⚠️ Dieser Artikel dient ausschließlich zu Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Optionshandel birgt erhebliche Risiken — mehr dazu im Disclaimer am Ende dieses Artikels.
Du willst mit Optionen handeln, aber nicht zehntausende Euro als Sicherheit hinterlegen? Der Credit Spread löst genau dieses Problem. Du verkaufst eine Option und kaufst gleichzeitig eine günstigere als Absicherung — dein maximaler Verlust ist von Anfang an klar definiert, und du brauchst deutlich weniger Kapital als beim Cash Secured Put.
In diesem Artikel lernst du die zwei wichtigsten Credit Spreads kennen, wann du welchen einsetzt und wie du sie professionell managst.
Was ist ein Credit Spread?
Ein Credit Spread besteht aus zwei Optionen auf das gleiche Underlying mit dem gleichen Verfallsdatum, aber unterschiedlichen Strikes. Du verkaufst die teurere Option und kaufst die günstigere als Schutz. Die Differenz ist dein „Credit“ — die Prämie, die du sofort kassierst.
Vereinfacht: Du wettest auf eine Richtung (bullisch oder bärisch) mit einem Sicherheitsnetz. Dein Gewinn ist begrenzt, aber dein Verlust auch.
Die zwei Arten von Credit Spreads
1. Bull Put Spread (bullisch)
Du verkaufst einen Put mit höherem Strike und kaufst einen Put mit niedrigerem Strike. Du profitierst, wenn die Aktie steigt oder seitwärts geht.
2. Bear Call Spread (bärisch)
Du verkaufst einen Call mit niedrigerem Strike und kaufst einen Call mit höherem Strike. Du profitierst, wenn die Aktie fällt oder seitwärts geht.
Bull Put Spread — Das bullische Arbeitspferd
Der Bull Put Spread ist der am häufigsten gehandelte Credit Spread und die kapitaleffizientere Version des Cash Secured Put.
Konkretes Beispiel
Ausgangssituation:
– Aktie: Apple (AAPL) @ 185 $
– Deine Meinung: Apple bleibt über 170 $ in den nächsten 30-45 Tagen
Dein Trade:
– Sell 1 Put @ Strike 170 $ → Einnahme: 2,50 $
– Buy 1 Put @ Strike 165 $ → Kosten: 1,30 $
– Nettoprämie: 1,20 $ = 120 $ pro Kontrakt
Die Kennzahlen
Maximaler Gewinn: 120 $
Wenn AAPL am Verfallstag über 170 $ steht. Beide Puts verfallen wertlos.
Maximaler Verlust: 380 $
Spread-Breite (5 $) × 100 minus Prämie (1,20 $ × 100) = 500 $ – 120 $ = 380 $. Das passiert, wenn AAPL unter 165 $ fällt.
Break-Even: 168,80 $
Strike des Short Put (170 $) minus kassierte Prämie (1,20 $).
Kapitaleinsatz: 380 $ (vs. 17.000 $ beim Cash Secured Put auf den gleichen Strike)
Das ist der entscheidende Vorteil: Für 380 $ statt 17.000 $ kannst du eine ähnliche Position eröffnen. Du brauchst weniger als 1/40 des Kapitals.
Bear Call Spread — Für bärische Einschätzungen
Der Bear Call Spread funktioniert spiegelbildlich zum Bull Put Spread — du profitierst, wenn die Aktie fällt oder seitwärts geht.
Konkretes Beispiel
Ausgangssituation:
– Aktie: Tesla (TSLA) @ 250 $
– Deine Meinung: Tesla wird in den nächsten 30-45 Tagen nicht über 280 $ steigen
Dein Trade:
– Sell 1 Call @ Strike 280 $ → Einnahme: 3,00 $
– Buy 1 Call @ Strike 290 $ → Kosten: 1,50 $
– Nettoprämie: 1,50 $ = 150 $ pro Kontrakt
Die Kennzahlen
Maximaler Gewinn: 150 $
Wenn TSLA am Verfallstag unter 280 $ steht.
Maximaler Verlust: 850 $
(10 $ Spread-Breite × 100) minus 150 $ Prämie.
Break-Even: 281,50 $
Strike des Short Call (280 $) plus kassierte Prämie (1,50 $).
Wann welchen Credit Spread?
