Was ist ein Short Strangle?
Ein Short Strangle ist eine neutrale Optionsstrategie, die darauf ausgelegt ist, von geringer Volatilität und seitwärts tendierenden Märkten zu profitieren. Bei dieser Strategie verkauft der Trader gleichzeitig eine Call-Option und eine Put-Option mit unterschiedlichen Ausübungspreisen, aber demselben Verfallsdatum.
Der Short Strangle gehört zu den Premium-Vereinnahmungsstrategien und eignet sich besonders für erfahrene Optionshändler, die von einer stabilen Kursentwicklung des Basiswerts ausgehen.
Aufbau eines Short Strangle
Die Konstruktion eines Short Strangle erfolgt durch:
- Verkauf einer Call-Option mit einem Ausübungspreis oberhalb des aktuellen Kurses (Out-of-the-Money)
- Verkauf einer Put-Option mit einem Ausübungspreis unterhalb des aktuellen Kurses (Out-of-the-Money)
- Beide Optionen haben das gleiche Verfallsdatum
Durch den Verkauf beider Optionen erhält der Trader eine Nettoprämie, die seinen maximalen Gewinn darstellt. Diese Prämie ist der Grund, warum viele Trader den Short Strangle als attraktive Einkommensstrategie betrachten.
Beispiel für einen Short Strangle
Angenommen, die ABC-Aktie notiert bei 100 Euro:
- Verkauf Call-Option mit Strike 110 Euro für 2 Euro
- Verkauf Put-Option mit Strike 90 Euro für 1,50 Euro
- Erhaltene Gesamtprämie: 3,50 Euro
Der Trader profitiert, solange die Aktie zwischen 86,50 Euro und 113,50 Euro (Break-even-Punkte) bleibt.
Gewinn- und Verlustprofil
Maximaler Gewinn
Der maximale Gewinn beim Short Strangle entspricht der erhaltenen Nettoprämie und wird erreicht, wenn der Kurs des Basiswerts am Verfallstag zwischen den beiden Strike-Preisen liegt. In unserem Beispiel wäre dies bei einem Kurs zwischen 90 und 110 Euro der Fall.
Break-even-Punkte
Ein Short Strangle hat zwei Break-even-Punkte:
- Unterer Break-even: Put-Strike minus erhaltene Nettoprämie (90 – 3,50 = 86,50 Euro)
- Oberer Break-even: Call-Strike plus erhaltene Nettoprämie (110 + 3,50 = 113,50 Euro)
Maximaler Verlust
Der maximale Verlust ist theoretisch unbegrenzt, da sowohl die Call- als auch die Put-Option zu Verlusten führen können, wenn sich der Kurs stark in eine Richtung bewegt.
Wann ist ein Short Strangle sinnvoll?
Der Short Strangle eignet sich besonders in folgenden Marktszenarien:
- Niedrige implizite Volatilität erwartet: Die Strategie profitiert von fallender Volatilität
- Seitwärtstrend: Der Basiswert sollte in einer Handelsspanne bleiben
- Nach Ereignissen: Optimal nach Earnings oder anderen volatilitätstreibenden Events
- Hohe aktuelle implizite Volatilität: Ermöglicht höhere Prämieneinnahmen
Risiken und Nachteile
Beim Short Strangle müssen Trader verschiedene Risiken beachten:
Unbegrenztes Verlustpotenzial
Anders als bei Spreads ist das Verlustrisiko beim Short Strangle theoretisch unbegrenzt. Starke Kursbewegungen in beide Richtungen können zu erheblichen Verlusten führen.
Margin-Anforderungen
Da beide Positionen „nackt“ verkauft werden, sind hohe Margin-Anforderungen erforderlich. Broker verlangen Sicherheitsleistungen, die je nach Marktlage angepasst werden können.
Zeitwertverfall als Freund und Feind
Während der Zeitwertverfall grundsätzlich zugunsten des Short Strangle arbeitet, kann er bei starken Kursbewegungen nicht mehr ausreichen, um Verluste zu kompensieren.
Managementstrategien
Erfolgreiche Short Strangle Trader verwenden verschiedene Managementtechniken:
- Frühzeitiges Schließen: Position bei 25-50% des maximalen Gewinns schließen
- Rolling: Anpassung der Strikes oder Laufzeiten bei Problemen
- Stopp-Loss: Mechanische Verlustbegrenzung bei bestimmten Verluststufen
- Diversifikation: Mehrere Short Strangles auf verschiedene Basiswerte
Fazit: Short Strangle für erfahrene Trader
Der Short Strangle ist eine mächtige Optionsstrategie für erfahrene Trader, die von stabilen Märkten und fallender Volatilität profitieren möchten. Die Strategie bietet attraktive Einkommensmöglichkeiten, erfordert jedoch ein solides Risikomanagement und ausreichende Erfahrung im Optionshandel.
Besonders wichtig ist das Verständnis für Volatilität, Zeitwertverfall und die verschiedenen Risiken. Anfänger sollten zunächst mit einfacheren Strategien beginnen, bevor sie sich an Short Strangles wagen.
Möchten Sie mehr über Optionsstrategien lernen? Die Optionen-Akademie bietet umfassende Kurse und Ressourcen, um Ihr Wissen im Optionshandel systematisch aufzubauen. Von den Grundlagen bis hin zu fortgeschrittenen Strategien wie dem Short Strangle – lernen Sie von erfahrenen Praktikern und entwickeln Sie Ihre eigene profitable Trading-Strategie.
Strategie-Pfad: Alle Optionsstrategien
Entdecke alle Strategien der Optionen-Akademie — von einfach bis fortgeschritten.
Anfänger-Strategien
Fortgeschrittene Strategien
- Credit Spread Optionen erklärt
- Iron Condor Strategie erklärt
- Iron Butterfly vs. Iron Condor
- Short Strangle erklärt
- Poor Man’s Covered Call (PMCC)
- Earnings-Trades: IV Crush nutzen
Praxis & Techniken
- Optionen rollen: Wann, wie und warum
- Strategieentwicklung: Vom Wissen zur Praxis
- Optionshandel mit kleinem Konto
Vergleiche & Fallstudien
Häufig gestellte Fragen

Geschrieben von
Daniel
Aktiver Optionshändler und Gründer der Optionen-Akademie. Daniel ist seit 1998 an der Börse aktiv und handelt seit 2020 erfolgreich mit Optionen — mit mehreren tausend Trades und bisher keinem Verlustjahr. Seine Expertise basiert auf renommierten Ausbildungen mit Zertifikat, sowohl national als auch international. Seine Mission: Menschen mit größtenteils kostenlosem Content das Wissen vermitteln, das sie brauchen, um ein finanziell freies Leben zu führen.