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Poor Man’s Covered Call (PMCC) erklärt: Die clevere Alternative zum Covered Call

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Was ist ein Poor Man’s Covered Call?

Der Poor Man’s Covered Call (PMCC) ist eine der cleversten Strategien im Optionshandel. Stell dir vor, du möchtest mit einem Covered Call monatliches Einkommen auf Apple-Aktien generieren. Das Problem: 100 Apple-Aktien kosten dich über 20.000 Dollar. Der PMCC löst dieses Problem elegant.

Statt 100 Aktien zu kaufen, erwirbst du eine langfristige Call-Option (einen sogenannten LEAP) tief im Geld. Diese Option verhält sich ähnlich wie 100 Aktien — kostet aber nur einen Bruchteil. Darauf verkaufst du dann kurzfristige Calls, genau wie beim klassischen Covered Call.

Wie funktioniert der PMCC im Detail?

Schritt 1: Den LEAP kaufen

Du kaufst eine Call-Option mit einer Laufzeit von mindestens 6 bis 12 Monaten — idealerweise sogar länger. Diese Option sollte tief im Geld sein, mit einem Delta von 0,70 oder höher. Warum so tief im Geld? Weil die Option dann einen hohen inneren Wert hat und sich fast wie die Aktie selbst bewegt.

Beispiel: Apple steht bei 200 Dollar. Du kaufst einen LEAP-Call mit Strike 150 und 12 Monaten Laufzeit für 58 Dollar (5.800 Dollar pro Kontrakt). Dieser LEAP hat ein Delta von etwa 0,80 — er bewegt sich also zu 80 Prozent wie 100 Apple-Aktien.

Schritt 2: Short Calls verkaufen

Jetzt verkaufst du gegen deinen LEAP kurzfristige Call-Optionen — typischerweise mit 30 bis 45 Tagen Laufzeit und einem Strike oberhalb des aktuellen Kurses (Out of the Money). Das ist der Einnahmen-Teil deiner Strategie.

Beispiel: Du verkaufst einen Call mit Strike 210 und 30 Tagen Laufzeit für 3,50 Dollar (350 Dollar Prämie). Wenn Apple unter 210 bleibt, verfällt der Call wertlos und du behältst die Prämie.

Schritt 3: Wiederholen

Sobald der Short Call verfällt oder du ihn zurückkaufst, verkaufst du den nächsten. So generierst du Monat für Monat Einnahmen — ähnlich wie beim Wheel, nur mit deutlich weniger Kapital.

PMCC vs. Covered Call: Der Vergleich

Der entscheidende Unterschied liegt im Kapitaleinsatz. Für einen klassischen Covered Call auf Apple brauchst du mindestens 20.000 Dollar. Für den PMCC nur rund 5.800 Dollar — das ist eine Ersparnis von über 70 Prozent.

Die Rendite auf das eingesetzte Kapital ist beim PMCC daher oft deutlich höher. Wenn du mit beiden Varianten 350 Dollar Prämie pro Monat einnimmst, ergibt das beim Covered Call eine Rendite von 1,75 Prozent pro Monat — beim PMCC aber 6 Prozent.

Allerdings hat der PMCC auch Nachteile: Dein LEAP verliert durch Zeitwertverfall an Wert, du hast kein Stimmrecht und keine Dividenden, und bei einem starken Kursanstieg ist dein Gewinn durch den Short Call begrenzt.

Die richtige Strike-Auswahl

LEAP-Strike

Wähle den LEAP-Strike so, dass dein Delta bei mindestens 0,70 liegt. Faustregel: Je tiefer im Geld, desto mehr verhält sich der LEAP wie die Aktie — aber desto teurer wird er auch. Ein guter Kompromiss ist ein Delta zwischen 0,75 und 0,85.

Short-Call-Strike

Den Short Call verkaufst du typischerweise mit einem Delta zwischen 0,20 und 0,30 — also mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 bis 80 Prozent, dass er wertlos verfällt. Die 45-DTE-Regel von Tastytrade funktioniert hier hervorragend.

Wann lohnt sich der PMCC besonders?

Der PMCC ist ideal in diesen Situationen:

Begrenztes Kapital: Wenn du mit einem kleineren Konto startest und keine 100 Aktien kaufen kannst oder willst, ist der PMCC die perfekte Alternative.

Leicht bullische Markterwartung: Du erwartest, dass die Aktie moderat steigt oder seitwärts läuft. Bei stark fallenden Kursen verlierst du sowohl am LEAP als auch am Zeitwert.

Niedrige implizite Volatilität: Kaufe den LEAP, wenn die IV niedrig ist — so zahlst du weniger Zeitwert-Prämie. Verkaufe die Short Calls, wenn die IV hoch ist.

Risikomanagement beim PMCC

Das maximale Risiko beim PMCC ist der Kaufpreis deines LEAPs minus die eingenommenen Prämien. In unserem Beispiel: 5.800 Dollar minus gesammelte Prämien.

Die wichtigsten Regeln für sicheres PMCC-Trading:

Regel 1 — Nie den LEAP gefährden: Dein Short-Call-Strike sollte immer so gewählt sein, dass du im Falle einer Ausübung keinen Verlust machst. Die Formel: Short-Call-Strike minus LEAP-Strike muss größer sein als der gezahlte LEAP-Preis.