Bull Put Spread wählen, wenn:
- Du bullisch oder neutral eingestellt bist
- Die Aktie in einem Aufwärtstrend oder Seitwärtstrend ist
- Du eine günstigere Alternative zum Cash Secured Put suchst
- Support-Zonen unter dem Short Strike liegen
Bear Call Spread wählen, wenn:
- Du bärisch oder neutral eingestellt bist
- Die Aktie in einem Abwärtstrend oder bei einem Widerstand ist
- Du nach Earnings einen übertriebenen Anstieg erwartest, der sich korrigiert
- Resistance-Zonen über dem Short Strike liegen
Beide kombinieren = Iron Condor
Wenn du neutral eingestellt bist (weder bullisch noch bärisch), kannst du einen Bull Put Spread und einen Bear Call Spread gleichzeitig verkaufen. Das ist ein Iron Condor — eine der beliebtesten Strategien für Seitwärtsmärkte.
Die richtige Strike-Auswahl
Short Strike: Delta als Kompass
Delta 0,20-0,30 (empfohlen für Anfänger):
Gewinnwahrscheinlichkeit ca. 70-80 %. Guter Kompromiss aus Prämie und Sicherheit.
Delta 0,10-0,15 (konservativ):
Gewinnwahrscheinlichkeit ca. 85-90 %. Kleine Prämie, aber sehr hohe Trefferquote.
Delta 0,30-0,40 (aggressiv):
Gewinnwahrscheinlichkeit ca. 60-70 %. Höhere Prämie, aber mehr Stress.
Spread-Breite: Dein Risikoregler
Die Breite zwischen den Strikes bestimmt deinen maximalen Verlust.
Enge Spreads (1-3 $ breit):
– Wenig Kapital nötig (100-300 $ Margin)
– Kleine absolute Gewinne und Verluste
– Gut zum Üben und für kleine Konten
Standard-Spreads (5 $ breit):
– Moderater Kapitaleinsatz
– Gutes Verhältnis von Prämie zu Risiko
– Am häufigsten gehandelt
Breite Spreads (10+ $ breit):
– Mehr Prämie, aber auch mehr Risiko
– Besser für Index-ETFs (SPY, QQQ)
– Erfordern strikteres Management
Laufzeit
30-45 Tage (empfohlen): Der Theta-Verfall beschleunigt sich ab ca. 45 DTE. Du profitierst maximal vom Zeitwertverfall.
Unter 21 Tage: Schnellerer Verfall, aber höheres Gamma-Risiko. Kursbewegungen haben einen stärkeren Einfluss auf den Wert deines Spreads.
Credit Spread Management — Die wichtigsten Regeln
Regel 1: Gewinnmitnahme bei 50 %
Wenn dein Credit Spread 50 % der maximalen Prämie erreicht hat, schließ die Position. Beispiel: 120 $ kassiert → schließen wenn der Spread nur noch 60 $ kostet.
Warum? Die Tastytrade-Studien zeigen, dass die 50 %-Regel die risikoadjustierte Rendite signifikant verbessert. Du befreist Kapital und Margin für den nächsten Trade.
Regel 2: Verlustbegrenzung bei 200 %
Wenn der Verlust das Doppelte der Prämie erreicht, schließ die Position. Bei 120 $ Prämie also bei 240 $ Verlust. Das schützt dich vor dem maximalen Verlust (380 $).
Regel 3: Zeitbasierter Exit bei 21 DTE
Wenn weniger als 21 Tage bis zum Verfall übrig sind und dein Spread noch nicht profitabel ist, überdenke die Position. Das Gamma-Risiko steigt in den letzten Wochen exponentiell.
Rollen: Wann und wie
Rollen lohnt sich, wenn:
– Du noch an deine Marktmeinung glaubst
– Du einen Netto-Credit bekommst (nie für einen Debit rollen)
– Die neue Position ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis hat
So geht’s:
1. Buy to Close den aktuellen Spread
2. Sell to Open einen neuen Spread mit späterem Verfall und/oder besseren Strikes
Credit Spread vs. Cash Secured Put — Der Vergleich
| Merkmal | Credit Spread (Bull Put) | Cash Secured Put |
|---|---|---|
| Kapitaleinsatz | 380 $ (bei 5 $ Spread) | 17.000 $ (bei Strike 170 $) |
| Max. Gewinn | 120 $ (Prämie) | 250 $ (Prämie) |
| Max. Verlust | 380 $ (definiert) | 17.000 $ (Aktie auf 0) |
| Rendite auf Kapital | 31,6 % | 1,5 % |
| Bei Zuweisung | Barausgleich | 100 Aktien |
| Für Wheel geeignet | Nein | Ja |
| Kapitalbedarf | Klein | Groß |
Zusammenfassung: Der Credit Spread ist kapitaleffizienter und hat ein definiertes Risiko. Der Cash Secured Put ermöglicht die Wheel-Strategie und potenziellen Aktienbesitz.
