📊 Hilf uns, bessere Inhalte zu erstellen! Zur Umfrage →

Break-Even bei Optionen berechnen: Formeln und Beispiele

blog-break-even-optionen-berechnen

Warum der Break-Even-Punkt so wichtig ist

Bevor du einen Optionstrade eingehst, musst du eine entscheidende Frage beantworten können: Ab welchem Kurs verdiene ich Geld? Der Break-Even-Punkt (Gewinnschwelle) ist der Aktienkurs, bei dem dein Trade exakt null Gewinn und null Verlust macht. Alles darüber (bei Calls) oder darunter (bei Puts) ist Gewinn — alles in der anderen Richtung ist Verlust.

Den Break-Even zu kennen ist kein akademisches Detail, sondern praktische Notwendigkeit. Er hilft dir, die Gewinnwahrscheinlichkeit realistisch einzuschätzen und bessere Trading-Entscheidungen zu treffen.

Break-Even bei einzelnen Optionen

Long Call

Formel: Break-Even = Strike + gezahlte Prämie

Beispiel: Du kaufst einen Call auf Apple mit Strike 200 und zahlst 5 Dollar Prämie. Dein Break-Even liegt bei 205 Dollar. Apple muss also mindestens auf 205 Dollar steigen, damit du keinen Verlust machst. Bei 210 Dollar hast du 5 Dollar Gewinn pro Aktie (500 Dollar pro Kontrakt).

Long Put

Formel: Break-Even = Strike – gezahlte Prämie

Beispiel: Du kaufst einen Put auf Tesla mit Strike 240 und zahlst 8 Dollar. Break-Even = 232 Dollar. Tesla muss unter 232 Dollar fallen, damit du profitierst.

Short Call (Covered Call)

Formel: Break-Even = Kaufkurs der Aktie – eingenommene Prämie

Beispiel: Du besitzt Apple bei 200 Dollar und verkaufst einen Covered Call mit Strike 210 für 3 Dollar. Dein Break-Even liegt bei 197 Dollar (200 – 3). Selbst wenn Apple leicht fällt, bist du durch die Prämie geschützt.

Short Put (Cash Secured Put)

Formel: Break-Even = Strike – eingenommene Prämie

Beispiel: Du verkaufst einen Cash Secured Put auf Microsoft mit Strike 400 für 5 Dollar. Break-Even = 395 Dollar. Solange Microsoft über 395 Dollar bleibt, machst du keinen Verlust — und wenn Microsoft über 400 bleibt, behältst du die gesamte Prämie.

Break-Even bei Spreads

Bull Put Spread (Credit Spread)

Formel: Break-Even = Short-Put-Strike – Netto-Prämie

Beispiel: Du verkaufst den 400er Put und kaufst den 390er Put auf Microsoft. Netto-Prämie: 2,50 Dollar. Break-Even = 400 – 2,50 = 397,50 Dollar. Solange Microsoft über 397,50 bleibt, bist du im Plus.

Bear Call Spread (Credit Spread)

Formel: Break-Even = Short-Call-Strike + Netto-Prämie

Beispiel: Du verkaufst den 210er Call und kaufst den 220er Call. Netto-Prämie: 3 Dollar. Break-Even = 210 + 3 = 213 Dollar. Die Aktie darf bis 213 Dollar steigen, ohne dass du verlierst.

Bull Call Spread (Debit Spread)

Formel: Break-Even = Long-Call-Strike + Netto-Debit

Beispiel: Du kaufst den 200er Call für 8 Dollar und verkaufst den 210er Call für 3 Dollar. Netto-Debit: 5 Dollar. Break-Even = 200 + 5 = 205 Dollar.

Break-Even bei mehrbeinigen Strategien

Iron Condor

Der Iron Condor hat zwei Break-Even-Punkte, weil er aus zwei Spreads besteht:

Oberer Break-Even: Short-Call-Strike + Netto-Prämie
Unterer Break-Even: Short-Put-Strike – Netto-Prämie

Beispiel: SPY bei 500. Du verkaufst den 490er Put und den 510er Call, kaufst den 480er Put und den 520er Call. Netto-Prämie: 3 Dollar. Oberer BE = 513, unterer BE = 487. Solange der SPY zwischen 487 und 513 bleibt, machst du Gewinn.

