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Credit Spread Optionen: Strategie, Risiko und Beispiele einfach erklärt

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⚠️ Dieser Artikel dient ausschließlich zu Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Optionshandel birgt erhebliche Risiken — mehr dazu im Disclaimer am Ende dieses Artikels.

Du möchtest Credit Spreads verstehen, ohne dich direkt in unbegrenzte Risiken oder hohe Kapitalbindung zu begeben? Ein Credit Spread verbindet eine verkaufte Option mit einer gekauften Absicherung. Du verkaufst eine Option und kaufst gleichzeitig eine günstigere als Absicherung — dein maximaler Verlust ist von Anfang an klar definiert, und du brauchst deutlich weniger Kapital als beim Cash Secured Put.

In diesem Artikel lernst du die zwei wichtigsten Credit Spreads kennen, wann du welchen einsetzt, wie du Risiko und Prämie berechnest und welche Punkte du vor einem Trade prüfen solltest.

Credit Spread in 3 Punkten

1. Du erhältst eine NettoprämieDu verkaufst eine teurere Option und kaufst eine günstigere Absicherung.
2. Dein Risiko ist begrenztDie gekaufte Option begrenzt den Maximalverlust auf die Spread-Breite minus erhaltene Prämie.
3. Deine Marktmeinung bleibt entscheidendBull Put Spread für moderat bullisch/neutral, Bear Call Spread für moderat bärisch/neutral.

Credit-Spread-Serie

Vom Grundprinzip zu konkreten Praxisbeispielen

Dieser Artikel erklärt die gemeinsame Logik. Die drei Praxisartikel zeigen danach den Bull Put Spread, den Bear Call Spread und den Iron Condor im Detail.


Was ist ein Credit Spread?

Credit Spread Payoff-Diagramm - Bull Put Spread Gewinn und Verlust

Ein Credit Spread besteht aus zwei Optionen auf das gleiche Underlying mit dem gleichen Verfallsdatum, aber unterschiedlichen Strikes. Du verkaufst die teurere Option und kaufst die günstigere als Schutz. Die Differenz ist dein „Credit“ — die Prämie, die du sofort kassierst.

Vereinfacht: Du wettest auf eine Richtung (bullisch oder bärisch) mit einem Sicherheitsnetz. Dein Gewinn ist begrenzt, aber dein Verlust auch.

Die zwei Arten von Credit Spreads

1. Bull Put Spread (bullisch)
Du verkaufst einen Put mit höherem Strike und kaufst einen Put mit niedrigerem Strike. Du profitierst, wenn die Aktie steigt oder seitwärts geht.

2. Bear Call Spread (bärisch)
Du verkaufst einen Call mit niedrigerem Strike und kaufst einen Call mit höherem Strike. Du profitierst, wenn die Aktie fällt oder seitwärts geht.


Bull Put Spread — Das bullische Arbeitspferd

Der Bull Put Spread ist eine kapitaleffizientere Alternative zum Cash Secured Put, weil der gekaufte Long Put das Risiko begrenzt.

Konkretes Beispiel

Ausgangssituation:
– Aktie: Apple (AAPL) @ 185 $
– Deine Meinung: Apple bleibt über 170 $ in den nächsten 30-45 Tagen

Dein Trade:
– Sell 1 Put @ Strike 170 $ → Einnahme: 2,50 $
– Buy 1 Put @ Strike 165 $ → Kosten: 1,30 $
Nettoprämie: 1,20 $ = 120 $ pro Kontrakt

Die Kennzahlen

Maximaler Gewinn: 120 $
Wenn AAPL am Verfallstag über 170 $ steht. Beide Puts verfallen wertlos.

Maximaler Verlust: 380 $
Spread-Breite (5 $) × 100 minus Prämie (1,20 $ × 100) = 500 $ – 120 $ = 380 $. Das passiert, wenn AAPL unter 165 $ fällt.

Break-Even: 168,80 $
Strike des Short Put (170 $) minus kassierte Prämie (1,20 $).

Kapitaleinsatz: 380 $ (vs. 17.000 $ beim Cash Secured Put auf den gleichen Strike)

Das ist der entscheidende Vorteil: Für 380 $ statt 17.000 $ kannst du eine ähnliche Position eröffnen. Du brauchst weniger als 1/40 des Kapitals.