Typische Fehler beim Credit Spread
Fehler 1: Zu enge Strikes für maximale Prämie
Anfänger platzieren den Short Strike zu nahe am aktuellen Kurs, weil die Prämie verlockend hoch ist. Aber ein Short Put mit Delta 0,40 hat nur ca. 60 % Gewinnwahrscheinlichkeit — das reicht bei dem asymmetrischen Risiko nicht aus.
Fehler 2: Zu viele Spreads gleichzeitig
Credit Spreads sind kapitaleffizient — genau das wird zum Problem, wenn du dich übernimmst. Mit 5.000 $ Kapital könntest du theoretisch 10+ Spreads gleichzeitig haben. Wenn alle gegen dich laufen, verlierst du schnell 20-30 % deines Kontos.
Regel: Nie mehr als 5 % deines Kontos in einen einzelnen Spread, nie mehr als 25 % in alle Spreads zusammen.
Fehler 3: Credit Spreads auf illiquide Optionen
Wenn der Bid-Ask-Spread groß ist, verlierst du beim Einstieg und beim Ausstieg. Das frisst deine Prämie auf.
Regel: Bid-Ask-Spread der einzelnen Legs sollte unter 10 % des Optionspreises liegen.
Fehler 4: Kein Plan für Earnings
Ein Bull Put Spread auf eine Aktie 3 Tage vor Earnings ist Glücksspiel. Die IV ist zwar hoch (gute Prämie), aber der Kurssprung nach den Zahlen kann deinen gesamten Spread durchbrechen.
Schritt-für-Schritt: Dein erster Credit Spread
Schritt 1: Wähle ein liquides Underlying (SPY, AAPL, MSFT, QQQ)
Schritt 2: Bestimme deine Marktmeinung: Bullisch → Bull Put Spread, Bärisch → Bear Call Spread
Schritt 3: Prüfe den IV-Rank. Über 30 % ist gut, über 50 % ist ideal
Schritt 4: Wähle eine Laufzeit von 30-45 Tagen
Schritt 5: Setze den Short Strike bei Delta 0,20-0,25
Schritt 6: Setze den Long Strike 5 $ darunter (Bull Put) bzw. darüber (Bear Call)
Schritt 7: Prüfe, ob die Prämie mindestens 1/3 der Spread-Breite beträgt (bei 5 $ Spread also mindestens 1,67 $)
Schritt 8: Order als Spread aufgeben (nicht als Einzeloptionen!)
Schritt 9: Notiere im Trading-Journal: Gewinnmitnahme bei 50 %, Stop bei 200 % der Prämie
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Fazit
Der Credit Spread ist die vielleicht wichtigste Strategie für Optionshändler mit kleinerem Konto. Du bekommst definiertes Risiko, brauchst wenig Kapital und profitierst vom Zeitwertverfall. Der Bull Put Spread ersetzt den Cash Secured Put für kleinere Konten, der Bear Call Spread gibt dir eine bärische Alternative, und beide zusammen ergeben einen Iron Condor.
Starte mit einem einzelnen Bull Put Spread auf einen liquiden ETF wie SPY, verwende Delta 0,20-0,25 für den Short Strike und halte dich strikt an die 50 %-Gewinnmitnahme-Regel. So lernst du die Mechanik, ohne dein Konto zu gefährden.
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Alle genannten Beispiele, Berechnungen und Strategien dienen der Veranschaulichung und berücksichtigen keine individuellen Umstände wie Steuersituation, Risikobereitschaft oder finanzielle Ziele. Bevor du mit dem Optionshandel beginnst, solltest du dich von einem qualifizierten Finanzberater beraten lassen.
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Häufig gestellte Fragen

Geschrieben von
Daniel
Aktiver Optionshändler und Gründer der Optionen-Akademie. Daniel ist seit 1998 an der Börse aktiv und handelt seit 2020 erfolgreich mit Optionen — mit mehreren tausend Trades und bisher keinem Verlustjahr. Seine Expertise basiert auf renommierten Ausbildungen mit Zertifikat, sowohl national als auch international. Seine Mission: Menschen mit größtenteils kostenlosem Content das Wissen vermitteln, das sie brauchen, um ein finanziell freies Leben zu führen.