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GameStop und Optionen: Warum Naked Calls tödlich sind

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Was im Januar 2021 passiert ist

GameStop (GME) war eine angeschlagene Einzelhandelskette, deren Aktie bei 20 Dollar dümpelte. Dann entdeckte eine Online-Community auf Reddit, dass Hedgefonds die Aktie massiv geshortet hatten — und startete einen koordinierten Kaufrausch. Innerhalb weniger Tage schoss die Aktie von 20 auf über 480 Dollar. Ein Anstieg von über 2.300 Prozent.

Für Optionshändler — insbesondere für Verkäufer von Naked Calls — war das eine Katastrophe historischen Ausmaßes. Melvin Capital, ein milliardenschwerer Hedgefonds, verlor 53 Prozent im Januar 2021 allein. Kleinere Trader verloren ihre gesamten Konten.

Warum Naked Calls so gefährlich sind

Ein Naked Call (auch ungedeckter Call) ist der Verkauf einer Call-Option ohne die zugehörigen Aktien zu besitzen. Du kassierst die Prämie und hoffst, dass die Aktie unter dem Strike bleibt. Das Problem: Dein Verlustpotenzial ist theoretisch unbegrenzt, weil eine Aktie theoretisch unendlich steigen kann.

Das GameStop-Szenario: Ein Trader verkauft einen Naked Call auf GME mit Strike 30 für 2 Dollar (200 Dollar Prämie), als die Aktie bei 20 Dollar steht. Klingt nach leichtem Geld — bis die Aktie auf 480 Dollar steigt. Der Verlust: (480 – 30 – 2) × 100 = 44.800 Dollar. Für 200 Dollar Prämie. Ein Verlust-zu-Gewinn-Verhältnis von 224 zu 1.

Der Gamma-Squeeze: Warum es so extrem wurde

Was GameStop besonders machte, war der Gamma-Squeeze — ein Phänomen, bei dem Optionshändler den Kursanstieg unfreiwillig beschleunigen.

Wenn Market Maker Call-Optionen verkaufen, müssen sie sich absichern, indem sie Aktien kaufen (Delta-Hedging). Je weiter der Kurs steigt, desto mehr Aktien müssen sie kaufen, was den Kurs weiter treibt. Das erhöht wiederum das Delta und zwingt zu weiteren Käufen — eine Aufwärtsspirale, die sich selbst verstärkt.

Bei GameStop kamen drei Kräfte zusammen: Short Seller, die ihre Positionen eindecken mussten (Short Squeeze), Market Maker, die ihre Call-Optionen hedgen mussten (Gamma Squeeze), und Retail-Käufer, die billige Calls kauften und den Gamma-Squeeze weiter anfachten.

Was Stillhalter daraus lernen können

Lehre 1: Definiertes Risiko statt Naked Calls

Die Alternative zum Naked Call ist der Bear Call Spread: Du verkaufst den Call und kaufst gleichzeitig einen höheren Call als Absicherung. Dein Risiko ist begrenzt auf die Breite der Strikes minus die Prämie — egal wie weit die Aktie steigt.

Vergleich: Naked Call auf GME bei Strike 30 → potentiell unbegrenzter Verlust. Bear Call Spread 30/40 → maximaler Verlust 800 Dollar pro Kontrakt. Gleiche Prämie (ungefähr), dramatisch unterschiedliches Risikoprofil.

Lehre 2: Tail Risks sind real

Vor GameStop sagten viele Trader: „So etwas passiert nie.“ Aber an der Börse passiert das Unmögliche regelmäßig. Es gab Volmageddon (Februar 2018), den Flash Crash (Mai 2010), den Corona-Crash (März 2020) und eben GameStop. Wer sein Risikomanagement auf „passiert nie“ aufbaut, wird irgendwann kalt erwischt.

Lehre 3: Short Interest als Warnsignal

GameStop hatte vor dem Squeeze einen Short Interest von über 140 Prozent — mehr Aktien waren geshortet als überhaupt existierten. Das ist ein extremes Warnsignal. Vor dem Verkauf von Calls auf eine Aktie solltest du immer den Short Interest prüfen. Alles über 20 Prozent verdient besondere Vorsicht.