Iron Butterfly

Oberer Break-Even: Short-Strike + Netto-Prämie
Unterer Break-Even: Short-Strike – Netto-Prämie

Der Iron Butterfly hat eine engere Gewinnzone als der Iron Condor, nimmt aber mehr Prämie ein.

Poor Man’s Covered Call

Oberer Break-Even: Short-Call-Strike + (LEAP-Kosten – Eingenommene Prämien)
Unterer Break-Even: LEAP-Strike + LEAP-Kosten – Eingenommene Prämien

Break-Even vs. Gewinnwahrscheinlichkeit

Der Break-Even allein sagt dir noch nicht, ob ein Trade gut ist. Du musst ihn im Zusammenhang mit der Gewinnwahrscheinlichkeit betrachten. Das Delta gibt dir einen schnellen Anhaltspunkt:

Bei einem Credit Spread mit einem Short-Put-Delta von -0,30 liegt die Gewinnwahrscheinlichkeit bei etwa 70 Prozent. Das heißt: In 7 von 10 Fällen bleibt die Aktie über deinem Break-Even.

Professionelle Trader wie die bei Tastytrade wählen ihre Strikes so, dass die Gewinnwahrscheinlichkeit bei mindestens 65 bis 70 Prozent liegt. Das gibt dir eine statistisch positive Erwartung über viele Trades hinweg — der Kern des Stillhalter-Geschäftsmodells.

Praxis-Tipps

Immer vor dem Trade berechnen: Notiere den Break-Even in deinem Trading-Journal, bevor du den Trade eingehst. So weißt du jederzeit, wo die Schmerzgrenze liegt.

Kommissionen einrechnen: Bei kleinen Prämien können Broker-Gebühren deinen Break-Even verschieben. Rechne immer Hin- und Rückweg ein.

Break-Even bei Verfall vs. vor Verfall: Die Formeln oben gelten für den Verfall. Vor dem Verfall hat deine Option noch Zeitwert, und der tatsächliche Break-Even verschiebt sich. Als Faustregel: Je mehr Restlaufzeit, desto näher liegt der effektive Break-Even am aktuellen Kurs.

Fazit

Den Break-Even zu berechnen ist eine der grundlegendsten Fähigkeiten im Optionshandel. Die Formeln sind einfach, aber die Auswirkung auf deine Entscheidungsfindung ist enorm. Berechne den Break-Even für jeden Trade, dokumentiere ihn, und vergleiche nach dem Verfall, ob deine Einschätzung richtig war. So entwickelst du ein Gefühl für profitable Setups.

Häufig gestellte Fragen

Ändert sich der Break-Even während der Laufzeit einer Option?
Der Break-Even bei Verfall bleibt konstant — er wird beim Eingehen des Trades festgelegt. Vor dem Verfall hat die Option aber noch Zeitwert, sodass du bereits mit Gewinn schließen kannst, bevor der Kurs den Break-Even-Punkt bei Verfall erreicht.
Wie berechne ich den Break-Even, wenn ich eine Option rolle?
Beim Rollen musst du die neue Netto-Prämie berechnen: ursprünglich eingenommene Prämie minus Kosten zum Schließen plus neue eingenommene Prämie. Dein Break-Even verschiebt sich dann entsprechend.
Gibt es Tools, die den Break-Even automatisch berechnen?
Ja. Die meisten Broker-Plattformen wie Interactive Brokers und Tastytrade zeigen den Break-Even automatisch an. Auch in unserem Tools-Bereich findest du hilfreiche Rechner für deine Trading-Planung.
Daniel

Geschrieben von

Daniel

Aktiver Optionshändler und Gründer der Optionen-Akademie. Daniel ist seit 1998 an der Börse aktiv und handelt seit 2020 erfolgreich mit Optionen — mit mehreren tausend Trades und bisher keinem Verlustjahr. Seine Expertise basiert auf renommierten Ausbildungen mit Zertifikat, sowohl national als auch international. Seine Mission: Menschen mit größtenteils kostenlosem Content das Wissen vermitteln, das sie brauchen, um ein finanziell freies Leben zu führen.