liegt er mit Schüttelfrost im Bett. Für Stillhalter ist der VIX das vielleicht wichtigste Instrument, um zu entscheiden, wann und wie aggressiv sie handeln sollten.

Wie wird der VIX berechnet?

Der VIX basiert auf den Preisen von S&P 500 Optionen — genauer gesagt auf der impliziten Volatilität von Puts und Calls mit verschiedenen Strikes und etwa 30 Tagen Laufzeit. Wenn diese Optionen teurer werden, steigt der VIX. Wenn sie billiger werden, fällt er.

In der Praxis musst du die komplexe Formel nicht kennen. Wichtig ist: Der VIX spiegelt wider, wie viel Anleger bereit sind, für Absicherung (Puts) zu zahlen. Je mehr Angst, desto teurer die Puts, desto höher der VIX.

VIX in annualisierter Volatilität

Der VIX wird als annualisierte Prozentangabe ausgedrückt. Ein VIX von 20 bedeutet: Der Markt erwartet, dass der S&P 500 in den nächsten 12 Monaten um etwa 20 Prozent schwanken wird. Um die erwartete Monatsschwankung zu berechnen, teile den VIX durch die Wurzel aus 12: 20 / 3,46 ≈ 5,8 Prozent pro Monat.

Was bedeuten verschiedene VIX-Stände?

VIX unter 15 — Extreme Ruhe: Der Markt ist entspannt, Optionen sind günstig. Als Stillhalter nimmst du weniger Prämie ein, aber die Wahrscheinlichkeit, dass der Markt ruhig bleibt, ist hoch. Gut für konservative Strategien wie Cash Secured Puts auf Blue Chips.

VIX 15 bis 20 — Normal: Der historische Durchschnitt liegt bei etwa 17 bis 18. Optionen sind fair bewertet. Standard-Strategien funktionieren gut: Iron Condors, Credit Spreads, Wheel-Strategie.

VIX 20 bis 30 — Erhöhte Nervosität: Der Markt ist unruhig. Optionsprämien sind überdurchschnittlich hoch — ideal für Stillhalter, die jetzt besonders gut bezahlt werden. Allerdings steigt auch das Risiko größerer Kursbewegungen. Breite Strikes wählen und Emotionen kontrollieren.

VIX über 30 — Panik: Historisch selten, aber äußerst profitabel für erfahrene Stillhalter. Im COVID-Crash 2020 erreichte der VIX 82. Optionen waren extrem teuer, und wer in dieser Phase Prämien verkaufte, konnte außergewöhnliche Renditen erzielen — sofern er das Risiko managte.

Der VIX als Trading-Signal

Für Stillhalter: Wann mehr, wann weniger verkaufen?

Die grundlegende Logik: Bei hohem VIX sind Optionsprämien fett — du bekommst mehr Geld für das gleiche Risiko. Bei niedrigem VIX sind Prämien mager. Viele erfahrene Stillhalter passen ihre Positionsgrößen dem VIX an:

VIX unter 15: Reduzierte Positionsgröße, weil die Prämien den Aufwand kaum rechtfertigen. Manche Trader pausieren sogar komplett und warten auf bessere Gelegenheiten — ganz im Sinne der Nicht-Handeln-Strategie.

VIX 20 bis 30: Normale bis leicht erhöhte Positionsgröße. Die Prämien sind attraktiv und das Risiko managebar.

VIX über 30: Erhöhte Positionsgröße, aber nur mit definierten Strategien (Iron Condors, Spreads). Keine undefinierten Positionen wie Naked Puts oder Strangles — ein einzelner Crash-Tag kann dein Konto vernichten.

Mean Reversion: Der VIX kehrt immer zurück

Eine der zuverlässigsten Eigenschaften des VIX ist die Mean Reversion — er kehrt immer zum Durchschnitt zurück. Extreme VIX-Spikes halten selten länger als einige Tage oder Wochen an. Das bedeutet: Wenn der VIX bei 40 steht, ist es statistisch wahrscheinlich, dass er in den nächsten Wochen wieder fällt. Für Stillhalter ist das ein starkes Argument, in Panik-Phasen geduldig zu bleiben und die hohen Prämien zu kassieren.