Lehre 4: Meme-Stocks und Small Caps meiden

Als Stillhalter solltest du Aktien wählen, die du wirklich besitzen möchtest — Qualitätsunternehmen mit soliden Fundamentaldaten. GameStop, AMC, Bed Bath & Beyond — das sind keine Stillhalter-Aktien. Sie haben eine dünne Liquidität, extreme Kurssprünge und unberechenbare Dynamiken.

Bleibe bei Blue Chips und großen ETFs (SPY, QQQ, IWM). Die Prämien sind dort zwar kleiner, aber die Überraschungen auch. Das ist der Kern des Stillhalter-Mindsets: Lieber kleine, zuverlässige Einnahmen als das Risiko eines Totalverlustes.

Lehre 5: Broker-Risiken verstehen

Während des GameStop-Squeezes schränkten mehrere Broker den Handel ein — Robinhood erlaubte zeitweise nur den Verkauf, nicht den Kauf von GameStop-Aktien und -Optionen. Für Stillhalter, die ihre Positionen schließen wollten, war das ein Albtraum. Nutze einen professionellen Broker wie Interactive Brokers, der auch in extremen Marktphasen verlässlich funktioniert.

Sichere Alternativen für Call-Verkäufer

Wenn du als Stillhalter Calls verkaufen möchtest, gibt es sichere Alternativen zum Naked Call:

Covered Call: Du besitzt die Aktien und verkaufst Calls darauf. Dein Risiko ist begrenzt, weil du die Aktien bereits hast. Im schlimmsten Fall werden deine Aktien abgerufen — kein zusätzlicher Verlust.

Bear Call Spread: Definiertes Risiko durch den gekauften Call als Absicherung. Die Prämie ist geringer, aber dein Schlaf ist besser.

Poor Man’s Covered Call: Statt Aktien nutzt du einen LEAP als Deckung. Weniger Kapital, ähnlicher Schutz wie beim Covered Call.

Fazit

GameStop war ein Weckruf für jeden Optionshändler. Die Lektion ist klar: Naked Calls sind ein Spiel mit dem Feuer — und das Feuer gewinnt irgendwann. Als Stillhalter bist du nicht darauf angewiesen, unbegrenztes Risiko einzugehen. Credit Spreads, Covered Calls und Iron Condors bieten dir attraktive Prämien bei definiertem Risiko. Lass GameStop eine Warnung sein, nicht eine Erfahrung.

Häufig gestellte Fragen

Kann so etwas wie GameStop wieder passieren?
Ja. Short Squeezes und Meme-Stock-Phänomene sind nicht verschwunden. AMC, Bed Bath & Beyond und andere Aktien haben ähnliche Episoden erlebt. Deswegen gilt: Prüfe immer den Short Interest und vermeide Naked Calls auf volatile Einzelaktien.
Sind Covered Calls auf Meme-Stocks sicher?
Sicherer als Naked Calls, aber nicht risikolos. Bei einem Covered Call werden deine Aktien bei einem Kursexplosion einfach abgerufen — du verpasst den Gewinn darüber, verlierst aber kein Geld. Das echte Risiko liegt auf der Unterseite: Meme-Stocks können genauso schnell fallen wie sie gestiegen sind.
Wie erkenne ich Aktien mit hohem Short-Squeeze-Risiko?
Achte auf drei Warnsignale: Short Interest über 20 Prozent, hohe Social-Media-Aktivität (Reddit, Twitter) und geringe Marktkapitalisierung. Solche Aktien eignen sich nicht für Stillhalter-Strategien. Bleibe bei liquiden Blue Chips mit niedrigem Short Interest.
Daniel

Geschrieben von

Daniel

Aktiver Optionshändler und Gründer der Optionen-Akademie. Daniel ist seit 1998 an der Börse aktiv und handelt seit 2020 erfolgreich mit Optionen — mit mehreren tausend Trades und bisher keinem Verlustjahr. Seine Expertise basiert auf renommierten Ausbildungen mit Zertifikat, sowohl national als auch international. Seine Mission: Menschen mit größtenteils kostenlosem Content das Wissen vermitteln, das sie brauchen, um ein finanziell freies Leben zu führen.