Iron Butterfly und Iron Condor — zwei Wege zum gleichen Ziel
Wenn du in Seitwärtsmärkten Geld verdienen möchtest, stehst du irgendwann vor der Frage: Iron Condor oder Iron Butterfly? Beide Strategien gehören zur Familie der marktneutralen Optionsstrategien, und beide profitieren davon, dass sich eine Aktie oder ein Index nicht zu stark bewegt. Doch sie unterscheiden sich in einem entscheidenden Punkt — und dieser Unterschied bestimmt, welche Strategie in welcher Situation die bessere Wahl ist.
Was ist ein Iron Butterfly?
Der Iron Butterfly ist ein Credit Spread auf Steroiden. Er besteht aus vier Optionen mit dem gleichen Verfallsdatum, aber drei verschiedenen Strikes:
Die Konstruktion: Du verkaufst gleichzeitig einen At-the-Money-Put und einen At-the-Money-Call (beide am selben Strike) und kaufst einen weiter entfernten Put (als Absicherung nach unten) und einen weiter entfernten Call (als Absicherung nach oben).
Beispiel: Der SPY steht bei 500. Du verkaufst den 500er Put und den 500er Call, kaufst den 490er Put und den 510er Call. Die eingenommene Netto-Prämie könnte bei etwa 7 Dollar (700 Dollar) liegen.
Der maximale Gewinn tritt ein, wenn der SPY genau bei 500 schließt — also exakt am Short Strike. Jede Bewegung weg von 500 reduziert deinen Gewinn.
Die Unterschiede auf einen Blick
Prämie und Gewinnzone
Der Iron Butterfly nimmt deutlich mehr Prämie ein als der Iron Condor — typischerweise das Doppelte bis Dreifache. Der Grund: Beim Butterfly verkaufst du At-the-Money-Optionen, die den höchsten Zeitwert haben. Beim Condor verkaufst du Out-of-the-Money-Optionen, die weniger Zeitwert haben.
Im Gegenzug ist die Gewinnzone beim Iron Butterfly deutlich schmaler. Der Markt muss nahe am Short Strike bleiben, damit du profitierst. Beim Iron Condor hast du einen breiten Korridor, innerhalb dessen du den vollen Gewinn erzielst.
Maximaler Verlust
Das maximale Risiko berechnet sich bei beiden gleich: Breite der Flügel minus eingenommene Prämie. Da der Iron Butterfly aber mehr Prämie einnimmt, ist sein maximaler Verlust in absoluten Zahlen geringer.
Beim Butterfly mit 10-Dollar-Flügeln und 7 Dollar Prämie: Maximaler Verlust = 10 – 7 = 3 Dollar (300 Dollar pro Kontrakt). Beim Condor mit gleichen Flügeln und 3 Dollar Prämie: Maximaler Verlust = 10 – 3 = 7 Dollar (700 Dollar).
Gewinnwahrscheinlichkeit
Hier punktet der Iron Condor klar. Da seine Gewinnzone breiter ist, liegt die Wahrscheinlichkeit, mit Gewinn zu schließen, bei 60 bis 75 Prozent — je nach Flügelbreite und impliziter Volatilität. Der Iron Butterfly hat eine Gewinnwahrscheinlichkeit von nur 30 bis 40 Prozent. Er gewinnt seltener, aber wenn er gewinnt, gewinnt er mehr.
Wann Iron Butterfly, wann Iron Condor?
Iron Butterfly wählen, wenn:
Du eine klare Seitwärtserwartung hast: Wenn du davon überzeugt bist, dass der Kurs in einem engen Band bleibt — zum Beispiel nach einem Earnings-Event, wenn die Volatilität typischerweise zusammenfällt.
Die IV extrem hoch ist: Bei hoher impliziter Volatilität sind At-the-Money-Optionen besonders teuer. Der Butterfly profitiert dann überproportional vom IV-Rückgang.
Du ein höheres Risiko-Ertrags-Verhältnis suchst: Der Butterfly bietet ein besseres Verhältnis von maximalem Gewinn zu maximalem Verlust, allerdings mit geringerer Gewinnwahrscheinlichkeit.
Iron Condor wählen, wenn:
Du eine hohe Gewinnwahrscheinlichkeit bevorzugst: Der Condor gewinnt häufiger und ist damit konsistenter im Ergebnis. Für geduldige Stillhalter, die regelmäßige kleine Gewinne bevorzugen, ist er ideal.