Regel 2 — Positionsgröße begrenzen: Setze nie mehr als 5 bis 10 Prozent deines Portfolios in einen einzelnen PMCC. Diversifiziere über verschiedene Aktien und Sektoren.

Regel 3 — LEAP rechtzeitig rollen: Wenn dein LEAP weniger als 3 bis 4 Monate Restlaufzeit hat, rolle ihn in einen neuen LEAP mit längerer Laufzeit. So vermeidest du den beschleunigten Zeitwertverfall.

Praxis-Beispiel: PMCC auf Microsoft

Microsoft steht bei 420 Dollar. Du kaufst einen LEAP-Call mit Strike 350 und 15 Monaten Laufzeit für 82 Dollar (8.200 Dollar). Das Delta liegt bei 0,82.

Du verkaufst einen monatlichen Call mit Strike 435 (Delta 0,25) für 4,50 Dollar (450 Dollar). Wenn Microsoft unter 435 bleibt, behältst du die Prämie und verkaufst nächsten Monat den nächsten Call.

Über 12 Monate könntest du so 12 mal 450 Dollar = 5.400 Dollar einnehmen. Bei einem Kapitaleinsatz von 8.200 Dollar wäre das eine Rendite von 65 Prozent pro Jahr — natürlich nur, wenn alles glatt läuft und keine Verluste entstehen.

Poor Man's Covered Call Payoff-Diagramm: Long LEAP Call 350$ + Short Call 435$ auf Microsoft
PMCC Payoff-Diagramm: Long LEAP Call (350 $) + Short Call (435 $) — Max. Gewinn +750 $, Break-even bei 427,50 $

Typische Fehler beim PMCC

Der häufigste Fehler ist ein zu kurzer LEAP. Viele Anfänger kaufen Optionen mit nur 3 bis 4 Monaten Laufzeit — das ist kein LEAP, sondern eine spekulative Position. Der Theta-Verfall frisst dann die Short-Call-Einnahmen auf.

Der zweite Fehler ist ein zu aggressiver Short Call. Wenn du den Strike zu nah am aktuellen Kurs wählst, nimmst du zwar mehr Prämie ein, aber das Risiko einer Ausübung steigt. Bei einer Ausübung müsstest du deinen LEAP verkaufen — und verlierst möglicherweise den verbleibenden Zeitwert.

Der dritte Fehler ist mangelnde emotionale Disziplin. Wenn der Kurs fällt und dein LEAP an Wert verliert, ist die Versuchung groß, in Panik zu verkaufen. Halte dich an deinen Trading-Plan und vertraue auf die langfristige Strategie.

Fazit: Für wen ist der PMCC geeignet?

Der Poor Man’s Covered Call ist eine hervorragende Strategie für Trader, die regelmäßiges Einkommen generieren möchten, aber nicht genug Kapital für den klassischen Covered Call haben. Er erfordert allerdings ein solides Verständnis von Optionsgrundlagen, den Greeks und Risikomanagement.

Wenn du bereits Erfahrung mit Cash Secured Puts und Credit Spreads hast, ist der PMCC der logische nächste Schritt in deiner Entwicklung als Stillhalter.

Häufig gestellte Fragen

Was kostet ein Poor Man’s Covered Call im Vergleich zum klassischen Covered Call?
Ein PMCC benötigt typischerweise nur 20 bis 30 Prozent des Kapitals eines klassischen Covered Calls. Statt 100 Aktien zu kaufen, erwirbst du einen LEAP — eine langfristige Call-Option tief im Geld. Bei Apple sparst du so zum Beispiel über 14.000 Dollar Kapitaleinsatz.
Wie lange sollte mein LEAP laufen?
Mindestens 6 bis 12 Monate, idealerweise sogar länger. Je länger die Laufzeit, desto geringer ist der tägliche Zeitwertverfall. Rolle deinen LEAP, wenn er weniger als 3 bis 4 Monate Restlaufzeit hat.
Kann ich beim PMCC Dividenden erhalten?
Nein. Da du keine echten Aktien besitzt, sondern nur eine Call-Option, hast du keinen Anspruch auf Dividenden. Das ist einer der Nachteile gegenüber dem klassischen Covered Call.
Was passiert, wenn mein Short Call ausgeübt wird?
Bei einer Ausübung musst du 100 Aktien zum Short-Call-Strike liefern. Du kannst deinen LEAP ausüben, um diese Aktien zu erhalten, oder den LEAP verkaufen und die Aktien am Markt kaufen. Achte darauf, dass dein Netto-Ergebnis positiv bleibt.
Daniel

Geschrieben von

Daniel

Aktiver Optionshändler und Gründer der Optionen-Akademie. Daniel ist seit 1998 an der Börse aktiv und handelt seit 2020 erfolgreich mit Optionen — mit mehreren tausend Trades und bisher keinem Verlustjahr. Seine Expertise basiert auf renommierten Ausbildungen mit Zertifikat, sowohl national als auch international. Seine Mission: Menschen mit größtenteils kostenlosem Content das Wissen vermitteln, das sie brauchen, um ein finanziell freies Leben zu führen.