VIX und die Volatilitäts-Terminkurve

Der VIX selbst ist nicht direkt handelbar — du handelst VIX-Futures oder VIX-Optionen. Dabei ist die Terminkurve (Term Structure) wichtig:

Contango (Normalzustand): VIX-Futures mit längerer Laufzeit sind teurer als der aktuelle VIX. Das bedeutet: Der Markt erwartet in der Zukunft mehr Volatilität als jetzt. Für Stillhalter ein gutes Zeichen — die Ruhe hält an.

Backwardation (Panik): VIX-Futures mit längerer Laufzeit sind billiger als der aktuelle VIX. Der Markt erwartet, dass die aktuelle Panik nachlässt. Das passiert nur in Krisen — und signalisiert oft, dass der Höhepunkt der Angst nahe ist.

VIX vs. IV einzelner Aktien

Der VIX misst die Volatilität des gesamten S&P 500. Einzelne Aktien haben ihre eigene implizite Volatilität, die deutlich vom VIX abweichen kann. Tesla kann eine IV von 50 Prozent haben, während der VIX bei 15 steht.

Für dein Trading-Journal ist es sinnvoll, sowohl den VIX als auch die IV der gehandelten Aktie zu notieren. So entwickelst du über die Zeit ein Gefühl dafür, welche Kombination die besten Trades liefert.

Praxis-Tipps für den VIX

VIX als Filter: Nutze den VIX als Vorfilter für deine Trades. Bevor du einen Trade eingehst, prüfe den VIX-Stand. Das dauert 5 Sekunden und kann dich vor unprofitablen Trades bei niedriger IV schützen.

VIX-Alerts setzen: Setze einen Alert bei VIX 25 und VIX 30. Wenn der VIX diese Marken erreicht, ist es Zeit, deine Prämien-Einnahmen hochzufahren — aber mit definierten Strategien.

Nicht gegen den VIX wetten: Extreme VIX-Spikes (über 40) laden dazu ein, aggressiv zu verkaufen. Aber Vorsicht: Der VIX kann noch höher steigen, bevor er zurückkommt. Skaliere Positionen langsam ein, statt alles auf einen Trade zu setzen.

Fazit

Der VIX ist das wichtigste Marktbarometer für Stillhalter. Er zeigt dir, ob Optionen gerade teuer oder billig sind, und hilft dir, deine Strategie und Positionsgröße anzupassen. Ein Stillhalter, der den VIX versteht, handelt nicht blind — er handelt mit dem Wissen, ob der Markt ihm gerade großzügige oder magere Prämien zahlt.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich den VIX direkt kaufen oder verkaufen?
Nicht direkt. Der VIX ist ein berechneter Index. Du kannst aber VIX-Futures, VIX-Optionen oder VIX-ETFs (wie den VXX) handeln. Diese Produkte sind allerdings komplex und haben eigene Risiken wie Contango-Verluste.
Was war der höchste VIX-Stand aller Zeiten?
Der höchste Schlusskurs des VIX war 82,69 am 16. März 2020 während des COVID-Crashs. Intraday wurde sogar ein Stand über 89 erreicht. Zum Vergleich: In ruhigen Marktphasen liegt der VIX bei 12 bis 15.
Sollte ich bei hohem VIX mehr oder weniger Optionen verkaufen?
Mehr — aber mit Vorsicht. Ein hoher VIX bedeutet fettere Prämien, aber auch größere Risiken. Nutze definierte Strategien wie Iron Condors oder Credit Spreads statt undefinierten Positionen, und skaliere Positionen langsam ein.
Daniel

Geschrieben von

Daniel

Aktiver Optionshändler und Gründer der Optionen-Akademie. Daniel ist seit 1998 an der Börse aktiv und handelt seit 2020 erfolgreich mit Optionen — mit mehreren tausend Trades und bisher keinem Verlustjahr. Seine Expertise basiert auf renommierten Ausbildungen mit Zertifikat, sowohl national als auch international. Seine Mission: Menschen mit größtenteils kostenlosem Content das Wissen vermitteln, das sie brauchen, um ein finanziell freies Leben zu führen.