Du unsicher über die Richtung bist: Der breite Korridor des Condors gibt dir mehr Fehlertoleranz. Selbst wenn du die kurzfristige Richtung falsch einschätzt, kannst du noch profitieren.
Du gerade erst anfängst: Als Einsteiger ist der Iron Condor leichter zu managen, weil er weniger empfindlich auf kleine Kursbewegungen reagiert.
Management-Strategien
Iron Butterfly managen
Da der Butterfly ein sehr enges Gewinnfenster hat, musst du aktiver managen. Schließe den Trade bei 25 bis 30 Prozent des maximalen Gewinns — warte nicht auf den Verfall. Bei einem Delta-Shift von mehr als 0,10 am Short Strike solltest du den Trade anpassen oder schließen.
Iron Condor managen
Der Condor ist pflegeleichter. Die Standardregel: Schließe bei 50 Prozent des maximalen Gewinns oder wenn noch 21 Tage bis zum Verfall übrig sind. Wenn eine Seite bedroht wird, kannst du die unbedrohte Seite näher rollen, um zusätzliche Prämie einzunehmen.
Die Hybrid-Lösung: Broken Wing Butterfly
Es gibt auch eine Mischform, den sogenannten Broken Wing Butterfly. Hier sind die Flügel unterschiedlich breit — du verschiebst einen Flügel weiter nach außen. Das gibt dir eine leichte direktionale Tendenz und kann das Risiko auf einer Seite eliminieren. Das ist eine Strategie für Fortgeschrittene, die bereits Erfahrung mit beiden Grundstrategien haben.
Praxis-Tipps für beide Strategien
Timing: Beide Strategien funktionieren am besten in Zeiten mittlerer bis hoher impliziter Volatilität. Vermeide es, sie bei extrem niedriger IV zu eröffnen — die Prämien sind dann zu dünn.
Laufzeit: Die ideale Laufzeit liegt bei 30 bis 45 Tagen. Bei kürzeren Laufzeiten ist der Theta-Verfall zwar schneller, aber das Gamma-Risiko steigt.
Positionsgröße: Da beide Strategien ein definiertes Risiko haben, kannst du sie gut in dein Trading-Journal einpflegen und die Positionsgröße präzise berechnen. Riskiere nie mehr als 2 bis 5 Prozent deines Portfolios pro Trade.
Fazit: Welche Strategie ist besser?
Weder der Iron Butterfly noch der Iron Condor ist grundsätzlich besser — sie bedienen unterschiedliche Bedürfnisse. Der Condor ist der zuverlässige Alltagswagen mit hoher Gewinnwahrscheinlichkeit, der Butterfly ist der Sportwagen mit höherem Ertragspotenzial, aber auch höherem Risiko.
Für die meisten Trader empfehle ich, mit dem Iron Condor zu starten und den Iron Butterfly erst dann einzusetzen, wenn du ein Gefühl für marktneutrale Strategien entwickelt hast. Beide Strategien gehören in das Arsenal jedes ernsthaften Stillhalters.
Strategie-Pfad: Alle Optionsstrategien
Entdecke alle Strategien der Optionen-Akademie — von einfach bis fortgeschritten.
Anfänger-Strategien
Fortgeschrittene Strategien
- Credit Spread Optionen erklärt
- Iron Condor Strategie erklärt
- Iron Butterfly vs. Iron Condor
- Short Strangle erklärt
- Poor Man’s Covered Call (PMCC)
- Earnings-Trades: IV Crush nutzen
Praxis & Techniken
- Optionen rollen: Wann, wie und warum
- Strategieentwicklung: Vom Wissen zur Praxis
- Optionshandel mit kleinem Konto
Vergleiche & Fallstudien
Häufig gestellte Fragen

Geschrieben von
Daniel
Aktiver Optionshändler und Gründer der Optionen-Akademie. Daniel ist seit 1998 an der Börse aktiv und handelt seit 2020 erfolgreich mit Optionen — mit mehreren tausend Trades und bisher keinem Verlustjahr. Seine Expertise basiert auf renommierten Ausbildungen mit Zertifikat, sowohl national als auch international. Seine Mission: Menschen mit größtenteils kostenlosem Content das Wissen vermitteln, das sie brauchen, um ein finanziell freies Leben zu führen.