Bear Call Spread — Für bärische Einschätzungen

Der Bear Call Spread funktioniert spiegelbildlich zum Bull Put Spread — du profitierst, wenn die Aktie fällt oder seitwärts geht.

Konkretes Beispiel

Ausgangssituation:
– Aktie: Tesla (TSLA) @ 250 $
– Deine Meinung: Tesla wird in den nächsten 30-45 Tagen nicht über 280 $ steigen

Dein Trade:
– Sell 1 Call @ Strike 280 $ → Einnahme: 3,00 $
– Buy 1 Call @ Strike 290 $ → Kosten: 1,50 $
Nettoprämie: 1,50 $ = 150 $ pro Kontrakt

Die Kennzahlen

Maximaler Gewinn: 150 $
Wenn TSLA am Verfallstag unter 280 $ steht.

Maximaler Verlust: 850 $
(10 $ Spread-Breite × 100) minus 150 $ Prämie.

Break-Even: 281,50 $
Strike des Short Call (280 $) plus kassierte Prämie (1,50 $).


Wann welchen Credit Spread?

Bull Put Spread wählen, wenn:

  • Du bullisch oder neutral eingestellt bist
  • Die Aktie in einem Aufwärtstrend oder Seitwärtstrend ist
  • Du eine günstigere Alternative zum Cash Secured Put suchst
  • Support-Zonen unter dem Short Strike liegen

Bear Call Spread wählen, wenn:

  • Du bärisch oder neutral eingestellt bist
  • Die Aktie in einem Abwärtstrend oder bei einem Widerstand ist
  • Du nach Earnings einen übertriebenen Anstieg erwartest, der sich korrigiert
  • Resistance-Zonen über dem Short Strike liegen

Beide kombinieren = Iron Condor

Wenn du neutral eingestellt bist (weder bullisch noch bärisch), kannst du einen Bull Put Spread und einen Bear Call Spread gleichzeitig verkaufen. Das ist ein Iron Condor — eine der beliebtesten Strategien für Seitwärtsmärkte.


Die richtige Strike-Auswahl

Short Strike: Delta als Kompass

Delta 0,20-0,30 (empfohlen für Anfänger):
Gewinnwahrscheinlichkeit ca. 70-80 %. Häufig ein sinnvoller Kompromiss aus Prämie und Sicherheitsabstand.

Delta 0,10-0,15 (konservativ):
Gewinnwahrscheinlichkeit grob 85-90 %. Kleine Prämie, dafür größerer Abstand zum aktuellen Kurs.

Delta 0,30-0,40 (aggressiv):
Gewinnwahrscheinlichkeit grob 60-70 %. Höhere Prämie, aber deutlich weniger Puffer.

Spread-Breite: Dein Risikoregler

Die Breite zwischen den Strikes bestimmt deinen maximalen Verlust.

Enge Spreads (1-3 $ breit):
– Wenig Kapital nötig (100-300 $ Margin)
– Kleine absolute Gewinne und Verluste
– Gut zum Üben und für kleine Konten

Standard-Spreads (5 $ breit):
– Moderater Kapitaleinsatz
– Gutes Verhältnis von Prämie zu Risiko
– Am häufigsten gehandelt

Breite Spreads (10+ $ breit):
– Mehr Prämie, aber auch mehr Risiko
– Besser für Index-ETFs (SPY, QQQ)
– Erfordern strikteres Management

Laufzeit

30-45 Tage (empfohlen): Der Theta-Verfall beschleunigt sich ab ca. 45 DTE. Du profitierst maximal vom Zeitwertverfall.

Unter 21 Tage: Schnellerer Verfall, aber höheres Gamma-Risiko. Kursbewegungen haben einen stärkeren Einfluss auf den Wert deines Spreads.


Credit Spread Management — Die wichtigsten Regeln

Regel 1: Gewinnmitnahme bei 50 %

Wenn dein Credit Spread 50 % der maximalen Prämie erreicht hat, schließ die Position. Beispiel: 120 $ kassiert → schließen wenn der Spread nur noch 60 $ kostet.

Warum? Die 50 %-Regel wird häufig genutzt, weil sie Kapital freisetzt und das Risiko reduziert, den letzten Teil der Prämie unter steigendem Gamma-Risiko einzusammeln. Du befreist Kapital und Margin für den nächsten Trade.

