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Optionshandel im COVID-Crash: Was Stillhalter daraus lernen können

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34 Prozent in 23 Tagen: Der schnellste Crash der Geschichte

Am 19. Februar 2020 erreichte der S&P 500 ein Allzeithoch bei 3.386 Punkten. Nur 23 Handelstage später, am 23. März, stand er bei 2.237 — ein Einbruch von 34 Prozent. Es war der schnellste Bärenmarkt der Geschichte. Für Optionshändler war es ein Stresstest wie kein anderer: Der VIX schoss von 14 auf über 82, Optionsprämien explodierten, und viele Konten wurden vernichtet.

Aber nicht alle. Einige Stillhalter kamen nicht nur durch den Crash — sie profitierten sogar davon. Was haben sie anders gemacht?

Was im Crash passiert ist

Die Volatilitätsexplosion

Die implizite Volatilität stieg in wenigen Tagen um das Fünffache. Ein Put auf den SPY, der normalerweise 2 Dollar gekostet hätte, kostete plötzlich 15 Dollar. Für Stillhalter bedeutete das: Die eingenommenen Prämien in den Wochen vor dem Crash waren winzig im Vergleich zu den Verlusten, die jetzt anfielen.

Wer beispielsweise einen Cash Secured Put auf den SPY mit Strike 320 für 3 Dollar verkauft hatte, sah seine Position plötzlich 80 Dollar im Geld. Der Verlust: 77 Dollar pro Aktie oder 7.700 Dollar pro Kontrakt — für 300 Dollar Prämie.

Die Korrelation steigt auf 1

In normalen Zeiten korrelieren verschiedene Sektoren moderat miteinander. Im Crash stieg die Korrelation auf nahezu 1 — alles fiel gleichzeitig. Tech, Finanzen, Gesundheit, Energie — kein Sektor bot Schutz. Trader, die dachten, sie seien diversifiziert, stellten fest, dass ihre 5 verschiedenen Puts alle gleichzeitig im Geld waren.

Die schnelle Erholung

Ebenso bemerkenswert wie der Crash war die Erholung. Bis August 2020 hatte der S&P 500 seine Verluste komplett aufgeholt. Wer die Geduld hatte, die zugewiesenen Aktien zu behalten und Covered Calls darauf zu schreiben, profitierte doppelt: von den fetten Prämien während der hohen IV und vom Kursanstieg.

Die 5 wichtigsten Lehren

Lehre 1: Positionsgröße ist Überlebensversicherung

Trader, die ihre Positionsgröße konservativ gehalten hatten (2 bis 3 Prozent pro Trade), überstanden den Crash mit blauen Flecken, aber intaktem Konto. Wer 10 oder 20 Prozent pro Position riskiert hatte, wurde ausgelöscht. Die Positionsgröße entscheidet nicht über den nächsten Trade — sie entscheidet, ob du nächstes Jahr noch tradest.

Lehre 2: Definiertes Risiko rettet Konten

Trader mit undefinierten Positionen (Naked Puts, Short Strangles) erlebten theoretisch unbegrenzte Verluste. Trader mit Credit Spreads und Iron Condors wussten genau, wie viel sie maximal verlieren konnten. In einem 34-Prozent-Crash ist dieser Unterschied existenziell.

Lehre 3: Bargeld-Reserve ist kein verschwendetes Kapital

Trader, die 40 bis 50 Prozent ihres Kapitals in Cash hielten, konnten während des Crashs neue Positionen eröffnen — zu historisch hohen Prämien. Puts auf Apple bei 100 Dollar Entfernung vom aktuellen Kurs brachten Prämien, die sonst nur At-the-Money möglich sind. Cash ist kein totes Kapital — es ist Munition für Chancen.

Lehre 4: Die Wheel-Strategie zeigt ihre Stärke

Trader, die die Wheel-Strategie auf Qualitätsaktien fuhren, erlebten den Crash als Chance. Ihre zugewiesenen Aktien (Microsoft bei 150, Apple bei 250) erholten sich alle. Die Covered Calls, die sie während der Erholung schrieben, brachten überproportionale Prämien, weil die IV monatelang erhöht blieb.

Die Wheel-Strategie funktionierte genau wie versprochen — aber nur für Trader, die auf Qualitätsaktien setzten, die sie wirklich besitzen wollten. Wer Puts auf Airlines, Kreuzfahrt-Unternehmen oder Ölkonzerne verkauft hatte, erlebte eine andere Geschichte.