Regel 2: Verlustbegrenzung bei 200 %

Wenn der Verlust das Doppelte der eingenommenen Prämie erreicht, solltest du die Position konsequent prüfen und je nach Plan schließen oder anpassen. Bei 120 $ Prämie also bei 240 $ Verlust. Das schützt dich vor dem maximalen Verlust (380 $).

Regel 3: Zeitbasierter Exit bei 21 DTE

Wenn weniger als 21 Tage bis zum Verfall übrig sind und dein Spread noch nicht profitabel ist, überdenke die Position. Das Gamma-Risiko steigt in den letzten Wochen deutlich.

Rollen: Wann und wie

Rollen lohnt sich, wenn:
– Du noch an deine Marktmeinung glaubst
– Du einen Netto-Credit bekommst (nie für einen Debit rollen)
– Die neue Position ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis hat

So geht’s:
1. Buy to Close den aktuellen Spread
2. Sell to Open einen neuen Spread mit späterem Verfall und/oder besseren Strikes


Credit Spread vs. Cash Secured Put — Der Vergleich

MerkmalCredit Spread (Bull Put)Cash Secured Put
Kapitaleinsatz380 $ (bei 5 $ Spread)17.000 $ (bei Strike 170 $)
Max. Gewinn120 $ (Prämie)250 $ (Prämie)
Max. Verlust380 $ (definiert)17.000 $ (Aktie auf 0)
Rendite auf Kapital31,6 %1,5 %
Bei ZuweisungBarausgleich100 Aktien
Für Wheel geeignetNeinJa
KapitalbedarfKleinGroß

Zusammenfassung: Der Credit Spread ist kapitaleffizienter und hat ein definiertes Risiko. Der Cash Secured Put ermöglicht die Wheel-Strategie und potenziellen Aktienbesitz.


Typische Fehler beim Credit Spread

Fehler 1: Zu enge Strikes für maximale Prämie

Anfänger platzieren den Short Strike zu nahe am aktuellen Kurs, weil die Prämie verlockend hoch ist. Aber ein Short Put mit Delta 0,40 hat nur ca. 60 % Gewinnwahrscheinlichkeit — das reicht bei dem asymmetrischen Risiko nicht aus.

Fehler 2: Zu viele Spreads gleichzeitig

Credit Spreads sind kapitaleffizient — genau das wird zum Problem, wenn du dich übernimmst. Mit 5.000 $ Kapital könntest du theoretisch 10+ Spreads gleichzeitig haben. Wenn alle gegen dich laufen, verlierst du schnell 20-30 % deines Kontos.

Regel: Nie mehr als 5 % deines Kontos in einen einzelnen Spread, nie mehr als 25 % in alle Spreads zusammen.

Fehler 3: Credit Spreads auf illiquide Optionen

Wenn der Bid-Ask-Spread groß ist, verlierst du beim Einstieg und beim Ausstieg. Das frisst deine Prämie auf.

Regel: Bid-Ask-Spread der einzelnen Legs sollte unter 10 % des Optionspreises liegen.

Fehler 4: Kein Plan für Earnings

Ein Bull Put Spread auf eine Aktie 3 Tage vor Earnings ist Glücksspiel. Die IV ist zwar hoch (gute Prämie), aber der Kurssprung nach den Zahlen kann deinen gesamten Spread durchbrechen.

Vor dem Trade prüfen

Ein Credit Spread wird nicht dadurch gut, dass die Prämie hoch aussieht. Prüfe vor der Order diese Punkte gemeinsam:

IV Percentile / IV Rank: Ist die Prämie im historischen Vergleich attraktiv?
Liquidität: Sind Geld-Brief-Spanne, Open Interest und Ausstieg realistisch?
Earnings & Ereignisse: Liegt während der Laufzeit ein starkes Event-Risiko?
Delta & Abstand: Passt der Short Strike zu Marktmeinung und Sicherheitsabstand?
Positionsgröße: Bleibt der Maximalverlust auch im Verlustfall tragbar?
Exit-Regel: Weißt du vor dem Einstieg, wann du Gewinn mitnimmst oder schließt?

Schritt-für-Schritt: Dein erster Credit Spread

Schritt 1: Wähle ein liquides Underlying (SPY, AAPL, MSFT, QQQ)

Schritt 2: Bestimme deine Marktmeinung: Bullisch → Bull Put Spread, Bärisch → Bear Call Spread

Schritt 3: Prüfe zuerst das IV Percentile und danach den IV Rank. Hohe Werte können ein attraktiveres Prämienumfeld anzeigen, ersetzen aber keine Prüfung von Liquidität, Earnings und Risiko.

Schritt 4: Wähle eine Laufzeit von 30-45 Tagen

Schritt 5: Setze den Short Strike bei Delta 0,20-0,25

Schritt 6: Setze den Long Strike 5 $ darunter (Bull Put) bzw. darüber (Bear Call)

Schritt 7: Prüfe, ob die Prämie im Verhältnis zur Spread-Breite sinnvoll ist. Eine häufige Orientierung liegt bei etwa 25-35 % der Spread-Breite, aber nur bei ausreichender Liquidität und passendem Risiko.

Schritt 8: Order als Spread aufgeben (nicht als Einzeloptionen!)

Schritt 9: Notiere im Trading-Journal: Gewinnmitnahme bei 50 %, Stop bei 200 % der Prämie


Credit-Spread-Checkliste als PDF

Nutze die Checkliste vor einem Trade: Marktmeinung, IVP/IVR, Liquidität, Strikes, Maximalverlust und Exit-Regeln strukturiert prüfen.

Nach der Anmeldung bekommst du eine kurze Bestätigungs-Mail. Danach öffnet sich die Download-Seite.


Fazit

Der Credit Spread ist die vielleicht wichtigste Strategie für Optionshändler mit kleinerem Konto. Du bekommst definiertes Risiko, brauchst wenig Kapital und profitierst vom Zeitwertverfall. Der Bull Put Spread ersetzt den Cash Secured Put für kleinere Konten, der Bear Call Spread gibt dir eine bärische Alternative, und beide zusammen ergeben einen Iron Condor.

Starte mit einem einzelnen Bull Put Spread auf einen liquiden ETF wie SPY, verwende Delta 0,20-0,25 für den Short Strike und halte dich strikt an die 50 %-Gewinnmitnahme-Regel. So lernst du die Mechanik, ohne dein Konto zu gefährden.


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Risikohinweis: Die auf optionen-akademie.com bereitgestellten Inhalte dienen ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken und stellen keine Anlageberatung, Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.

Der Handel mit Optionen ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Optionen sind komplexe Finanzinstrumente und eignen sich nicht für jeden Anleger. Vergangene Ergebnisse sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.

Alle genannten Beispiele, Berechnungen und Strategien dienen der Veranschaulichung und berücksichtigen keine individuellen Umstände wie Steuersituation, Risikobereitschaft oder finanzielle Ziele. Bevor du mit dem Optionshandel beginnst, solltest du dich von einem qualifizierten Finanzberater beraten lassen.

Die Autoren und Betreiber von optionen-akademie.com übernehmen keine Haftung für Verluste, die durch die Anwendung der hier vorgestellten Informationen entstehen. Jede Investitionsentscheidung liegt in der alleinigen Verantwortung des Lesers.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Bull Put Spread und Bear Call Spread?
Ein Bull Put Spread profitiert von steigenden oder seitwärts laufenden Kursen (bullisch). Ein Bear Call Spread profitiert von fallenden oder seitwärts laufenden Kursen (bärisch).
Wie wähle ich die Strike-Preise für einen Spread?
Wähle den verkauften Strike nahe am 30-Delta (ca. 70% Gewinnwahrscheinlichkeit) und den gekauften Strike 5-10 Punkte weiter entfernt als Absicherung.
Wie viel Kapital brauche ich für einen Credit Spread?
Die Margin-Anforderung ist die Strike-Breite minus die Prämie. Bei einem 5-USD-Spread und 1,50 USD Prämie brauchst du 350 USD Margin pro Kontrakt.
Daniel Arlt

Geschrieben von

Daniel Arlt

Daniel Arlt ist Gründer der Optionen-Akademie und seit 1998 an der Börse aktiv. Seit 2020 handelt er Optionen mit Fokus auf nachvollziehbare Strategien, Risiko und Positionsgröße. Auf der Optionen-Akademie erklärt er Optionshandel nüchtern, praxisnah und ohne Renditeversprechen.

Daniel Arlt

Autor

Daniel Arlt

Daniel ist Gründer der Optionen-Akademie und seit 1998 an der Börse aktiv. Seit 2020 handelt er Optionen mit Fokus auf nachvollziehbare Strategien, Risiko und Positionsgröße. Auf der Optionen-Akademie erklärt er Optionshandel nüchtern, praxisnah und ohne Renditeversprechen.

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