Lehre 5: Emotionale Kontrolle ist alles

Der Crash testete nicht die Strategie — er testete den Menschen. Wer in Panik alles schloss, realisierte massive Verluste. Wer ruhig blieb, den Plan befolgte und die zugewiesenen Aktien hielt, wurde innerhalb weniger Monate belohnt. Die größte Lektion: Dein Risikomanagement muss so robust sein, dass du in der Panik keinen Grund hast, panisch zu handeln.

Was konkret schiefging — drei typische Szenarien

Der Overtrader: 80 Prozent des Kapitals in Naked Puts gebunden. Kein Cash für Margin Calls. Broker liquidiert Positionen zwangsweise am Tiefpunkt. Totalverlust.

Der Panik-Verkäufer: Solide Positionsgrößen, aber schließt am 16. März alle Positionen mit 40 Prozent Verlust. Zwei Wochen später beginnt die Erholung. Realisierter Verlust, der unnötig war.

Der Disziplinierte: 50 Prozent Cash, definierte Strategien, 2 Prozent Risiko pro Trade. Nimmt Zuweisungen an, schreibt Covered Calls auf die neuen Aktien. Erholt sich bis August komplett und liegt am Jahresende im Plus.

Die Crash-Checkliste für Stillhalter

Drucke dir diese Liste aus und klebe sie neben deinen Monitor — für den nächsten Crash, der kommen wird:

Vor dem Crash (immer): Maximal 50 Prozent Buying Power nutzen. Maximal 5 Prozent pro Position. Nur Aktien, die du besitzen willst. Journal führen.

Während des Crashs: Keine Panikverkäufe. Keine neuen undefinierten Positionen. Cash nutzen für Spreads bei extrem hoher IV. Zuweisungen akzeptieren, wenn die Aktien Qualität sind.

Nach dem Crash: Covered Calls auf zugewiesene Aktien schreiben. IV bleibt wochenlang erhöht — nutze das. Neue CSPs auf Qualitätsaktien verkaufen, die jetzt günstig sind.

Fazit

Der COVID-Crash hat gezeigt, dass Optionshandel nicht risikolos ist — und dass die Versuchung, das Risiko zu unterschätzen, der gefährlichste Anfängerfehler ist. Gleichzeitig hat er bewiesen, dass ein disziplinierter Stillhalter mit der richtigen Positionsgröße und einem soliden Plan nicht nur überlebt, sondern gestärkt aus einer Krise hervorgeht. Der nächste Crash kommt — die Frage ist nur, ob du vorbereitet bist.

Häufig gestellte Fragen

Hätte ich den COVID-Crash mit Optionen voraussagen können?
Nein. Niemand konnte Zeitpunkt und Ausmaß vorhersagen. Deshalb ist Risikomanagement so wichtig: Du bereitest dich auf das Unvorhersehbare vor, statt es vorhersagen zu wollen.
Sollte ich während eines Crashs neue Positionen eröffnen?
Ja, aber nur mit definierten Strategien und kleinen Positionsgrößen. Die Prämien während eines Crashs sind historisch hoch. Nutze Credit Spreads mit breiten Strikes, um das erhöhte Risiko zu begrenzen.
Wie schnell erholt sich die Volatilität nach einem Crash normalerweise?
Der VIX tendiert zur Mean Reversion — er kehrt immer zum Durchschnitt zurück. Nach dem COVID-Crash brauchte der VIX etwa 3 bis 4 Monate, um von 82 auf unter 30 zu fallen. Die erhöhte IV blieb monatelang bestehen und bot Stillhaltern überdurchschnittliche Prämien.
Daniel

Geschrieben von

Daniel

Aktiver Optionshändler und Gründer der Optionen-Akademie. Daniel ist seit 1998 an der Börse aktiv und handelt seit 2020 erfolgreich mit Optionen — mit mehreren tausend Trades und bisher keinem Verlustjahr. Seine Expertise basiert auf renommierten Ausbildungen mit Zertifikat, sowohl national als auch international. Seine Mission: Menschen mit größtenteils kostenlosem Content das Wissen vermitteln, das sie brauchen, um ein finanziell freies Leben zu führen.